Aktenzeichen XY

Mysteriöses Verschwinden von Schleswig-Holsteiner im TV

Sandra Mittank aus Marne zeigt ein Bild ihres Sohnes Lars. Ein knappes Jahr nach dessen rätselhaften Verschwindens nimmt sich die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ am Mittwoch des Falles an

Sandra Mittank aus Marne zeigt ein Bild ihres Sohnes Lars. Ein knappes Jahr nach dessen rätselhaften Verschwindens nimmt sich die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ am Mittwoch des Falles an

Foto: Carsten Rehder / dpa

Lars Mittank aus Schleswig-Holstein verschwand vor einem Jahr bei einem Bulgarien-Urlaub. Nun sollen Fernsehzuschauer helfen.

Marne. „Ich habe es zum Flughafen geschafft“. Das waren die letzten Worte, die Sandra Mittank von ihrem Sohn Lars hörte. Es ist ein knappes Jahr her, dass der damals 28-Jährige seine Mutter per Handy aus Bulgarien angerufen hatte. Am 8. Juli 2014 wollte er zurück nach Deutschland fliegen. Doch er stieg in keine Maschine. Kurz vor dem Start rannte er in Panik ohne Handy und Gepäck aus dem Flughafengebäude, kletterte über einen 2,5 Meter hohen Zaun mit Stacheldraht und verschwand in einem dicht bewachsenen Gelände. Seitdem ist Lars Mittank , der zuletzt in Wilhelmshaven als Kraftwerker arbeitete, weg.

„Wie vom Erdboden verschluckt“, sagt Mutter Sandra. Damals begann ihre verzweifelte Suche. Doch was im Juli 2014 geschah, ist heute immer noch ein Rätsel. Am Dienstag nimmt sich die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY Spezial - Wo ist mein Kind?“ des Falles an.

Die Faktenlage ist dünn und mysteriös. Lars Mittank war am 30. Juni mit ehemaligen Schulfreunden nach Bulgarien geflogen. Eine Woche Männerurlaub am „Goldstrand“ nach Varna wollte die Fünf machen. Am vorletzten Urlaubstag wurde der 28-Jährige in eine Schlägerei verwickelt und am Ohr verletzt. Er konnte nicht mehr richtig hören. Ein Arzt diagnostizierte einen Trommelfellriss und riet ihm, den Rückflug zu verschieben. Seine Freunde flogen ohne ihn zurück nach Deutschland, während Lars in ein Krankenhaus ging. Dort wurde er jedoch nicht behandelt, so dass er sich außerhalb des Stadtzentrums ein billiges Zimmer in einem einfachen Hotel nahm.

Offensicht hatte er Angst, denn mitten in der Nacht rief er seine Mutter an: „Lars sagte, mit dem Hotel stimme etwas nicht. Dann unterbrach er die Verbindung ohne weitere Erklärung“, erinnert sich Sandra Mittank. Kurz darauf ein zweiter Anruf: Er habe sich außerhalb des Hotels ein Versteck gesucht, sagte er seiner Mutter. Wieder unterbrach er die Verbindung ohne weitere Erklärungen. Gegen sechs Uhr morgens dann die dritte Nachricht: „Lars sagte, er habe es bis zum Flughafen geschafft.“

Was danach passierte, haben zum großen Teil Überwachungskameras aufgezeichnet. Lars Mittank schlenderte ziellos durch den Check-In-Bereich, rief seine Mutter ein letztes Mal an und betrat gegen 9.30 Uhr das Behandlungszimmer des Flughafenarztes. Als ein Mann in Uniform eine halbe Stunde später ebenfalls das Behandlungszimmer betrat, rannte Lars panisch nach draußen. Mobiltelefon und Gepäck ließ er zurück. Er überquerte einen Parkplatz, kletterte über einen Zaun und verschwand in einem Feld mit Sonnenblumen.

Sandra Mittank hat die Hoffnung nicht aufgegeben, ihren Sohn irgendwann einmal wieder in die Arme schließen zu können. „Vielleicht hat er eine Psychose und irrt verwirrt durch Bulgarien“, sagt die 52-Jährige.

„Aktenzeichen XY Spezial - Wo ist mein Kind?“ am 3. Juni um 20.15 Uhr im ZDF (dpa)