Urteil

Lebenslang für Raubmord an Lübecker Rentner

Ein Schild mit der Aufschrift „Gerichtshaus“ hängt im Eingangsbereich des Landgerichts in Lübeck

Ein Schild mit der Aufschrift „Gerichtshaus“ hängt im Eingangsbereich des Landgerichts in Lübeck

Foto: Olaf Malzahn / dpa

Die drogensüchtigen Männer hatten den 77-Jährigen zu Tode geprügelt. Einer der Täter kannte das Opfer seit seiner Kindheit.

Lübeck. Sie wollen fette Beute und kennen keine Grenzen: Mit Schlägen, Tritten und einem Schraubendreher gehen zwei Männer auf ihr Opfer los, um Tresorkombinationen und Pins aus ihm heraus zu prügeln. Am Ende des Martyriums bleibt der wohlhabende 77-Jährige Lübecker am 7. November 2014 blutüberströmt in seinem Haus liegen – Kopf und Körper übersät mit zahllosen Verletzungen und Knochenbrüchen. Für den brutalen Raubmord aus Habgier müssen die beiden 31 und 44 Jahre alten Täter jetzt lebenslang in Haft. Das Lübecker Landgericht ließ am Freitag keinerlei Zweifel an Schuld und voller Schuldfähigkeit der Angeklagten - trotz ihrer Drogensucht.

Vor Haftantritt müssen beide einen Entzug machen

Auf Anordnung des Gerichts müssen beide Männer noch vor Haftantritt in eine geschlossene Einrichtung zur Entzugstherapie. „Beide haben Ressourcen, die Therapie erfolgreich abzuschließen“, sagte der Vorsitzende Richter der 1. großen Strafkammer, Christian Singelmann. Er rechnet mit einer Dauer von mindestens zwei Jahren.

In der rund einstündigen Urteilsbegründung beschrieb Singelmann ein „planvolles, zielgerichtetes und situationsangepasstes Verhalten der Angeklagten vor, während und nach der Tat“. Der 31-Jährige ist demnach „Hauptaggressor“ in dem unscheinbaren Wohn- und Geschäftshaus des Opfers im Lübecker Stadtteil St. Jürgen. „Ich weiß, wie er abgehen kann“ und „wenn er rot sieht, sieht er rot“, sagten Zeugen über ihn. Der Angeklagte kannte das Opfer seit seiner Kindheit, nannte ihn „Onkel“, arbeitete zeitweise auch in dessen Verlag. Während der Tat trat und prügelte er immer wieder auf seinen Gönner ein, hatte die Beweisaufnahme ergeben.

Dem 31-Jährigen waren die Örtlichkeiten vertraut. Er wuste, dass der vermögende alte Herr wertvollen Schmuck und größere Geldbeträge zu Hause verwahrt, schilderte der Vorsitzende. Den Plan, ihn zu berauben, habe der Angeklagte demnach spätestens im Frühjahr 2014 gehabt. Er habe Kumpels gefragt, ob sie mitmachen – der dritte habe zugesagt.

Täter: "Ich hab' das Ding klar gemacht"

Doch obwohl sie laut Urteil immer wieder das Opfer malträtierten, den blutüberströmten Mann während der Tortur 32 Meter durchs Haus schleppten, blieben die Tresore zu. Die Täter türmten schließlich mit Wertsachen, darunter auch der Armbanduhr des Opfers. Kurz darauf brüstete sich der 31-Jährige dann „in Feierlaune“ bei seiner Freundin, und teilte ihr telefonisch mit: „Ich hab' das Ding klar gemacht“, schilderte der Vorsitzende. Die Beute teilten sie bei dem 44-Jährigen, dann ziehen sie durch Lokale, um schon Teile davon zu verkaufen.

Im Gegensatz zu dem 44-Jährigen, gestand der 31-Jährige erst im Prozess, als die Beweislage erdrückend ist, sagte der Vorsitzende. Die Einlassung nennt er „beschönigend und verniedlichend“. Motiv der Männer sei „die Gier nach Geld“, auch für ihren Drogenkonsum.

Die Kammer folgte mit dem Urteil dem Strafantrag des Staatsanwalts. Die Verteidiger hatten zeitlich begrenzte Haftstrafen wegen Raubes mit Todesfolge gefordert. Vor der Urteilsverkündung hatten sie noch vergeblich die Hinzuziehung eines weiteren Gutachters beantragt. Nun wollen sie Revision einlegen.