Aufgetaucht

Mord vorgetäuscht? Frau plante ihr Verschwinden

Hinter einer Lupe ist der Schriftzug „Vermisste Person“ auf einem Fahndungsaufruf auf der Internetseite des Bundeskriminalamtes (BKA) zu sehen

Hinter einer Lupe ist der Schriftzug „Vermisste Person“ auf einem Fahndungsaufruf auf der Internetseite des Bundeskriminalamtes (BKA) zu sehen

Foto: Jens Büttner / dpa

Sie war 1984 verschwunden, ein Mann gestand ihre Tötung. Nun verrät die quicklebendige Frau, wie sie vor 31 Jahren untertauchte.

Braunschweig.  Es ist ein unglaublicher Fall, über dessen Hintergründe nur gerätselt werden kann: Nachdem ein vermeintliches Mordopfer am Donnerstag nach 31 Jahren quicklebendig und unter falschem Namen in Düsseldorf wieder aufgetaucht ist , werden immer mehr Details über die Motive der Frau bekannt. Demnach plante die heute 55 Jahre alte Frau ihr Untertauchen genau.

Heimlich Wohnung angemietet und Geld gespart

Wochen, bevor die damals 24 Jahre alte Studentin verschwand, habe sie bereits eine Wohnung in Gelsenkirchen angemietet und heimlich Geld zur Seite gelegt, teilte die Polizei in Braunschweig am Freitag mit. Die junge Frau nahm damals keinen Koffer mit und ließ alles so aussehen, als sei ihr etwas zugestoßen.

Die Mutter und der Bruder der Frau hätten fassungslos darauf reagiert, dass ihre Tochter und Schwester noch lebt. Wie die „Braunschweiger Zeitung“ berichtete, schrieben sie der Frau, dass sie stets mit offenen Armen empfangen werde. Die 1984 spurlos Verschwundene hatte bei der Polizei ausgesagt, keinen Kontakt zu ihrer Familie mehr haben zu wollen.

Polizei: „Wir klappen jetzt den Deckel zu“

Die Braunschweiger Informatikstudentin war im Juli 1984 spurlos verschwunden. Die Polizei ging nach ergebnisloser Fahndung von einem Tötungsdelikt aus, zumal ein als Mörder eines anderen Mädchens ermittelter Täter gestand, auch die vermisste Braunschweigerin getötet zu haben. 1989 schließlich wurde die Frau offiziell für tot erklärt.

Die Wahrheit wurde erst jetzt durch Zufall bekannt, als bei der 55-Jährigen in Düsseldorf eingebrochen wurde und sie ihren wahren Namen preisgeben musste. Zwei eilends herbeigerufene Ermittler der Braunschweiger Kripo vernahmen die Totgeglaubte in dieser Woche und bestätigten nun ihre Identität. „Wir klappen jetzt den Deckel zu. Wir hatten den Aktenordner hier noch stehen“, sagte Polizeisprecher Joachim Grande zu dem Fall.

Frau ist mehrere Male umgezogen

Laut Polizei hat die 55-Jährige nach eigenen Angaben in den vergangenen 31 Jahren in mehreren Städten in Westdeutschland unter falschem Namen und ohne Ausweispapiere gelebt. Warum sie damals untertauchte, dazu schweigt sie aber weiter.

Strafrechtlich ist der Frau nichts vorzuwerfen. Allerdings müsse sie jetzt wieder für lebend erklärt werden, sagte ein Polizeisprecher. Es sei kaum vorstellbar, wie die Frau die ganze Zeit ohne Papiere habe leben können. Sie sei nie in die Situation geraten, sich ausweisen zu müssen, habe sie ausgesagt. Zu ihrem Lebensunterhalt machte sie keine Angaben. Sie arbeite aber, erklärte die Frau den Beamten.