Schleswig-Holstein

Kritik an Wildschweinzaun: Symbol der Abschottung

Zaunpfähle des Wildschweinzauns an der deutsch-dänischen Grenze.

Zaunpfähle des Wildschweinzauns an der deutsch-dänischen Grenze.

Foto: dpa

Montagnachmittag wurde letztes Zaunstück an der deutsch-dänischen Grenze fertiggestellt. Das Projekt ist umstritten.

Kiel. Schleswig-Holsteins Europaministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) hat sich kritisch zum Wildschweinzaun an der dänisch-deutschen Grenze geäußert. Mit dem am Montag fertiggestellten rund 70 Kilometer langen Bauwerk will Dänemark die heimische Schweinezucht vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) schützen.

Dazu sagte die Europaministerin am Dienstag: „Gerade in diesen Zeiten braucht Europa weniger Zäune und nicht mehr.“ Es gelte, Grenzen abzubauen, nicht neue hochzuziehen, selbst wenn sie „nur„ Tiere betreffen. „Ich hoffe sehr, dass diese Grenze nicht auch Einzug hält in die Köpfe der Menschen im Grenzgebiet.“ Das Zusammenleben in der Grenzregion gelte nicht umsonst als europaweit vorbildlich.

Bauarbeiter hatten am Montag das letzte Zaunteil nahe dem Grenzübergang Sofiedal knapp 20 Kilometer nordwestlich von Flensburg fertiggestellt.

Effekt des Wildschweinzauns wird von Experten infrage gestellt

Seit Ende Januar hatten die Dänen an dem Wildschweinzaun gebaut. Wie die dänische Naturverwaltung am Montag mitteilte, kostete der Bau umgerechnet nur rund sechs statt der ursprünglich veranschlagten fast elf Millionen Euro. Nach Angaben der Behörde verfügt der Zaun über 20 permanente Öffnungen für Grenzübergänge und größere Wasserläufe. Dort sollen die Wildschweine zum Beispiel durch Gerüche vom Überqueren der Grenze abgehalten werden. Für Wanderer und Spaziergänger gibt es zudem Tore und kleine Überquerungstreppen entlang des Zauns.

Der Effekt des Zauns wird von Experten infrage gestellt: Sie halten vor allem die Übertragung durch das Zutun des Menschen für das Hauptproblem im Kampf gegen die ASP. Über weggeworfene Brote mit Wurst aus dem Fleisch infizierter Tiere sowie den Schlamm in Radkästen von Autos oder in Schuhprofilen kann das Virus in zuvor nicht betroffene Gegenden eingeschleppt werden.