Schleswig-Holstein

Bahndamm nach Sylt: Streit um den Namen Hindenburg

Grüne und SPD sind sich einig: Der Bahndamm braucht einen neuen Namen (Archivbild).

Grüne und SPD sind sich einig: Der Bahndamm braucht einen neuen Namen (Archivbild).

Foto: picture alliance/Bodo Marks/dpa

Politiker von SPD und Grünen wollen den Hindenburgdamm umbenennen. Die Bahn verweist nur auf ihre interne Strecken-Kennnung „1210“.

Westerland. In seiner nationalistisch-pathetischen Rede im Jahr 1927 beim Einweihungsfestakt für den Bahndamm vom nordfriesischen Festland nach Sylt huldigte der damalige Reichsbahn-Chef Julius Dorpmüller dem damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Auf dessen Namen „wollen wir“ den neuen Damm taufen - „er heiße „Hindenburgdamm"“. Dieser Name, der sich über Generationen eingebrannt hat, steht jetzt zur Diskussion.

Die Argumentationslinien von SPD- und Grünen-Politikern sind vertraut. Es geht um politische Korrektheit. Hindenburg habe mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 dem Nazi an die Macht verholfen. „Hindenburg gehört zu denen, die die erste deutsche Demokratie auf dem Gewissen haben, es gibt keine Veranlassung, ihn mit Namensgebungen oder Ehrenbürgerschaften zu ehren“, meinte der SPD-Landtagsabgeordnete Martin Habersaat. Und der Grünen-Verkehrsexperte Andreas Tietze betrachtet Hindenburg unter dem Strich als eine „unrühmliche Person“. Gerade vor dem Hintergrund des wachsenden Rechtsradikalismus könne eine Umbenennung der viel genutzten Verbindung nach Sylt das Geschichtsbewusstsein der Menschen stärken, sagte Tietze der Zeitung „Die Welt“.

In Kiel und Hamburg sind Hindenburg-Straßen längst umbenannt

Während in Kiel und Hamburg Hindenburg-Straßen schon längst umbenannt sind, in Lübeck ist dies gerade erst beschlossen worden. Nach Ansicht der AfD ist für den Platz in der Geschichte neben den historischen Fakten die kritische Debatte und Auseinandersetzung über die Person Hindenburgs weiterhin vorrangig. „Diese Debatte kann durch die pauschale Umbenennung von Straßen und Plätzen nicht ersetzt werden“, meinte der Landtagsabgeordnete Frank Brodehl. „Plätze und Straßen allein nach solchen Personen benennen zu wollen, die einen Platz in der Geschichte der deutschen Demokratie haben, ist ein geschichtsklitternder Ansatz, der nur dazu führen würde, dass auch historische Persönlichkeiten wie Martin Luther, Friedrich der Große oder Kaiser Maximilian künftig aus dem Straßenbild getilgt werden müssten.“

Die Deutsche Bahn weicht der politischen Debatte bisher aus und verweist formal darauf, dass jede Bahnstrecke eine interne Nummer und keinen Namen habe. „In diesem Fall heißt die Strecke 1210“, sagte eine Sprecherin. „Die einzigen Eisenbahnbauwerke, die offiziell getauft werden, sind Tunnel.“

Kritik an der Haltung der Bahn

„Damit macht es sich die Bahn zu leicht“, sagte der Direktor des Nordfriisk Instituut (Nordfriesland Instituts) in Bredstedt (Kreis Nordfriesland), Christoph G. Schmidt. Der Name „Hindenburgdamm“ habe sich etabliert. Schmidt sieht die Problematik, Plätze oder Straßen nicht mehr mit historisch belasteten Namen zu benennen. „Man weiß aber nie, wo fängt man an und wo hört man auf?“ In Schleswig-Holstein könnte man auch anfangen mit Otto von Bismarck: „Er hat verhindert, dass Schleswig-Holstein selbstständig wurde.“ Preußen habe sich das Land zwischen den Meeren einverleibt. Entscheidend ist aber für Schmidt „nicht, von wo man weg will, sondern wo man hin will“.

Da der Bahndamm in Nordfriesland liegt, sollte er einfach auf friesisch „Söl Ring Damm“ (Sylt Damm) heißen, schlug Schmidt vor. Die Friesen seien in der Landesverfassung als Minderheit verankert, betonte er. Notwendig sei letztlich eine politische Debatte. Nach Ansicht Habersaats könnte die Deutsche Bahn AG als Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn leicht eine Feierstunde organisieren und einen neuen Namen ausrufen.“ Einen Vorschlag, ähnlich wie Schmidt, hat er auch parat: „Wir können uns gut vorstellen, einfach vom „Sylter Damm" zu sprechen.“

Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) sähe eine Umbenennung mit gemischten Gefühlen: „Natürlich kann man Straßen, Dämmen oder Gebäuden neue Namen geben. Man sollte sich allerdings auch fragen, ob es sinnvoll ist, sich auf diese Weise ein Stück ahistorisch zu verhalten. Denn zur Geschichte unseres Landes gehört nun einmal dazu, dass bestimmte Bauwerke fest mit Namen und Zeiten verknüpft sind, an die die Erinnerung vielleicht aufrecht erhalten werden sollte - auch wenn sie alles andere als positiv ist.“