Tierseuche

Afrikanische Schweinepest droht auch im Norden

Auch Wildschweine in Deutschland sind von der Seuche bedroht (Archivbild)

Auch Wildschweine in Deutschland sind von der Seuche bedroht (Archivbild)

Foto: picture alliance / Reiner Bernhardt

In Polen gibt es 2018 schon 729 erkrankte Tiere. Auch deutscher Wildschweinbestand ist nicht vor dem Virus sicher.

Hamburg.  Die Afrikanische Schweinepest kommt näher. Die für Schweine tödliche Krankheit taucht nun immer häufiger auch in Polen auf. Während im vergangenen Jahr die meisten Ausbrüche weiter östlich gemeldet wurden, vornehmlich in Litauen und Lettland, hat sich das Geschehen jetzt nach Polen verlagert. Experten rechnen damit, dass auch der deutsche Wildschweinbestand nicht von dem Virus verschont bleiben wird.

In Polen, dem momentan westlichsten Ausbruchsort, wurden in diesem Jahr schon 729 erkrankte Wildschweine gezählt. 2017 waren es im gesamten Jahr 741 Fälle. „Der Erreger hat sich in der Wildschein-Population festgesetzt“, sagt Thomas Mettenleiter, der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts. Die Forschungseinrichtung beobachtet im Auftrag des Bundes alle Tierseuchen und gibt Handlungsempfehlungen.

Die Seuche ist für Menschen ungefährlich

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist für Menschen ungefährlich. Bei Haus- und Wildschweinen verläuft sie meist tödlich. Für Schweinezüchter in Deutschland stellt sie eine enorme Gefahr dar. Sollte die Tierseuche hierzulande ausbrechen, müssten sofort Sperrzonen errichtet werden. Ein Transport von Schweinen aus diesen Zonen heraus oder in sie hinein wäre nicht mehr möglich. Bricht die Seuche bei einem Hausschwein aus, muss der gesamte Bestand getötet werden. Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat bereits vor massiven wirtschaftlichen Folgen gewarnt. „Sollte die Tierseuche nach Deutschland kommen, werden in weiten Teilen die Wirtschaftskreisläufe zusammenbrechen“, sagte er. „Alle haben große Sorgen. Eine starke Prävention ist unbedingt erforderlich.“

Thomas Mettenleiter hält es mittlerweile für wahrscheinlich, dass die Krankheit auch bei Wildschweinen in Deutschland ausbrechen könnte. „Es gibt jedes Jahr deutliche Zuwächse bei den Fallzahlen, und es rückt nach Westen vor“, sagt er. Für wesentlich hält er allerdings einen anderen Punkt. Denn die Zahl der in Polen an dem Virus erkrankten Hausschweine ist nach wie vor gering. „Das Virus hat offenbar Probleme, in die Hausschweinbestände einzudringen. Man kann sie schützen“, sagt Mettenleiter. „Der Erreger ist weniger ansteckend als erwartet.“

Dennoch sei es für die Schweinehalter nun ganz wichtig, die Hygieneverordnung einzuhalten. Unter anderem müssen Landwirte ihre Tiere so abschotten, dass ein Kontakt mit Wildschweinen unmöglich ist. Auch Lastwagenfahrer und Polen-Reisende, beispielsweise Jäger, sollten ganz darauf verzichten, polnische Fleisch- oder Wurstwaren mit nach Hause zu nehmen. 2007 wurde die aus Afrika kommende Schweinepest erstmals in Georgien gemeldet, dann tauchte sie in Armenien, Aserbeidschan und in Russland auf. Über die Ukraine und Weißrussland drang sie ab 2014 nach Estland, Lettland und Litauen vor.