Genuss-Forum

Feinheimisch – das Netzwerk des Nordens

Für Feinheimisch kommt auch der Fisch aus der Region: Günther Magath von der Fischzucht reese holt auf dem Selenter See eine Aal-Reuse ein

Für Feinheimisch kommt auch der Fisch aus der Region: Günther Magath von der Fischzucht reese holt auf dem Selenter See eine Aal-Reuse ein

Foto: FEINHEIMISCH

Feinheimisch haben sich schon 86 Restaurants und Lebensmittelerzeuger aus Schleswig-Holstein angeschlossen. Was sie versprechen.

Nachhaltig und umweltschonend, mit regionalen Zutaten und passend zu den Jahreszeiten: Viele Restaurants und Lebensmittel-Erzeuger versprechen ihren Gästen und Kunden, dass sie so die Gerichte auf die Teller zaubern oder ihre Produkte herstellen. In Schleswig-Holstein hat sich ein Verein genau diesen Zielen verpflichtet: das Genuss-Forum Feinheimisch.

In diesem Netzwerk haben sich Landwirte und Manufakturen, Küchenchefs und Gastronomen, private Mitglieder und gewerbliche Förderer zusammengeschlossen. „Zur Zeit haben wir 500 Mitglieder“, sagt Geschäftsführer Markus Huber in Kiel. Begonnen hat alles im November 2007, nachdem das Land Schleswig-Holstein als Modellprojekt ein Restaurant bei Laboe befristet gefördert hatte, das innerhalb von zwei Jahren konsequent auf die Verwendung von regionalen Produkten umstellen wollte. Als die Mittel aus Kiel verbraucht waren, blieben Nachhaltigkeit und Regionalität gleichwohl ein großes Thema. Mit sieben Gründungsmitgliedern wurde Feinheimisch geboren.

Nach ihren Statuten verstehen sich die heutigen Netzwerker als Bewahrer und Förderer einer genussvollen, nachhaltigen und regional geprägten Esskultur im nördlichsten Bundesland. „Esskultur und die daraus entstandene Kochkultur sind prägende Elemente der sozialen und gesellschaftlichen Entwicklung des Menschen“, so Markus Huber. Wegen dieser weitreichenden Zusammenhänge sehe man sich auch in der Verantwortung für eine bewusste und gesunde Ernährung, für eine umweltverträgliche Produktion von Lebensmitteln und für eine Stärkung des Qualitätsbewusstseins.

Wer sich als Betrieb Feinheimisch anschließen möchte, muss eine Aufnahmeprüfung bestehen und wird jedes Jahr von einem unabhängigen Institut getestet, ob alle Bedingungen noch erfüllt werden. „Bei der Aufnahmeprüfung haben einige die Kriterien verfehlt, konnten dann aber nachbessern“, sagt Geschäftsführer Huber.

Vom Forellenfischer über die Meierei bis zum Schweinebauern ist alles dabei

Die Restaurants dürfen zum Beispiel keine Tütensuppe, wohl aber handwerklich hergestellte Produkte wie Senf oder Tomatenmark verwenden. 60 Prozent der Zutaten müssen aus der Region stammen, 40 Prozent dürfen anderer Herkunft sein, zum Beispiel Ananas, Curry oder andere Gewürze. Getränke werden nicht zertifiziert.

Unter den 35 Mitgliedern aus der Gastronomie sind zum Beispiel das Hotel Waldesruh am See in Aumühle. Dort gibt es norddeutsche Tapas, Wild aus dem Sachsenwald und Forellen vom Teichfischer aus der Nachbarschaft. „Wir sind genuss-, gesundheits- und qualitätsorientiert“, sagen Kathrin und Erik Gehl, die Betreiber des Familienbetriebs. „Wo mit guten Produkten und Spaß an der Sache gekocht wird, da schmeckt es besser – und da lebt es sich besser.“

Wer einen Ausflug in ein Feinheimisch-Restaurant machen möchte, kann auch nach Itzehoe ins Lokal Himmel und Erde, in den Friederikenhof am Stadtrand von Lübeck, ins Landhaus Schulze-Hamann in Blunk bei Bad Segeberg oder auf den Antik-Hof Bissee bei Bordesholm fahren. Auch auf Sylt und Amrum gibt es fünf Mitglieds-Lokale, ansonsten liegen sie meist rund um Kiel und Schleswig oder an der Lübecker Bucht.

Unter den 51 bei Feinheimisch organisierten Produzenten sind auch die Öko Melkburen aus Lentföhrden nördlich von Hamburg. Diese drei Familienbetriebe produzieren nach strengen Biorichtlinien ihre Jahreszeiten-Milch. „Milch ist nicht gleich Milch“, sagt Geschäftsführer Hans Möller. „Im Frühling fressen die Tiere mehr frisches Gras auf der Weide, das schmeckt man.“ In Hamburg gibt es die Ware in gut sortierten Lebensmittel-Märkten.

Ebenfalls bei Feinheimisch dabei: die Teichwirtschaft in Reinfeld, die Ziegen von Redderhof in Zarpen bei Lübeck, die Meierei Horst bei Elmshorn, die Bäckerei Steinmetz in Hamburg und Krempe sowie die Schweinezucht Susländer in Kollmar an der Elbe bei Glückstadt. In Hamburg präsentiert sich Feinheimisch im September auf dem Food Market und im November auf der Messe Eat&Style. Auf der Internationalen Tourismusmesse ITB dieser Tage in Berlin sorgt der Verein für das Catering am Schleswig-Holstein-Stand.

Bisher gibt es Feinheimisch in Deutschland nur in Schleswig-Holstein. Ministerpräsident Torsten Albig ist der Schirmherr, sein Vorgänger Peter Harry Carstensen Vorsitzender des Fördervereins. „Andere Bundesländer interessieren sich für unser Konzept“, sagt Markus Huber.

Der gelernte Hotelkaufmann stammt aus Stuttgart, lebt aber schon seit mehr als 20 Jahren im Norden. In seiner Heimat hat er für die Genuss-Idee schon Werbung gemacht mit seiner Definition für das Land zwischen den Meeren: „Krabben aus Friedrichskoog und frischer Fisch vom Kutter sind für mich Schleswig-Holstein.“ In Baden-Württemberg wären es dann eher Maultaschen und Linsen mit Spätzle.