Coronavirus

Sollen alle Bundesländer im Spätsommer Ferien haben?

| Lesedauer: 4 Minuten
Insa Gall
Die Seebrücke im Ostseebad Binz auf der Insel Rügen: Osterausflüge sind nach einem Gerichtsurteil in Mecklenburg-Vorpommern trotz der Coronapandemie nun doch erlaubt.

Die Seebrücke im Ostseebad Binz auf der Insel Rügen: Osterausflüge sind nach einem Gerichtsurteil in Mecklenburg-Vorpommern trotz der Coronapandemie nun doch erlaubt.

Foto: Jens Büttner / dpa

Mecklenburg-Vorpommern will mit seinem Vorschlag Schaden für Tourismus begrenzen. Für Hamburgs Schüler hätte das einen Vorteil.

Kiel/Hamburg. Die Tourismusbranche im Norden schaut gebannt auf die Politik und hofft, dass die Reisesaison 2020 noch ansatzweise zu retten ist, wenn es irgendwann Lockerungen bei den Reiseeinschränkungen gibt.

Verunsichert sind auch die Urlauber: „Die Gäste sind im Zwiespalt, viele haben ihre Buchungen noch nicht storniert, sondern warten noch ab“, sagt Manuela Schütze, Sprecherin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein. Allerdings: „Es gibt auch nur wenig Neubuchungen.“

Nach jetzigem Stand liege die Buchungsauslastung der Quartiere in den Tourismusgebieten des nördlichsten Bundeslandes bei 70 Prozent. Wie viele Buchungen noch storniert werden, wird sich zeigen.

Sommerferien im Norden wegen Corona verschieben?

Der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern hatte vorgeschlagen, alle Sommerferien-Termine wegen der Coronakrise einmalig auf August und September zu verschieben. Dann seien vermutlich mehr Räume für Ferien- und Freizeitgestaltung wieder freigegeben als im Juni und Juli, hatte der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf, gesagt.

Eine Verschiebung hätte auch den Vorteil für die Schüler in den Bundesländern mit einem frühen Sommerferientermin, dass mehr Zeit zum Erlernen des Schulstoffs bleibe. In Hamburg beginnen die Sommerferien am 25. Juni.

Schleswig-Holstein schließt Verschiebung nicht aus

Der Tourismusverband Schleswig-Holstein findet den Vorschlag verfrüht, schließt eine solche Regelung aber auch nicht ganz aus. „Zunächst muss die Frage beantwortet werden, wann und in welcher Form die Kontaktverbote gelockert werden, wann und in welcher Form Reisen wieder möglich ist“, sagt Catrin Homp, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Schleswig-Holstein.

„Erst nach dieser Klärung ist eine Überlegung zur Ferienlage sinnvoll. Viele Fragen sind dazu noch offen: Die Folge der Verschiebung wären zahlreiche Stornierungen, die dann allerdings für den Gast wohl nicht kostenfrei möglich wären. Außerdem ist die Vorbuchung für den August und September in den Betrieben erfahrungsgemäß sehr gut, so dass sich die Frage stellt, welche Vorteile die Tourismuswirtschaft von einer Verschiebung hätte.“

Wirtschaftsminister hofft auf "Boom des Inland-Tourismus"

Noch bestehe in der Branche die Hoffnung, dass unter der Prämisse des Infektionsschutzes und der Vermeidung wieder ansteigender Infektionen ein vorsichtiges Wiederanfahren des Tourismus mit ​einer Limitierung der Besucherzahlen vor den Sommerferien möglich sei.

Das könnte Sie auch interessieren:

Das hofft auch der Kieler Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP), der sich eine „sehr gute Wiederbelebung“ des Tourismus auch schon in diesem Jahr vorstellen kann. Sicherlich werde man den Tourismus nicht wieder von Null auf Hundert drehen können. „Ich glaube, dass wir für die nächsten Jahre vielleicht sogar einen Boom des Inland-Tourismus und damit auch einen Boom bei uns im Land Schleswig-Holstein erleben können“, sagte er der dpa.

„Die Reiselust ist ungebrochen, das merken wir“

Bis zum Jahresanfang war die Welt bei den Touristikunternehmen im Norden noch in Ordnung. „Die Buchungslage war gut, sie lag im Sommer auf dem Niveau des Vorjahres“, sagt Manuela Schütze. Und das war ein Rekordjahr mit 36 Millionen Übernachtungen in Schleswig-Holstein gewesen – nach 34 Millionen Übernachtungen im Jahr 2018.

Viele Gäste hatten im Vorjahr bereits wieder für diesen Sommer gebucht. Doch dann kam Corona. „Die Reiselust ist ungebrochen, das merken wir“, sagt Schütze.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden