Nordsee

Bergung der Pottwale im Wattenmeer soll beginnen

Acht tote Pottwale liegen im Wattenmeer vor dem Kaiser-Wilhelm-Koog (Schleswig-Holstein)

Acht tote Pottwale liegen im Wattenmeer vor dem Kaiser-Wilhelm-Koog (Schleswig-Holstein)

Foto: Hendrik Brunckhorst/LKN.sh/dpa / dpa

Die acht Pottwale sollen im Laufe des Tages geborgen werden. Unterdessen gibt es neue Hinweise auf die Ursachen für das Stranden.

Friedrichskoog/Hamburg. Vor der schleswig-holsteinischen Nordseeküste soll am Dienstag die Bergung von acht verendeten Pottwalen starten. Die Meeressäuger sind vor der deutschen Küste gestrandet und verendet – und im Endeffekt an Herz-Kreislaufversagen gestorben. Doch die Ursachen liegen tiefer, denn die Tiere haben meist ihre Orientierung verloren. Ist der Klimawandel schuld daran oder das in diesem Jahr besonders heftig auftretende Phänomen El Niño?

Die acht Pottwale sind im Wattenmeer vor Dithmarschen (Schleswig-Holstein) gestrandet. Die Jungbullen verendeten rund zwei Kilometer vor dem Deich in Höhe Kaiser-Wilhelm-Koog, wie der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) mitteilte. Die zwischen neun und zwölf Meter langen Tiere waren am Sonntagabend entdeckt worden. „Eines der Tiere lag zu diesem Zeitpunkt im Sterben, die anderen waren tot“, hieß es in einer LKN-Mitteilung.

Im Januar waren mindestens 16 Pottwale an den Küsten der Nordsee entdeckt worden – in Deutschland, den Niederlanden und in Großbritannien. Experten vermuten, dass sie sich auf ihren Wanderrouten verschwommen haben. Keines der Tiere überlebte. Seit den 1990er Jahren strandeten damit 82 Pottwale an der Wattenmeerküste von Dänemark, Deutschland und den Niederlanden.

Wegen Ebbe und Flut und der Dunkelheit konnten die Pottwale erst am Montagmorgen mit einem Raupenfahrzeug erreicht werden. Alle Tiere liegen dicht beieinander in der nicht zugänglichen Zone 1 des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, etwa fünf Kilometer südlich des Hafens Friedrichskoog und zwei Kilometer vor dem Deich. Trotz absehbar erhöhter Wasserstände und stürmischer Winde soll am Dienstagmorgen mit der Bergung der toten Tiere von Land aus begonnen werden.

Experten zerlegen tote Wale

Die gelegentlich in der Nordsee vorkommenden Pottwale werden dem Azorenbestand zugerechnet, hieß es. Die Männchen dieser Population verbringen den Winter im Nordatlantik. Auf ihrer Wanderungen gelangen einzelne Tiere irrtümlich in die vergleichsweise flache und nahrungsarme Nordsee.

Mit ihrem akustischen Orientierungssinn können sie sich dort schlecht orientieren. Wenn die schweren Wale ins Flachwasser geraten und auf dem Grund liegen, kann das Gewicht ihres Körpers ihre Blutgefäße und die Lunge abdrücken. Die Tiere sterben dann an akutem Herz-Kreislaufversagen.