Messerattacke

Prozess gegen 30-Jährigen wegen Formfehler geplatzt

Der Angeklagte verbirgt am Dienstag sein Gesicht hinter einem Aktenordner in einem Verhandlungssaal des Landgerichts in Lübeck

Der Angeklagte verbirgt am Dienstag sein Gesicht hinter einem Aktenordner in einem Verhandlungssaal des Landgerichts in Lübeck

Foto: Markus Scholz / dpa

Angeklagte soll in Lübeck Mutter und Oma mit Messer attackiert haben. Jetzt bemängelte er einen Fehler bei der Ladung.

Lübeck. Mit einer Geflügelschere soll er seine Mutter erstochen haben, die Großmutter verletzte er schwer, sie konnte ihn aber noch mit der Bratpfanne abwehren: Nun ist der Totschlagsprozess gegen den 30-jährigen Lübecker unmittelbar nach Verlesung der Anklage geplatzt.

Weil zwischen der Zustellung der Ladung und dem Prozessbeginn nur sechs statt der vorgeschriebenen sieben Tage lagen, beantragte der Angeklagte am Dienstag die Aussetzung des Verfahrens. Dem 30-Jährigen wird vorgeworfen, im Juli 2017 seine Mutter in ihrem Haus in Lübeck erstochen und seine Großmutter lebensgefährlich verletzt zu haben.

Angeklagter wirkte äußerlich gelassen

Äußerlich gelassen war der Angeklagte zuvor der Verlesung der Anklage gefolgt. Demnach war der er am Abend des 14. Juli 2017 mit seiner 51 Jahre alten Mutter in Streit geraten. Er schlug zunächst mit Fäusten auf sie ein. Dann holte er aus der Küche eine Geflügelschere und stach mehrfach auf die bereits am Boden liegende Frau ein. Sie erlag noch am Tatort ihren schweren Verletzungen.

Als die im selben Haus lebende 78 Jahre alte Großmutter hinzu eilte, um ihrer Tochter zu helfen, habe der Angeklagte auch sie zu Boden geschlagen und 20 mal auf sie eingestochen, heißt es weiter in der Anklage.

Trotz ihrer schweren Verletzungen gelang es ihr laut Anklage aber noch, sich eine schwere Bratpfanne zu greifen und ihren Enkel damit außer Gefecht zu setzen. Die alte Dame wurde lebensfährlich verletzt, überlebte jedoch und ist Nebenklägerin in dem Prozess gegen ihren Enkel.

Großmutter sollte am Dienstag als Zeugin aussagen

Am Dienstag hätte sie als Zeugin aussagen sollen. „Für sie ist die Aussetzung der Hauptverhandlung eine Katastrophe“, sagte Nebenklagevertreter Frank-Eckard Brand. „Die Aussicht, noch einmal über die Geschehnisse jener Nacht reden und ihren Enkel noch einmal sehen zu müssen, belastet sie sehr, sagte Brand.

Doch der Angeklagte bestand auf seinem Recht, eine Aussetzung der Verhandlung zu beantragen. „Mein Mandant braucht mehr Zeit, unter anderem für ein Gespräch mit einem zusätzlichen psychiatrischen Sachverständigen“, sagte der Verteidiger des 30-Jährigen.

Formfehler durch Wechsel in der Zuständigkeit

Zu dem Formfehler sei es gekommen, weil es beim Landgericht einen Wechsel in der Zuständigkeit gegeben habe und deshalb die Ladung erst einen Tag später als üblich verschickt worden sei, erläuterte Richterin Helga von Lukowitz am Dienstag. Das sei kein Problem, solange der Angeklagte zustimme.

Doch der 30-Jährige, der nach den Worten seines Verteidigers psychische Probleme hat, machte von seinem Recht Gebrauch und stimmte nicht zu. Der Prozess soll jetzt nach Angaben des Gerichts am 24. Januar erneut beginnen.