Helgoland

"Elvis" lebt – erster Heuler der Saison gefunden

Der vier Wochen alte Kegelrobbenheuler "Elvis" wird in der Seehundstation Friedrichskoog zu seinem Gehege getragen.

Der vier Wochen alte Kegelrobbenheuler "Elvis" wird in der Seehundstation Friedrichskoog zu seinem Gehege getragen.

Foto: Axel Heimken / dpa

Die kleine Kegelrobbe wurde zur Seehundstation Friedrichskoog gebracht. Die Aufzucht im Wattenmeer ist eine Erfolgsgeschichte.

Helgoland. Die Seehundstation Friedrichskoog im Kreis Dithmarschen hat am Dienstag den ersten Kegelrobben-Heuler der Saison präsentiert. Der kleine "Elvis" erblickte am 29. Oktober auf Helgoland das Licht der Welt. "Es war eine Frühgeburt – 11,1 Kilogramm schwer", sagte Tierärztin Ulrike Meinfelder. "Die Mutter kümmerte sich nicht um ihr Junges." Damit es überleben kann, wurde das kleine Tier-Waise daher in die Seehundstation Friedrichskoog gebracht.

Als Heuler werden nur jene Robbenbabys bezeichnet, die dauerhaft den Kontakt zu ihrer Mutter verloren haben, sagte Stationsleiterin Tanja Rosenberger. Das kann viele Ursachen haben, etwa dass das Seehundbaby krank oder verletzt ist und daher von der Mutter verlassen wurde, dass die Mutter gestorben ist oder das Jungtier durch einen Sturm von ihr getrennt wurde.

Kegelrobben werden mitten im Winter geboren. Das extrem dichte weiße Fell schützt den Nachwuchs in den ersten Lebenswochen vor Kälte und Wind. Da das Fell nicht wasserdicht ist, müssen sich kleine Robben vor ihrem ersten Ausflug in die Nordsee eine isolierende Speckschicht anfuttern. Das schaffen sie dank der fetthaltigen Muttermilch in nur drei bis vier Wochen. Ihr Geburtsgewicht von zehn bis 14 Kilogramm hat sich dann auf rund 50 Kilo erhöht.

Vier Robbenkolonien im Wattenmeer

Außerhalb der Fortpflanzungszeit leben die Kegelrobben an verschiedenen Orten der Nordsee. Sie können bis zu 140 Meter tief tauchen und 20 Minuten lang unter Wasser bleiben. Auf ihrem Speiseplan stehen neben Lachsen, Dorschen und Heringen auch Makrelen und Schollen.

In der Nordsee wurden die Kegelrobben als angeblicher Konkurrent der Fischer über die Jahrhunderte nahezu ausgerottet. Heute gibt es im Wattenmeer wieder vier Kolonien mit Jungen: eine nahe der westfriesischen Insel Terschelling (Niederlande), zwei auf Sandbänken nahe Juist und Amrum sowie seit 2001 die Kolonie auf der Helgoländer Düne.

Die Helgoländer Tierschützer zählten in diesem Winter bereits mehr als 36 Kegelrobben-Babys. In diesem Jahr wurden nach Angaben des Wattenmeersekretariats insgesamt 6144 Tiere im dänischen, deutschen und niederländischen Wattenmeer erfasst. Der stellvertretende Exekutivsekretär Sascha Klöpper bezeichnete die Rückkehr der Kegelrobbe seit Mitte des 20. Jahrhunderts als eine Erfolgsgeschichte des trilateralen Umweltschutzes.