Kiel

Übergriffe auf Mädchen: Polizei wertet Handyvideos aus

Das Einkaufszentrum Sophienhof in Kiel (Schleswig-Holstein). Rund zwei Dutzend Männer sollen in dem Einkaufszentrum drei Mädchen belästigt haben

Das Einkaufszentrum Sophienhof in Kiel (Schleswig-Holstein). Rund zwei Dutzend Männer sollen in dem Einkaufszentrum drei Mädchen belästigt haben

Foto: Andre Klohn / dpa

In einem Einkaufszentrum verfolgten und filmten bis zu 30 Männer mit Migrationshintergrund mehrere Mädchen. Polizei sucht Zeugen.

Kiel.  Nach den Übergriffen auf drei Mädchen im Kieler Einkaufszentrum Sophienhof gehen die Ermittlungen weiter. Die Polizei wertet unter anderem Video-Aufnahmen und die Handys mutmaßlicher Täter aus. Mehr als 20 Männer mit Migrationshintergrund sollen am Donnerstagabend in dem Shopping Center die Mädchen im Alter von 15, 16 und 17 Jahren massiv belästigt und verfolgt haben.

„Eine spezialisierte Einheit der Kriminalpolizei unterstützt die Ermittler der Polizei bei den Auswertungen“, sagte ein Polizeisprecher am Sonnabend. Vor Montag könne nicht mit Ergebnissen gerechnet werden. Die Ermittlungen gegen weitere mutmaßliche Täter hätten zudem Vorrang.

Schnell bildete sich eine Gruppe von Männern

Als mutmaßliche Haupttäter gelten nach Angaben der Polizei zwei 19 und 26 Jahre alte Asylbewerber aus Afghanistan. Sie sollen zuerst die Mädchen beobachtet, verfolgt und mit Mobiltelefonen gefilmt und fotografiert haben. Nach und nach sei die Zahl der Männer, die die Mädchen belästigt haben sollen, auf 20 bis 30 gestiegen.

Die beiden Afghanen und zwei weitere Verdächtige wurden vorläufig festgenommen, sind inzwischen aber wieder frei. Bei ihrer Festnahme leisteten die Beschuldigten laut Polizei heftigen Widerstand. Dabei seien auch Beamte verletzt worden.

Der Polizeisprecher bestätigte Medienberichte, wonach sich nach dem Vorfall weitere Frauen gemeldet und von ähnlichen Erfahrungen im Sophienhof berichtet hätten. Nach der umfangreichen Berichterstattung sei dies aber auch zu erwarten gewesen. Dass sich viele nicht sofort an die Polizei wenden, sei „ganz typisch für diese Art von von Scham geprägten Delikten“, sagte er.

Mehr Sicherheitspersonal im Einkaufszentrum

Die Polizei sucht noch weitere Zeugen des Vorfalls. Wer sich bedroht fühle, solle sofort den Polizeiruf 110 wählen. Die Polizei kündigte für die nächsten Tage verstärkte Präsenz an dem Einkaufszentrum an.

Und auch die Managerin des Einkaufszentrums, Sophie Dukat, sagte den "Kieler Nachrichten" im Interview, man werde den Sicherheitsdienst in den kommenden Wochen aufstocken. Derartige Vorfälle habe es im Sophienhof bislang nicht gegeben.

Studt: „Polizei hat richtig reagiert“

Innenminister Stefan Studt zeigte sich betroffen. Es sei nicht hinnehmbar, an einem öffentlichen Ort so belästigt zu werden, sagte der SPD-Politiker. Sein ganzes Mitgefühl gelte den Mädchen. Der Vorfall müsse mit aller Kraft des Rechtsstaates aufgeklärt werden. Die Polizei habe gut und richtig reagiert.

Die Vorfälle zeigten, dass sich der Rechtsstaat zu jeder Zeit die notwendige Geltung verschaffen müsse, sagte FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. „Falsch verstandene Rücksichtnahme ist das Gegenteil von Integration und wäre das vollkommen falsche Signal sowohl in Richtung der Täter als auch in Richtung der Opfer.“

Grüne: „Kampf gegen Sexismus stärken“

Auch nach Ansicht des CDU-Innenpolitikers Axel Bernstein darf es kein Zweifel an der Fähigkeit des Rechtsstaates geben, für die Sicherheit seiner Bürger zu sorgen. „Deshalb waren sowohl das schnelle und konsequente Eingreifen als auch die Ankündigung einer verstärkten Polizeipräsenz in den kommenden Tagen, richtige Maßnahmen.“

Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben bekundete Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des Rechtsstaates. „Um solche Vorfälle wie im Kieler Sophienhof zu verhindern, sind Integration, funktionierende Sicherheitskonzepte und der Kampf gegen Sexismus die Punkte, die es zu stärken gilt.“