Mann verbrennt in Auto

Facebook statt Notruf? Schwerer Verdacht gegen Unfallzeugen

Ein 18-Jähriger stirbt, weil er in seinem brennenden Polo eingeklemmt ist. Die Polizei prüft, ob unterlassene Hilfeleistung vorliegt.

Lauenburg. Nach dem tragischen Tod eines 18 Jahre alten Autofahrers in Lauenburg am Mittwochabend, sind nun verstörende Details bekannt geworden. Ein Unfallzeuge soll statt die Rettungskräfte zu alarmieren, den Unfall bei Facebook gepostet haben.

Nach Angaben der Polizei geriet der VW-Polo-Fahrer auf der Landesstraße 200 zwischen Lauenburg und Basedow auf gerader Strecke in den Gegenverkehr. Dort stieß der Kleinwagen mit dem VW Tiguan einer Fahrschule zusammen.

Polo geht in Flammen auf

Der 17 Jahre alte Fahrschüler am Steuer sowie der Fahrlehrer (79) sollen noch versucht haben, einen Zusammenstoß zu verhindern und auf den Grünstreifen auszuweichen, jedoch vergebens. Auch eine 25-Jährige, die mit ihrem Ford Fiesta hinter dem Fahrschulwagen fuhr, konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr auf das Heck des Tiguan auf.

Der 18 Jahre alte Unfallverursacher wurde in seinem Polo eingeklemmt. Im Motorraum brach ein Feuer aus. Laut Polizei sollen Ersthelfer noch versucht haben, den jungen Mann aus dem brennenden Wrack zu befreien, jedoch ohne Erfolg. Der Mann starb noch an der Unfallstelle. Sein Auto brannte komplett aus.

Drei Minuten nach dem Unfall erfolgt der Facebook-Post

Das Protokoll der 112-Notrufzentrale zeigt jetzt, dass die Rettungskräfte offenbar zu spät alarmiert wurden. Und besonders erschreckend: Noch bevor die Helfer von dem Unfall erfuhren, wurde ein Facebook-Post mit dem Unfallort auf einer Landkarte abgesetzt.

Die Polizei geht davon aus, dass sich der Zusammenstoß gegen 17.10 Uhr ereignete. Ein Unfallzeuge wählte den 110-Notruf. Nach Angaben der Polizei ging um 17.12 Uhr der Anruf bei der Polizeileitstelle in Lübeck ein. Von einem Feuer sei zu diesem Zeitpunkt nicht die Rede gewesen, so Polizeisprecher Holger Meier.

Eine Minute später, so die Polizei, habe ein Zeuge den Unfall bei Facebook gepostet. Laut einem Sprecher der 112-Notrufzentrale in Bad Oldesloe fragte die Polizei bei den Rettern um 17.14 Uhr, ob sie Kenntnis von dem Unfall zwischen Lauenburg und Basedow hätten. "Dabei ist zunächst eine falsche Straße genannt worden", sagte Jens Lahann von der 112-Rettungsleitstelle.

Verdacht der unterlassenen Hilfeleistung

In der Zwischenzeit ist laut Lahann ein Zeuge zu der Rettungswache in Basedow gefahren und hat dort die Sanitäter über den Unfall informiert. "Sie waren auch die Ersten am Einsatzort", sagt Lahann – laut Protokoll um 17.23 Uhr. Zu dieser Zeit ist auch schon die Feuerwehr alarmiert worden. Doch für die Rettung des jungen Autofahrers war das schon zu spät. "Als der erste Rettungswagen eintraf, brannte der Polo schon lichterloh", sagte Lahann.

Die Polizei prüft nun, ob gegen den Zeugen, der den Unfall gepostet hat, ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung mit Todesfolge eingeleitet wird. Noch am Abend löschte der Absender den Facebook-Eintrag.

Polizeisprecher Holger Meier betont an dieser Stelle, dass die Ermittler jetzt Informationen sammeln. So könne nicht ausgeschlossenen werden, dass derjenige, der den Unfall bei Facebook veröffentlicht hat, oder ein Bekannter eine Minute zuvor den 110-Notruf gewählt hat.

Erschreckend bleibt für die Mitarbeiter der 112-Notrufzentrale aber, dass erst zehn Minuten nach dem Unfall, kurz nach 17.20 Uhr, der erste Zeuge sich bei den Disponenten gemeldet hat.