Unfallstatistik

20 Prozent mehr Verkehrstote in Schleswig-Holstein

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Erinnerung und Mahnung zugleich: das Kreuz für einen Verkehrstoten an einer Landstraße (Symbolbild)

Erinnerung und Mahnung zugleich: das Kreuz für einen Verkehrstoten an einer Landstraße (Symbolbild)

Foto: Foto: Frank Sorge / imago/Frank Sorge

Weniger Verletzte. 2018 war jedes vierte Unfallopfer im Norden ein Radler. Ältere Pedelec-Fahrer besonders gefährdet.

Kiel.  Die Zahl der Verkehrstoten in Schleswig-Holstein ist im vergangenen Jahr wieder deutlich gestiegen. Nach dem historischen Tiefstand mit 100 Verkehrstoten im Jahr 2017 kamen im vergangenen Jahr 122 Menschen ums Leben - der höchste Stand seit 2009. "Das ist eine traurige Bilanz", sagte Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) am Montag bei der Vorstellung des Verkehrssicherheitsberichts der Polizei. Die Zahl der verletzten Verkehrsteilnehmer sank um 1,6 Prozent auf 15 903. Dabei nahm die Zahl der Verkehrsunfälle sogar leicht zu und stieg um 0,7 Prozent auf 90 711.

Sorgen bereitet Grote und der Polizei die Ablenkung vieler Autofahrer durch Smartphone- oder Tabletnutzung am Steuer. 2018 hat die Polizei im Norden unter dem Motto "Runter vom Gas – Finger vom Handy" erneut einen entsprechenden Überwachungs- und Aufklärungsschwerpunkt gelegt und sich an bundes- und europaweiten Kontrollen beteiligt. Dabei wurden 16.509 Verstöße festgestellt. Das entspricht einer Steigerung von fast einem Drittel (plus 31,3 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr.

Unfallursache Ablenkung wird künftig statistisch erfasst

"Freisprech-Einrichtungen gibt es bereits für kleines Geld, in vielen Autos sind sie bereits verbaut", sagte Grote. "Ich weiß nicht, warum man das Ding dennoch in die Hand nimmt." Statt einer erneuten Erhöhung der Bußgelder sprach er sich dafür aus, über Verkehrsschulungen nachzudenken. Wer beim Fahren mit dem Smartphone hantiere, müsse bedenken, dass er eine "1,5 bis 2 Tonnen schwere Waffe in der Hand" halte.

"Ablenkung ist nach wie vor eine zunehmende und oft unterschätzte Gefahr im Straßenverkehr, sagte Landespolizeidirektor Michael Wilksen. Vom nächsten Jahr an werde die Unfallursache Ablenkung in die offizielle bundeseinheitliche Unfallstatistik aufgenommen. Dies sei maßgeblich durch die Landespolizei Schleswig-Holstein forciert worden.

20 Stellen mehr für die Verkehrsüberwachung

Die Polizei kündigte an, dieses gefährliche Verhalten weiterhin durch tägliche Kontrollen konsequent zu bekämpfen. 20 zusätzliche Stellen im Rahmen der Verkehrsüberwachung seien geplant. Das entspreche einem Stellenzuwachs um rund zehn Prozent, sagte Polizeidirektor Axel Behrends.

Hauptunfallursachen sind weiterhin Vorfahrtmissachtungen und Fehler beim Abbiegen mit je 17 Prozent, gefolgt von nicht angepasster Geschwindigkeit mit 12 Prozent der aufgenommenen Verkehrsunfälle. Ein Tempolimit auf den Autobahnen sieht Grote aber kritisch. "Ich halte ein generelles Tempolimit nicht für den richtigen Weg."

Jedes vierte Unfallopfer ist ein Radfahrer

Die Förderung des Radverkehrs und der steigende Marktanteil an Pedelecs zeigen laut Verkehrssicherheitsbericht auch Schattenseiten. Die Zahl der Verkehrsunfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren, ist die höchste seit Auswertung dieser Verkehrsteilnehmer: Jeder vierte Verunglückte im Straßenverkehr war ein Radfahrer.

Die Anzahl der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Pedelec-Fahrern stieg um mehr als 50 Prozent. Die Fahrer solcher Elektrofahrräder machen mittlerweile einen Anteil von 13 Prozent aller Radfahrunfälle aus. Die ältere Generation ab 65 Jahren, die ihre Mobilität als Pedelec-Fahrer erweitere, sei besonders verletzungsgefährdet.

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Torsten Jäger, nannte den deutlichen Anstieg der Todesopfer erschreckend. Es dürfe kein Nachlassen in der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit geben, weder in Quantität noch in Qualität. Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Torsten Gronau, forderte, den Fokus stärker auf die Radfahrer zu richten: Auch die Radfahrer sollten durch Maßnahmen der Verkehrsüberwachung zu verkehrsgerechtem Verhalten bewegt werden. "Manchmal reicht gutes Zureden nicht, dann muss es auch mal eine kostenpflichtige Verwarnung sein."