Kaltenkirchen

Stein um Stein: Fantastische Welten aus Lego

Die Muppets Waldorf und Statler aus Lego sind eines der Meisterwerke, die bei der Stein Hanse zu sehen sind

Die Muppets Waldorf und Statler aus Lego sind eines der Meisterwerke, die bei der Stein Hanse zu sehen sind

Foto: Steinhanse

50 Aussteller zeigen an diesem Wochenende ihre Werke in Kaltenkirchen – beim großen Fest der norddeutschen Hobby-Baumeister.

Kaltenkirchen.  Im Wald des Auenlands überreicht Gandalf bereits das Stich an Frodo, dabei klaffen im Waldboden noch viele Lücken. Gegenüber am Lübecker Holstentor bröckelt der Sockel und das Dach rutscht. Am Freitag wird in der Marschweghalle in Kaltenkirchen noch kräftig gewerkelt. Jemand flucht und sucht nach einem Zug mit 48 Achsen. Ein Herr im Rentenalter frickelt an einem rücklings auf dem Tisch liegenden Airbus 350.

„Ein Leben ohne Lego ist möglich – aber es macht keinen Sinn“, das ist das Motto von Andreas Hugel. Der Elektriker aus Bremen fummelt gerade dem Heiland am Kreuz die Dornenkrone zurecht. Zuvor hat er Martin Luther vor die Kirchenpforte gesetzt. Plastik gewordene Glaubensgeschichte, interpretiert im freien Stil. „Seit mehr als 35 Jahren sammle ich Lego. Und seit zwölf Jahren baue ich selbst“, erzählt Hugel.

Mehr als 50 Aussteller bei Stein Hanse

So kreativ und gut, dass er sich als einer von über 50 Ausstellern an diesem Wochenende in der Kaltenkirchener Marschweghalle bei der Stein Hanse, dem größten Event der norddeutschen Lego-Baumeister, präsentieren wird. Hugels Blickfänger ist die Millennium-Falken-E-Gitarre. Aus dem Kampfschiff aus der Star-Wars-Saga lässt Hugel einen Gitarrenhals wachsen, auf den er eine Angelschnur aufgezogen hat. „O. k., spielen kann man sie nicht“, sagt Hugel. Aber posieren geht!

Überhaupt: Der Millennium-Falke. Die Lego-Leute haben ein besonderes Faible für das Tier. Einer hat den Falken aus 35.000 Steinen zum weltweit größten Modell gesteckt. In Kaltenkirchen wird es das erste Mal gezeigt. „Ich kam auch über Lego Star Wars wieder zum Bauen“, sagt Boris Heinke, Maschinenbauingenieur aus Haseldorf, der heute J. R. Tolkiens Fantasien in Lego nachbaut. Den Wald im Auenland mit gefühlt Tausenden Bäumen, Pflanzen und anderem Gesteck. Das wirkt, als müsse wahnsinnig werden, wer so etwas regelmäßig baut. „Eine ruhige Hand und eine lange Pinzette braucht man schon“, sagt Heinke.

Im Übrigen sieht er das mutmaßlich genauso wie sein Lego-Kollege und Ausstellungsnachbar Martin Horn aus Henstedt-Ulzburg, der gemeinsam mit seinem Sohn Maxi das Anwesen eines Superreichen – eine goldene Villa mit Goldmine, einem angeschlossenen imposantem Bahnhof mit riesiger Halle und einer Hafenanlage – aus den Lego-Platten wachsen lässt. „Lego-Bauen – das ist wie Meditation.“ Für Horn und die anderen etwa 170 Mitglieder der Steinhanse, der „nördlichsten Lego User Group Deutschlands“, ist es schlechter Stil, wenn man einfach Bausätze zusammensteckt. Es gehe darum, die Bilder im Kopf, die Inspiration aus dem Alltag Lego werden zu lassen. „Da schaut man, welche Steine man hat – und wenn fünf fehlen, dann weiß man, wo man die her bekommt“, sagt Horn.

Elbphilharmonie aus 10.000 Steinen empfängt Besucher

Wie großartig die kleinen Steine ganze Familien verbinden, das machen Timo Quast und seine Lieben klar. Der Norderstedter Bankkaufmann baut mit Tochter Emma, Sohn Matti und Frau Julia gerade die mittelalterliche Zwergenstadt von König Haldor auf. Ein zauberhaftes Gewirr aus Gebäuden, mit Gassen voller Zwerge, einige davon – besonders die Zwergendamen – mit handgefertigten Capes und goldenem Geschmeide . „Ich baue mein ganzes Leben schon mit Lego. Irgendwann kamen die Kinder dazu“, sagt Timo Quast. Damit nicht genug: Die Geschichten von und mit König Haldur, Schantalle und Djakkeline erzählt die Familie Quast in einer mittlerweile zwölf Bände umfassenden Comic-Buch-Saga, selbst fotografiert und getextet.

Martin Horn rechnet an diesem Wochenende mit etwa 4000 Zuschauern in der Marschweghalle. Empfangen werden sie im Foyer von einem Mosaik aus 10.000 Steinen auf einer Fläche von zwei mal drei Metern: die Elbphilharmonie im Sonnenuntergang. Zu sehen gibt es auch jede Menge Lego-Technik-Modelle, also Lastwagen, Trecker und Co. sowie sogar Braunkohlebagger. Wer Lust hat, kann die kleinen ferngesteuerten Lego-Flitzer ausprobieren.

Wer sich nach dem Besuch an seine alte Lego-Kiste erinnert, die irgendwo im Keller verstaubt, der sollte nicht zögern und mit dem Bauen beginnen. Lego ist für die Kinder jeden Alters.

Die Stein Hanse 2017, Sonnabend, 28. 10., 9.30 bis 18 Uhr; Sonntag, 29.10., 9.30 bis
17 Uhr. Eintritt: Erwachsene 2,50 Euro, Kinder 1,50 Euro. Die Veranstalter empfehlen, mit der AKN anzureisen. Die Marschweghalle (Marschweg 18) liegt nur wenige 100 Meter vom Bahnhof Kaltenkirchen entfernt.