Schleswig-Holstein

Sabine Meyer gibt 19 Heimspiele beim SHMF

Die Klarinettistin Sabine Meyer wurde schlagartig berühmt, als Herbert von Karajan sie 1983 zu den Berliner Philharmonikern holte

Die Klarinettistin Sabine Meyer wurde schlagartig berühmt, als Herbert von Karajan sie 1983 zu den Berliner Philharmonikern holte

Foto: Carsten Rehder / dpa

Das Schleswig-Holstein Musik Festival nimmt dieses Jahr Schumann in den Blick. Ebenfalls mit dabei sind Daniel Hope und Anna Netrebko.

Lübeck.  Es gibt doch dieses alte Spiel: Wenn du ein Tier wärest, welches wärest du? Gemünzt auf Komponisten, könnte die Frage lauten: Welches In­strument wäre er? Will meinen: Welche Klangfarbe bildet die Essenz der Persönlichkeit ab?

Die Porträtkünstlerin des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) dieses Jahres ist die Klarinettistin Sabine Meyer. Die Komponisten-Retrospektive widmet das Festival Robert Schumann. Der ewig Suchende und das geheimnisvoll timbrierte, wandelbare Instrument, diese Kombination ergibt Sinn, was den musikalischen Ausdruck angeht. Schumann hat zwar nur wenige Werke für das Instrument geschrieben. Die aber gehören Meyer zufolge zu den Stücken, die einen Klarinettisten sein Künstlerleben lang begleiten: „Die Fantasiestücke sind gestalterisch hoch anspruchsvoll und außerdem körperlich sehr anstrengend. Die Klarinette ist drei Sätze lang ohne Pause im Einsatz. Man braucht lange, um das entspannt spielen zu können.“

Meyer lehrt an der Lübecker Musikhochschule

Für Meyer ist diese Residenz mit 19 Konzerten – jedes von der Künstlerin konzipiert – ein Heimspiel, wie sie bei der Programmvorstellung in Lübeck sagte. Meyer stammt aus Crailsheim, lebt aber seit 19 Jahren an der Trave und lehrt neben ihrer internationalen Konzerttätigkeit an der Lübecker Musikhochschule. Dieser Weltstar gilt offenkundig etwas im eigenen Land.

Künstlerporträt und Komponistenretrospektive überschneiden sich also nur wenig, aber bedeutsam. Beide zusammen ergeben die gehaltvolle Spitze des insgesamt 202 Konzerte umfassenden Programms: Das Festival spürt dem Oeuvre Schumanns in viele Richtungen nach: Natürlich gibt es Liederabende (einige davon im Kleinen Saal der Elbphilharmonie) und natürlich das ­a-Moll-Klavierkonzert – aber es erklingt auch Entlegenes wie die selten zu hörende „Missa sacra“, aufgeführt von Thomas Hengelbrock und seinen Balthasar Neumann Ensembles. Meyer wiederum beschränkt sich auf ihrer Spielwiese mitnichten auf die bekannten Juwelen des Klarinettenrepertoires wie Mozarts Klarinettenkonzert und -quintett, sie spielt auch neue Töne und Salonmusik und schließt sich mit den King’s Singers oder dem Alliage Quintett (bestehend aus vier Saxofonen plus Klavier) zu ungewöhnlichen Formationen zusammen.

Festival-Etat ist um 1,2 Millionen Euro gestiegen

Soweit, so klug ersonnen. In der Breite setzt das Festival wie gehabt auf Bewährtes. Martin Grubinger und Sol Gabetta sind natürlich wieder am Start, der unvermeidliche Daniel Hope bekommt wieder mal ein ganzes Lübeck-Musikfest spendiert. „Dauereinladung“ nennt der Intendant Christian Kuhnt dieses Programmgebaren. Es erinnert stark an die alte Weisheit vom Team, das man nicht verändern soll, solange es siegt. Wenn es denn der Publikumsbindung dient, wohlan. Aber könnte das Festival angesichts der soliden Finanzverhältnisse – der Etat ist gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Millionen Euro gestiegen – und des elbphilharmoniebeflügelten Publikumszuspruchs nicht ein bisschen mehr Ehrgeiz dareinlegen, sein Publikum auch mal in unbekanntere Gefilde zu entführen, zu verführen?

Okay, okay, Jonas Kaufmann und Rolando Villazón geben ihre Festival-Debüts, und Anna Netrebko fliegt samt Gatte für die Abschlussgala ein. Aber so eine Gala ist nun nicht gerade die Speerspitze der kuratorischen Originalität. Wie wäre es mit folgendem Schlachtruf für 2019: Mehr Substanz für alle!

Das Festival

Vom 30. Juni bis 26. August veranstaltet das Schleswig-Holstein Musik Festival 202 Konzerte an 64 Orten zwischen Lüneburg und dem dänischen Tondern, 24 davon in Hamburg.
Karten können ab sofort per Post bestellt werden, der telefonische und örtliche Kartenverkauf beginnt am 12. März. Kartentelefon 0421/23 70 70, weitere Infos: www.shmf.de.