Bad Bramstedt

Hubschrauber-Absturz: Crew nahm an SEK-Übung teil

Die Maschine der Bundespolizei war von der Fliegerstaffel Fuhlendorf. Bundesinnenminister de Maizière besucht die Unglücksstelle.

Bimöhlen.  Das Wrack des am Donnerstagabend verunglückten Hubschraubers ist mittlerweile geborgen und auf einen einen Tieflader verladen worden. Es wird in Kürze auf das Gelände der Bundespolizei in Bad Bramstedt befördert. Die Unglücksstelle ist somit weitestgehend geräumt. Das teilte die Polizei Bad Segeberg am Freitagnachmittag mit.

Der Hubschrauber der Bundespolizei warnach Angaben eines Unfallermittlers aus etwa 120 bis 130 Meter Höhe abgestürzt. Das hätten Zeugen berichtet, sagte Axel Rokohl von der Braunschweiger Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) an der Unfallstelle am Ortsrand von Bimöhlen im Kreis Segeberg.

„Die Maschine war ungefähr 50 Minuten in der Luft, als sie von einem Nachtflugtraining zurückfliegen sollte zum nahen Fuhlendorf“, sagte Rokohl am Freitag. Die Wetterverhältnisse seien nicht besonders schlecht, sondern für einen Hubschrauberflug eher gut gewesen. Die Unfallursache sei noch nicht geklärt. Zunächst müssten der Flugschreiber und der Stimmrekorder ausgewertet werden.

Bei dem Absturz des Eurocopters EC 135 waren der 33-jährige Co-Pilot und ein 42 Jahre alter Insasse ums Leben gekommen. Der 31-jährige Pilot überlebte schwer verletzt.

Der Chef von Airbus Helicopters Deutschland, Wolfgang Schoder, regierte nach Unternehmensangaben mit großem Bestürzen auf das Unglück und sprach den Angehörigen der Opfer sein tiefes Mitgefühl aus.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière ist erschüttert

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat am Freitag die Absturzstelle des Hubschraubers der Bundespolizei in Bimöhlen im Kreis Segeberg besucht. Er wolle die gemeinsame Trauer um die beiden Polizisten zum Ausdruck bringen, die bei dem Absturz ums Leben kamen, sagte der Minister. „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen.“

Die Besatzung sei auf einem Übungsflug mit der schleswig-holsteinischen Landespolizeieinheit SEK gewesen, erklärte de Maizière. Der Hubschrauber sei ziemlich gerade abgestürzt. Als Teil der Übung habe die Maschine zuvor in der Luft gestanden. Die Kieler Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD) betonte, dass im Hubschrauber keine Landespolizisten saßen, sondern eine SEK-Einheit am Boden an der Übung teilnahm.

Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat sich tief erschüttert geäußert. „Ich bin bestürzt über diese Tragödie, die zwei Männer der Bundespolizei bei einem Übungsflug so plötzlich und abrupt aus dem Leben gerissen hat“, sagte der SPD-Politiker am Freitag. „Ich hoffe, dass der schwer verletzte Pilot des Hubschraubers das Unglück überlebt.“

Ermittlungen nach Absturz beginnen

Zwei Fachleute von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig seien am Unglücksort und würden das Wrack untersuchen, sagte Pressesprecher Germout Freitag. Zuerst gehe es darum, festzustellen, ob aus der Lage des Wracks Rückschlüsse auf die Absturzursache möglich seien. So könne man etwa erkennen, ob der Rotor noch gedreht habe. Genauere Erkenntnisse erhoffen sich die Ermittler auch von dem Datenschreiber und dem Stimmrekorder. Auch die Kriminalpolizei ermittelte.

Der Hubschrauber stürzte auf einen Acker nur etwa 20 Meter von einer Straße entfernt, die nach Bimöhlen führt, unweit des Ortsschildes. Nur einige Hundert Meter entfernt liegt nach Angaben der Polizei ein Fußballplatz, wo zum Zeitpunkt des Absturzes noch gespielt wurde.

Pilot setzte Funkspruch kurz vor dem Unglück ab

Die Bergungsarbeiten dauerten Freitagmittag noch an. Die beiden Toten hätten noch im Wrack festgesteckt, sagte eine Polizeisprecherin. Auf ersten Bildern war der am Boden liegende völlig zerstörte Hubschrauber zu sehen. Nach Informationen der Kieler Nachrichten soll der Pilot kurz vor dem Absturz noch einen Funkspruch abgesetzt haben, der allerdings nicht mehr verstanden wurde.

Der Hubschrauber gehörte zur Fliegerstaffel Fuhlendorf bei Bad Bramstedt. Es ist einer der insgesamt fünf Flieger-Standorte der Bundespolizei in Deutschland. Von dort aus starten die Beamten zu Missionen wie der Grenzsicherheit auf See, Bahnsicherheit, Umweltschutz und Such- sowie Rettungsaktionen. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei befand sich der relativ kleine Hubschrauber auf einem Nacht-Übungsflug.

Der Hubschrauber Eurocopter EC 135

Bei der Bundespolizei werden Varianten des siebensitzigen Mehrzweckhubschraubers Eurocopter EC 135 für Verbindungs-, Beobachtungs- und Rettungsflüge eingesetzt.

Der EC 135 war der erste gemeinsam entwickelte Zivilhubschrauber, der aus der französisch-deutschen Partnerschaft zwischen DaimlerChrysler Aerospace und Aérospatiale entstand. Seit Beginn der Serienproduktion 1996 lieferte der Hersteller - inzischen unter dem Firmennamen Airbus Helicopters - rund 1200 zivile und militärische Versionen der Maschine in etwa 60 Länder.

Mit zwei Motoren von jeweils mehr als 800 PS erreicht der EC 135 eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 250 Kilometern in der Stunde. Der Hubschrauber kann bei einem Standardleergewicht von 1,45 Tonnen eine Nutzlast von 1,45 Tonnen aufnehmen.