Deutsche Bahn

Keine direkte Bahnverbindung zwischen Hamburg und Sylt

Der Bahnhof von Westerland auf Sylt: Probleme mit den Schienen sorgen für Zugausfälle und Verspätungen in Richtung Hamburg

Der Bahnhof von Westerland auf Sylt: Probleme mit den Schienen sorgen für Zugausfälle und Verspätungen in Richtung Hamburg

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

In Elmshorn wurde eine Art Umsteigebahnhof nach Westerland eingerichtet. Auch am Dienstag fallen viele Züge aus.

Hamburg/Westerland. Die Deutsche Bahn nennt es "Großstörung". Und passender könnte ein Name kaum sein für das, was sich derzeit zwischen der Insel Sylt und dem Festland sowie den Bahnhöfen in Hamburg abspielt. Die Großstörung sorgt aktuell für den Ausfall von 14 Zügen von und nach Westerland – allein an diesem Montag. 30 Züge fahren normalerweise fahrplanmäßig. Und auch in den kommenden Tagen ist keine Besserung in Sicht: zwölf weitere Züge wurden für Dienstag gestrichen. Auf der Internetseite der Deutschen Bahn können Sie sich über Ausfälle und Verspätungen informieren.

Zudem gibt es bis auf weiteres keine direkte Verbindung mehr zwischen Hamburg und Sylt: Wer aus der Hansestadt auf die Nordseeinsel fahren will – oder auf dem umgekehrten Weg ist, muss in Elmshorn umsteigen. Mindestens bis Dienstag wird der dortige Bahnhof als zentraler Umsteigeort für alle Verbindung von und nach Sylt dienen.

Bahnhofstafel: Hier kommen Sie hin

Es gibt Haarrisse an Schienen, sodass an einigen Abschnitten der Strecke zwischen Morsum (Sylt) und Bredstedt (Kreis Nordfriesland) nur mit Tempo 20 statt 100 gefahren werden kann. Die Bahn verspricht "schnellstmögliche" Reparatur und setzte bereits eine Schienenschleifmaschine ein, um die Schäden an den Gleisen zu sichten und zu beheben.

Sollte die Deutsche Bahn die Strecke Hamburg–Sylt zweigleisig ausbauen?

Für die "chaotischen Bahnverhältnisse" zwischen Sylt und dem Festland ist nach Ansicht des Bürgermeisters der Gemeinde Sylt, Nikolas Häckel, neben der Deutschen Bahn entscheidend der Bund verantwortlich. "Seit Jahren fordern wir, dass die bisher eingleisige Strecke zwischen dem Festland und Sylt zweigleisig ausgebaut wird, doch im Bundesverkehrswegeplan ist unsere Lebensader weiterhin ohne Priorität eingestuft", kritisierte Häckel am Montag. "So machen wir unseren Tourismus kaputt."

Sylt biete den Touristen ein großartiges Urlaubserlebnis, "die An- und Abreise ist aber oft mit desaströsen Zuständen verbunden", sagte Häckel. Die Gleisanlagen seien völlig veraltet, sagte er mit Blick auf die jüngsten Schäden, die zu zahlreichen Zugausfällen am Wochenende und auch am Montag führten.

Sylt-Hamburg: So ist die Lage am Montag

Am Bahnhof Altona regierte am Montagmorgen das Chaos. Gleich mehrere Schulklassen waren dort auf dem Weg nach Sylt gestrandet. Noch bis zum Morgen hatte die Bahn kommuniziert, nur der planmäßige Zug um 10.10 Uhr könne aufgrund der Großstörung zwischen Hamburg und Westerland nicht verkehren. Am Bahnhof sah die Welt dann anders aus – nicht ein einziger Zug verkehrte am Vormittag auf der Strecke. Die eine Verbindung begann in Elmshorn, die andere in Itzehoe.

Sämtliche Reisende mussten mit der S-Bahn zum Dammtor oder Hauptbahnhof weiterreisen, um dann einen der überfüllten Züge zu besteigen. Zugleich hieß das für die Schulklassen: mehrmalige Umsteigen etwa in Elmshorn und Itzehoe und lange Verspätungen. Verärgert zeigte sich eine Lehrerin über die Informationspolitik der Bahn. „Ich habe gestern stundenlang mit der Bahn telefoniert. Keiner konnte helfen.“ Noch am Morgen hätte die Fahrplanauskunft einen weitgehend normalen Zugverkehr signalisiert, dann war alles hinfällig.

Sylter beschweren sich bei Bahnvorstand Pofalla

Nach einem Medienbericht hat auch Kreispräsident Heinz Maurus dem bei der Bahn für die Infrastruktur zuständigen Vorstand Ronald Pofalla (CDU; früher Minister bei Bundeskanzlerin Angela Merkel) einen Hilferuf geschickt, um die Ausfälle und Verspätungen zu beklagen. „Was sich hier auf Sylt und auf der Stecke Hamburg – Westerland seit Dezember 2016 abspielt, ist ein Skandal und spottet jeder Beschreibung“, schrieb Maurus an Pofalla, berichtet die "Sylter Rundschau". Pofalla antwortete: „Unter Sicherheitsgesichtspunkten mussten wir Langsam-Fahrstellen einrichten." Eine Alternative gebe es nicht. Der zweigleisige Ausbau sei "längst" in der Planung. Das werde Jahre dauern, solle aber beschleunigt werden.