Schleswig-Holstein

Erdöl in Angeln – Die Angst vor den Probebohrungen

 Erdöl wird mit Hilfe eines Tiefpumpenantriebes („Pferdekopf“) gefördert

Erdöl wird mit Hilfe eines Tiefpumpenantriebes („Pferdekopf“) gefördert

Foto: Sebastian Widmann / dpa

Am Donnerstag steht Umweltminister Habeck Gegnern der Erdölsuche im KreisSchleswig-Flensburg Rede und Antwort. Worum geht es genau?

Steinbergkirche.  Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) will den Gegnern der Erdöl-Suche in Angeln am Donnerstag in Steinbergkirche Rede und Antwort stehen.

Auf der Veranstaltung des Kreises Schleswig-Flensburg zur Suche der norwegischen Firma Central Anglia werde über das einer Kreis-Sprecherin zufolge bislang „wenig transparente“ Verfahren gesprochen. Central Anglia sucht auf einer Fläche von mehr als 180 Quadratkilometern nahe Sterup nach Öl. Die Gegner befürchten, dass durch Bohrungen das Trinkwasser verunreinigt werden könnte.

Widerstand in der Bevölkerung

Die Central Anglia AS (eine in Norwegen registrierte Aktiengesellschaft) sucht in Angeln nach Öl. Das auch für Schleswig-Holstein zuständige Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Niedersachsen hatte dafür zuletzt den Hauptbetriebsplan und somit Bodenproben zugelassen. Gegen die Pläne formiert sich Widerstand in der Bevölkerung. Am Abend sollen auf einer Diskussionsveranstaltung in Steinbergkirche die Argumente ausgetauscht und Unsicherheiten abgebaut werden.

Wo genau sucht die Firma nach Öl?

Das Gebiet des sogenannten Erlaubnisfeldes „Sterup“ umfasst eine Fläche von rund 183 Quadratkilometern. Es reicht nach Angaben der Bürgerinitiative „Angeliter bohren nach“ von Dollerup bis zur Geltinger Bucht, im Süden bis Stoltebüll und Mohrkirch.

Warum wird an dieser Stelle Öl vermutet?

Im östlichen beziehungsweise südöstlichen Schleswig-Holstein gibt es in einer Sandsteinformation Erdölvorkommern. Aus diesen wurden zwischen den 1960er und 1980er Jahren Öl gefördert. In Angeln setzt sich diese Formation mit Sandsteinen des Dogger (Jura) und Rhät (Trias) fort. Nach Angaben der Central Anglia ist dies ein exzellentes potenzielles Ölspeichergestein mit guten Produktionseigenschaften.

Das Landesamt hat im September 2015 den Hauptbetriebsplan genehmigt. Heißt das, dass jetzt schon gebohrt werden darf?

Nein. Der Hauptbetriebsplan, der das weitere beabsichtigte Vorgehen der Firma im Feld Sterup beschreibt, beinhaltet zunächst eine oberflächennahe Entnahme von Bodenproben. Das Landesumweltministerium weist darauf hin, dass weitergehende Tätigkeiten, wie seismische Feldarbeiten oder Erkundungsbohrungen mit dieser Zulassung nicht genehmigt sind. Hierfür müsste das Unternehmen laut Ministerium detaillierte Betriebspläne gesondert beantragen.

Warum sind Bürger und Kommunalpolitiker gegen die Suche nach Öl?

Gegner der Ölsuche befürchten unter anderem, dass durch Bohrungen das Trinkwasser verunreinigt sowie Boden und Gewässer verseucht werden könnte. Auch treibt die Bürgerinitiative die Angst vor Lecks an Rohölleitungen sowie schweren Unfällen durch Explosionen der Ölförder- und Lagerstätte um. Sie vermuten zudem, dass die Firma das Öl mittels der umstrittenen Fracking-Methode aus dem Gestein pressen will. Die Central Anglia bestreitet dies.

Wie viele Bergbauberechtigungen gibt es derzeit in Schleswig-Holstein?

Derzeit gibt es vier Bergbauberechtigungen (onshore) in Schleswig-Holstein. Ende März sind zwei Berechtigungen abgelaufen. Die DEA Deutsche Erdoel AG wollte an den Bewilligungsfeldern Preetz und Plön-Ost keine weiteren Arbeiten zur Gewinnungsaufnahme vornehmen. 2014 gab es noch 14 onshore-Berechtigungen. Zudem gibt es noch die Ölbohrinsel Mittelplate im Wattenmeer vor der Dithmarscher Küste.

Wie hoch ist Schleswig-Holsteins Anteil an der bundesweiten Öl-Förderung?

Wegen der Plattform Mittelplate hat das nördlichste Bundesland mit 55 Prozent den höchsten Anteil an der bundesweiten Förderung - vor Niedersachsen mit 34 Prozent, Rheinland-Pfalz (8) und Bayern (2). Insgesamt sprudelten aus den 1066 deutschen Ölquellen nach Zahlen von 2014 insgesamt 2,4 Millionen Tonnen Rohöl. Der Wert ist weit von den 8,2 Millionen Tonnen aus den 1950er Jahren entfernt.