Zehn Monate Verspätung

Ab morgen fährt der neue Autozug nach Sylt

Der Schriftzug „Autozug Sylt“ des privaten Bahnunternehmens RDC Deutschland

Der Schriftzug „Autozug Sylt“ des privaten Bahnunternehmens RDC Deutschland

Foto: Markus Scholz / dpa

Privater Betreiber RDC nimmt nach monatelanger Verzögerung den Betrieb auf. Doch das Angebot ist noch stark eingeschränkt.

Niebüll/Westerland. Wer mit dem Auto nach Sylt fahren will, kann ab morgen auch die Züge des privaten Bahnbetreibers RDC nutzen. Am Dienstag sollen die ersten Autozüge den Deutsche-Bahn-Konkurrenten von Niebüll nach Westerland auf Sylt fahren – zehn Monate später als geplant und zunächst mit erheblichen Einschränkungen.

Der rund elf Kilometer lange Hindenburgdamm verbindet die Insel wie eine Nabelschnur mit dem Festland. Ohne diese Verbindung bliebe nur die Fähre. Über den Damm gelangen Urlauber, Einheimische und allerlei Güter per Zug auf die Insel. Damit auch Autofahrer mit ihren Wagen bequem nach Sylt kommen, nutzen zahlreiche Autozüge die 1927 eröffnete Verbindung durch die Nordsee. Und um diese lukrativen Trasse gibt es Streit.

Die Strecke nach Sylt

2015 hatte sich der Anbieter Rail Development Corporation Deutschland (RDC) bei der Vergabe teilweise gegen die Deutsche Bahn durchsetzen können. Demzufolge dürfen beide Firmen mit Autozügen auf die Insel fahren. Daraufhin weitete die Deutsche Bahn ihrerseits das Angebot aus – mit dem umstrittenen „Sylt-Shuttle Plus“. Da diese Autozüge als Fernverkehr zählen und bereits ab Bredstedt statt erst ab Niebüll verkehren, konnte die Bahn verhindern, dass RDC weitere Trassen erhält. Das „Plus“-Angebot ist jedoch langsamer und teurer als der Nahverkehr. Es sorgte im eng getakteten Fahrplan für Verspätungen – auch im Regionalverkehr. Zahlreiche Pendler, aber auch Sylter Arbeitgeber protestierten.

Das neue Angebot

RDC möchte am Dienstag den regulären Betrieb mit zahlenden Autofahrern und deren Fahrzeugen zwischen Westerland und Niebüll aufnehmen. Dafür schaffte das Unternehmen einstöckige Transportwagen vom Typ „Sps“ und „Snps“ an. Sie strahlen in frischem blauen Lack und sind mit Lautsprechern und speziellen Notbremsen ausgerüstet. Dies ist notwendig, da die Fahrer bei der 35-minütigen Überfahrt in ihren Autos sitzen bleiben. Die einfache Strecke soll es regulär ab 40 Euro geben, die Deutsche Bahn verlangt 52 Euro.

Die Einschränkungen

Auch wenn RDC nun startet, soll es zunächst nur ein abgespecktes Angebot geben. Wegen Gleisbauarbeiten an der Strecke und im Bahnhof Westerland fährt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge zunächst nur werktags zweimal täglich hin und her. Außerdem soll der Zug erst mal nur halb so lang wie geplant sein, jeweils 30 Autos können mit. Erst von Dezember an will RDC täglich je sieben Verbindungen mit normal langen Zügen anbieten. Dann, so verspricht es Geschäftsführer Karsten Nagel, gehe es „richtig los“.

Zuvor war der Betriebsstart mehrfach verschoben worden. Unter anderem gab es Probleme mit den Notbremsseilen der neuen Waggons. Seit Sommer versucht RDC bei Testfahrten, sich in den Fahrplan einzugliedern. Zeitweise überließ die Firma der Bahn aber auch die Trassen.

Die Erwartungen

Sylts Bürgermeister Nikolas Häckel (parteilos) sehnt wie viele Insulaner den RDC-Start herbei. „Ich bin neugierig-gespannt“, teilte Häckel auch mit Blick auf die Organisation des Betriebs mit. Schleswig-Holsteins Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele (SPD) hatte gemahnt, beide Unternehmen müssten sich so verständigen, dass eine störungsfreie Versorgung der Insel möglich ist. Der Antritt von RDC sei nach den Fehlankündigungen überfällig. Eine Bahn-Sprecherin sagte mit Blick auf den dann noch engeren Fahrplan auf der teilweise eingleisigen Strecke: „Es ist anspruchsvoll, aber wir sind darauf vorbereitet.“

Das neue Eisenbahnrecht

Damit der Hindenburgdamm nicht erneut zum Spielball von Wettbewerbsinteressen wird, hatte der Bundestag im Juli mit dem neuen Eisenbahnrecht strengere Kontrollen für den Sylt-Verkehr beschlossen. „Wir haben nun drei Schlüssel, um die bestehenden Konflikte besser zu steuern“, sagte Staatssekretär Nägele damals. Dem neuen Recht zufolge kann bei der Vergabe von Trassen nun darauf geachtet werden, dass es genügend Rangierkapazitäten in den Bahnhöfen gibt. Zudem müssen Unternehmen Trassen künftig zurückgeben, wenn sie sie nicht nutzen. Außerdem können bei überlasteten Gleisen fortan Personenzüge bevorzugt werden, etwa verspätete Regionalzüge.