Nobiskrug Werft

Verbotenes Tropenholz für weltgrößte Segelyacht verwendet

Die größte Segelyacht der Welt, die "Sailing Yacht A" im Februar dieses Jahres vor Gibraltar

Die größte Segelyacht der Welt, die "Sailing Yacht A" im Februar dieses Jahres vor Gibraltar

Foto: Giovanni Romero / dpa

Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Die Sailing Yacht "A" wurde in Kiel gebaut – offenbar mit illegalem Teakholz.

Kiel/Cartagena. Niemand weiß genau, wie teuer die weltgrößte Segelyacht mit dem Namen „A“ gewesen ist. Die Schätzungen reichen von 200 bis 400 Millionen Euro. In diesem Preis enthalten: eine Teakholz-Beplankung. Was sie gekostet hat, ist ebenfalls unbekannt. Sicher ist nun aber: Das Holz stammt aus illegalem Handel. Das hat ein Gutachten ergeben. Denn die Segelyacht ist längst ein Fall für die Kieler Staatsanwaltschaft. Auch gegen einen Geheimnisverräter wird mittlerweile ermittelt.

Das 143 Meter lange Schiffe wurde von der Rendsburger Nobiskrug-Werft entworfen und in Kiel gebaut. Das Heck ist merkwürdig aufgefächert, die 90 Meter hohen Masten sind an der Spitze abgewinkelt. Eigner des Motorseglers ist der schwerreiche russische Geschäftsmann Andrej Igorewitsch Melnitschenko (44). Anfang Februar hat er die „A“ übernommen.

Wer für den Gesetzesverstoß verantwortlich ist, ist unklar

Schon damals gab es erste Gerüchte über die Verwendung von unter Schutz stehenden Tropenhölzern. Die Staatsanwaltschaft Kiel durchsuchte deshalb am 14. März das Werftgelände. Dort lagerte noch ein Teil der Lieferung. Ein bei Schiffsbauern übliches Verfahren, garantiert es doch, dass bei eventuellen Reparaturen an den Planken das Original-Holz eingesetzt werden kann. Ein Gutachter hat die Planken untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich dabei nicht um legales Plantagenholz handelt, sondern um in freier Natur geschlagenes Teakholz. Der Handel und die Verwendung solcher Hölzer ist, so steht es im Holzhandelssicherungsgesetz, in Deutschland verboten.

Wer für diesen Gesetzesverstoß verantwortlich ist, ist indes noch unklar. „Dazu müssen wir noch Geschäftsunterlagen prüfen“, sagte Oberstaatsanwalt Axel Bieler, der Sprecher der Kieler Staatsanwaltschaft. Möglicherweise war die Werft in dem Glauben, das Holz sei legal. Lieferant war eine spanische Firma. Sollte ein Täter tatsächlich dingfest gemacht und verurteilt werden, müsste er nur mit einer geringen Strafe rechnen: mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe.

Größte Segelyacht der Welt soll vor Gibraltar getestet werden
Testfahrt für die größte Segelyacht der Welt

Die Ereignisse um die Yacht haben nun auch zu einem weiteren Ermittlungsverfahren geführt. Denn die „Kieler Nachrichten“ hatten schon vor der Durchsuchung des Werftgeländes von der Aktion erfahren. Die Sache war aufgeflogen, weil ein Journalist der Zeitung bei der Anklagebehörde nachgefragt hatte. „Wir ermitteln nun wegen des Verdachts des Geheimnisverrats gegen Unbekannt“, sagte Bieler. Die weltgrößte Segelyacht kreuzt währenddessen im Mittelmeer – in den Gewässern vor der spanischen Hafenstadt Cartagena. Ob der Milliardär Melnitschenko an Bord ist und seine Füße auf das illegal gehandelte Tropenholz setzt, war nicht zu erfahren.