Krankenhaus

Deutsch-syrisches Ärzteteam leitet Flüchtlingsambulanz

Die aus Syrien stammenden Ärzte Munzer Shekho und Dilovan Alnouri (v.l.) arbeiten für die neue Einheit im Krankenhaus in Neumünster

Die aus Syrien stammenden Ärzte Munzer Shekho und Dilovan Alnouri (v.l.) arbeiten für die neue Einheit im Krankenhaus in Neumünster

Foto: Matthias Hoenig / dpa

Im Friedrich-Ebert-Krankenhaus befindet sich nun eine „Einheit für integrierende Versorgung“. Flüchtlinge arbeiten im Ärzteteam mit.

Neumünster. Das nach Angaben der Betreiber bundesweit erste Projekt einer Flüchtlingsambulanz mit einem deutsch-syrischen Medizinerteam ist in Neumünster erfolgreich gestartet. Am ersten Wochenende seien 23 Patienten in der „Einheit für integrierende Versorgung“ im Friedrich-Ebert-Krankenhaus behandelt worden, teilte Chefarzt Ivo Markus Heer mit. Die beiden syrischen Ärzte, die Kurdisch, Arabisch, Englisch und inzwischen auch Deutsch sprechen, könnten sich mit etwa 80 Prozent der Flüchtlingspatienten verständigen. Dies helfe bei Diagnose und Therapie, schaffe aber auch Vertrauen bei den Patienten.

Das Krankenhaus liegt in direkter Nähe zur völlig überfüllten zentralen Erstaufnahmeeinrichtung Schleswig-Holsteins mit zurzeit mehr als 5000 Flüchtlingen. Die Einrichtung hat an Wochenenden keine eigenen ärztlichen Behandlungszeiten. Oberarzt Henrik Schlüter berichtete über das erste Ambulanz-Wochenende, dass die meisten Patienten 20 bis 30 Jahre alte gewesen seien, die Älteste war 46.

Das multinationale Team für die Ambulanz befindet sich noch im Aufbau. Es soll sechs Ärzte und zehn Pfleger umfassen. Neben Übersetzertätigkeiten geht es darum, ambulante Fälle rasch zu behandeln. Außerdem sollen stationäre Behandlung vorbereitetsowie Infektionskrankheiten erkannt und behandelt werden.

Schleswig-Holstein habe für die nächsten zwölf Monate 1,75 Millionen Euro bereitgestellt, sagte Geschäftsführer Alfred von Dollen. Syrische Ärzte unter den Flüchtlingen zu finden, sei kein Problem, sagte Heer. Das Team sei mit zunächst zwei syrischen Ärzten und zwei Pflegekräften gestartet.

Wegen der sehr stark gestiegenen Flüchtlingszahlen sind auch die ambulanten Behandlungen in dem Krankenhaus von 27 im März auf 238 im September gestiegen. Die Zahl der stationären Aufenthalte habe sich vervierfacht - auf 144 Fälle.

Sehr positiv und dankbar äußerten sich die beiden syrischen Ärzte Munzer Shekho (45) und Dilovan Alnouri (39) über ihre Erfahrungen in Deutschland. Als wichtigstes Motiv für ihre Flucht nannten sie, ihre Familien in Sicherheit zu bringen. Das sei in Syrien nicht mehr gewährleistet gewesen. Shekor stammt aus Aleppo, er hatte 15 Jahre eine eigene Praxis. Alnouri, der aus einer nordsyrischen Kleinstadt stammt, hat nach eigenen Angaben mehr als acht Jahre als Chirurg gearbeitet. Die Behörden prüfen die Anerkennung der syrischen Ausbildungszeugnisse.

Die beiden Fachmediziner dürfen in Deutschland zunächst nur als Assistenzärzte arbeiten. Ihre Zulassung ist auf 18 Monate begrenzt. Dann müssen sie auf Deutsch eine Approbationsprüfung ablegen. Als einen Schwachpunkt bei der Flüchtlingsbetreuung nannte Shekho, dass die Deutschkurse noch zu schleppend anlaufen und oft Pausen dazwischen lägen: „Da geht Zeit verloren.“

Über das erste Ambulanzwochenende sagte Alnouri, viele Patienten seien sehr erleichtert gewesen, sich mit den Ärzten in ihrer Sprache unterhalten zu können.

Neben der medizinischen Betreuung geht es bei dem Projekt auch darum, Flüchtlingen eine berufliche Chance zu bieten. „Wir werden das Problem der Integration nicht damit lösen, dass wir zwei syrische Ärzte einstellen, aber wir können ein Vorbild sein“, sagte Heer. Es gebe inzwischen Nachfragen aus ganz Deutschland.