Unwetter

Sylt, Amrum, Föhr: "Sabine" reißt Nordsee-Strände weg

Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Strand von Wenningstedt auf der Insel Sylt – neben ihm eine Skulptur der Künstlerin Christel Lechner.

Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Strand von Wenningstedt auf der Insel Sylt – neben ihm eine Skulptur der Künstlerin Christel Lechner.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Große Schäden verursacht, doch die Deiche haben gehalten. Mit "Uta" und "Victoria" wehen schon neue Tiefdruckgebiete heran.

Westerland. Die Stürme der vergangenen Tage haben die Strände der Insel Sylt stark beschädigt. An manchen Stellen ist der Sand auf Hunderten von Metern weggerissen worden. Dort endet der nun nur noch schmale Strand abrupt an einer teilweise mehrere Meter hohen Abbruchkante. Auch meeresnahe Randdünen und das Rote Kliff bei Kampen wurden beschädigt. Unklar ist derzeit, wie und wann der Strand wieder erneuert werden kann.

Mit den Jahr für Jahr vorgenommenen Strandvorspülungen dürfte es diesmal nicht getan sein. Im vergangenen Jahr wurden 6,5 Millionen Euro ausgegeben, um 1,2 Millionen Kubikmeter Sand an die Sylter Strände zu bringen. Auch auf der niedersächsischen Nordseeinsel Wangerooge hat der Sturm 80 Prozent der Badestrände weggerissen.

Sturmtief "Sabine" reißt Sylter Strände weg

Am Donnerstag war Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Al­brecht (Grüne) auf Sylt, um sich ein Bild von den Schäden zu machen. Fazit: Auf der überwiegenden Strecke der knapp 40 Kilometer langen Westküste der Insel sei das Sanddepot abgetragen und in den Unterwasserstrand verlagert worden, sodass die trockenen Strände tiefer als üblich lägen. An wenigen Stellen sei auch „die Substanz der Insel angegriffen“.

Albrecht weiter: „Das dort seit über 30 Jahren im Sommerhalbjahr immer wieder aufgefüllte Sanddepot konnte nicht vollständig verhindern, dass es an einem Drittel der Westküste auch an den Vor- und Randdünen Abbrüche gegeben hat. Das Rote Kliff bei Kampen wurde auf einer Länge von 300 Metern angegriffen. Seine eigentliche Funktion, die Substanz der Insel zu schützen, hat das Depot aber grundsätzlich erfüllt.“ Auch im Westen von Föhr habe es Sandverluste an den Stränden gegeben, ebenso an der Amrumer Odde.

Deiche haben gehalten – nur vereinzelt kleine Schäden

Laut Albrecht haben die vergangenen Tage dennoch gezeigt, dass sich die Küstenschutzstrategie des Landes bewährt habe. „Unsere Landesschutzdeiche an der Nordseeküste haben auf ihrer Länge von 364 Kilometern die schwere Sturmflutserie sehr gut überstanden. An den Deichen sind nur vereinzelt kleinere Schäden aufgetreten, die vorläufig gesichert wurden“, sagte Albrecht.

Nun soll der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz genau ermitteln, welche Schäden entstanden und wie sie zu beseitigen sind. Schon am Donnerstag wurde der Strand bei Hörnum vermessen, um die Sandverluste beziffern zu können. „Eine abschließende Bilanz für die Westküste können wir erst Ende März ziehen, am Ende der Sturmflutsaison“, sagte Al­brecht. „Dann werden wir erörtern, welche Konsequenzen erforderlich werden.“

Wissenswertes über Sylt

  • Sylt ist mit einer Fläche von 99,14 km Deutschlands viertgrößte Insel und die größte deutsche Nordseeinsel
  • Die Insel ist durch den mehr als elf Kilometer langen Hindenburgdamm seit 1927 mit dem Festland verbunden
  • Sylt ist 38 Kilometer lang und an der schmalsten Stelle nur 320 Meter breit
  • Die Hin- und Rückfahrt mit dem Autozug von Niebüll nach Westerland und zurück kostet derzeit knapp 100 Euro
  • Eine einfache Fahrt mit dem Regionalzug von Hamburg-Altona nach Westerland kostet rund 32 Euro

Außergewöhnliche Reihe an Sturmfluten setzt Küstenland unter Wasser

Fünf Sturmfluten waren in den Tagen von Montag bis Mittwoch auf die schleswig-holsteinische Nordseeküste getroffen. Eine durchaus ungewöhnliche Serie. Seit 1938 hat es erst acht derartige Serien gegeben, alle wurden in den Jahren nach 1976 beobachtet. 1993 gab es sogar eine Kette von fünf und acht Sturmfluten hintereinander – innerhalb von nur zwei Wochen.

Auch im Küstenhinterland steht derzeit viel Wasser. Die starken Niederschläge der vergangenen Tage haben vielerorts zur Überflutung von Marschen geführt. Mit dem Abklingen des Sturms und sinkenden Wasserständen wird nun zumindest bis zum Wochenende eine Entspannung erwartet. „Die für die Entwässerung zuständigen Deich- und Sielverbände und die Wasser- und Bodenverbände sind sich ihrer Verantwortung bewusst“, sagte Minister Albrecht. „Neben dem zu erwartenden Meeresspiegelanstieg infolge des Klimawandels stellen diese Hochwasserketten zusätzlich eine Herausforderung für die Entwässerung der Marsch- und Niederungsbereiche dar.“

Neue Tiefdruckgebiete: "Uta" und "Victoria" im Anflug

Die jährlichen Sandvorspülungen auf Sylt sind kein Tourismusschutz, sondern dienen zunächst dem viel existen­zielleren Küstenschutz. Das gilt für Sylt in besonderem Maß: Die Insel schützt eben auch die Küste des in ihrem Schatten liegenden Festlands. Insgesamt wurden seit 1972 bis Ende 2018 rund 50,2 Millionen Kubikmeter Sand vorgespült. Die Gesamtkosten dafür betrugen rund 228 Millionen Euro. Nach dem Fachplan Küstenschutz Sylt sind jährlich rund eine Million Kubikmeter Sandverluste auszugleichen. In diesem Jahr werden es absehbar erheblich mehr werden.

Denn die Winterstürme über der Nordsee sind ja noch längst nicht vorbei. Zwei weitere Sturmtiefs sind laut Meteorologen im Anmarsch. Tief „Uta“ wird wohl am Sonnabend auf die Küste treffen, in der Nacht zum Montag dürfte Tief „Victoria“ folgen. Wie stark sie genau werden, ist noch unklar. Meteorologen vermuten jedoch, dass „Victoria“ wieder von Windböen begleitet sein könnte, die in ihrer Stärke denen des letzten Sturms „Sabine“ in nichts nachstehen. Der Deutsche Wetterdienst sagt bereits für Sonntag „frischen bis starken, in Böen stürmischen Wind aus Südwest“ voraus, an der Nordsee und im Norden sogar „schwere Sturmböen“. In Hamburg soll die Temperatur auf 15 Grad Celsius steigen.