Gastronomie

Sternekoch Tim Raue erobert nun auch Sylt

Spitzenkoch Tim Raue

Spitzenkoch Tim Raue

Foto: Nils Hasenau

Raues Verpflichtung soll den Ruf des "Spices" im A-Rosa Resort wiederherstellen. Strandrestaurant Wonnemeyer muss schließen.

List. Aus der Hauptstadt ans Wattenmeer: Dieser Mann bringt frischen Wind in die Sylter Gastronomie. Sterne-Koch Tim Raue übernimmt im März 2018 die kulinarische Leitung im bestehenden Spitzenrestaurant Spices des Luxushotels A-Rosa Resort am nördlichen Ende der Insel.

Selbst hinter dem Herd stehen, wird der vielbeschäftigte Spitzenkoch jedoch nicht. Demnach soll der 44-Jährige lediglich das neue Konzept für das asiatisch inspirierte Lifestyle-Restaurant kreieren. Zusätzlich schreibt er die Speisekarte und stellt ein neues Küchenteam für das Restaurant zusammen. „Ich freue mich darauf, mit einem legeren asiatischen Konzept an den Start zu gehen", sagt Raue. "Wir möchten der Insel damit ein Restaurant bieten, das die Küchen Japans, Chinas und Thailands kulinarisch verbindet und dabei zum unkomplizierten Genuss einlädt."

Verlorenen Boden wieder gutmachen

Mit der Verpflichtung von Tim Raue und der Rückkehr zur Sterne-Küche versucht die Hotelleitung offenbar wieder verlorenen Boden gutzumachen, nachdem das 2010 eröffnete "5-Sterne Superior"-Haus im Sommer des vergangenen Jahres aufgrund vieler Gästebeschwerden in die Schlagzeilen geraten war. Das Essen und der Zimmerservice hätten nachgelassen, beschwerten sich treue Kunden damals. Die Zimmerpreise liegen immerhin zwischen 250 und 800 Euro. Dementsprechend serviceorientiert präsentiert sich die Nobelherberge mit 147 Zimmern und 30 Suiten.

Der Sternekoch soll nun offenbar helfen, den Ruf des hauseigenen Restaurants wieder herzustellen. Immerhin kann der gebürtige Berliner eine eindrucksvolle Vita vorweisen: So ist der 44-Jährige mit zwei Sternen des Guide Michelin ausgezeichnet. Vergangenes Jahr erkochte er sich 19 von 20 möglichen Punkten des Gourmet-Führers Gault-Millau.

Zudem ist er als einer von nur zwei deutschen Köchen auf der renommierten „The World’s 50 Best Restaurants“-Liste vertreten. Zuletzt widmete ihm der Streaming-Dienst Netflix mit seinem Erfolgsformat „Chefs Table“ sogar eine eigene Folge – als einziger deutscher Koch. Inzwischen managt er Restaurant in München, Berlin, Konstanz und St. Moritz.

Asiatisch inspirierte Küche und intensive Aromen

Um Stammgäste des Lister Resorts nicht zu verwirren, bleibt der Name des bestehenden Restaurants mit seinen 70 Plätzen erhalten, wird aber um den Zusatz "By Tim Raue“ ergänzt. Zwar soll den Gästen auch weiterhin asiatisch inspirierte Küche serviert werden, doch der Sternekoch will der Karte seine eigene Handschrift geben. So verspricht Raue Gerichte, "die mit ihren intensiven Aromen Spaß am Gaumen machen sollen".

Neben Sushi- und Sashimi-Variationen stehen demnach zukünftig auch Klassiker des Sternekochs wie „Wasabi Garnelen“ und „ Japanische Pizza mit Tuna und gelbem Rettich“ auf der Speisekarte. Ergänzt wird das kulinarische Programm um speziell für das Insel-Restaurant kreierte Gerichte wie „Sylter Fisch-Bun mit crispy Kabeljau, Ingwer-Gurke und Kurkuma-Mayo“ oder „BBQ-Lamm-Belly, Kreuzkümmel-Honig und Sichuan-Knoblauch-Bohnen“. Die Preise für ein Hauptgericht sollen weiterhin zwischen 15 bis 30 Euro liegen.

Kommen und Gehen in der Sylter Gastronomie

Überhaupt ist die Gastronomie-Szene der Insel derzeit in Bewegung. Kurz vor Jahreswechsel kam der Paukenschlag: Das beliebte Strandrestaurant Wonnemeyer auf Sylt musste schließen, nachdem der Pachtvertrag ausgelaufen war. Wie die "Sylter Rundschau" berichtet, ist ein Vermittlungsversuch des Vereins Sylter Unternehmer am Montag gescheitert. Das Wonnemeyer muss definitiv abgerissen werden.

Auch ansonsten tut sich in der Sylter Gastronomie in diesem Jahr einiges: Gespannt wird die Neueröffnung der Kampener Sturmhaube erwartet. Auch im Grande Plage unweit der Sturmhaube steht ein Betreiberwechsel an. Manfred Herrmann gibt das Strandrestaurant nach 15 Jahren auf. In der Ortsmitte indes macht Gas­tronom René Richter Schluss mit dem Kampener Pesel. Grund: Er findet kein zuverlässiges Personal. Für den Kampener Pesel sucht Richter einen Nachpächter – sein Vertrag läuft noch drei Jahre.