Erzbistum Hamburg

Kinderheim auf Nordstrand wird zum 31. Juli geschlossen

Das Kinderheim auf Nordstrand

Das Kinderheim auf Nordstrand

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Haus St. Franziskus müsste für 1,7 Millionen Euro saniert werden. Bürger wollen Einrichtung retten. Benefizkonzert organisiert.

Nordstrand. Das Erzbistum Hamburg macht Ernst: Das Kinder- und Jugendhaus St. Franziskus auf Nordstrand , das die Caritas betreibt, wird zum 31. Juli 2015 geschlossen. Das bestätigte Manfred Nielen, Sprecher des Erzbistums, auf Abendblatt-Anfrage. Bisher war nur bekannt, dass die Einrichtung aufgegeben werden soll, doch ein genauer Termin stand nicht fest.

Das Erzbistum hatte den Schritt damit begründet, dass „das Haus für mindestens 1,7 Millionen Euro saniert werden müsste und das wäre nicht wirtschaftlich“, so Sprecher Nielen. Aktuell leben in dem Haus noch 14 Bewohner, die auf andere Einrichtungen verteilt werden sollen.

Die Schließungspläne für das traditionreiche Kinderheim hatte das Erzbistum Ende Januar verkündet. Seitdem gibt es eine Welle der Solidarität auf der Halbinsel für einen Erhalt der Einrichtung.

Bereits 1900 Unterschriften gegen Schließung gesammelt

Die Bürgerinitiative „Wir sind gegen die Schließung des Kinderheims auf Nordstrand“ will nicht aufgeben: „Wir werden weiter für Zukunft des Kinderheims kämpfen. Die Unterstützung ist groß, wir haben bereits 1900 Unterschriften gesammelt und 2700 haben die Online-Petition unterzeichnet“, sagte Sprecherin Sabine Marya.

Am 2. Mai um 18 Uhr gibt es ein Benefizkonzert im Hotel Kiefhuk (Kiefhuk 4) auf Nordstrand. Dort treten die Bands „Zweistimmig und Freunde“ und „Die fiesen Friesen“ auf: „Der Eintritt ist frei, aber wir wollen an diesem Abend Spenden sammeln, um so weitere Aktionen für den Erhalt des Kinderheims zu finanzieren“, sagte Sabine Marya.

Dass die Kirche sich von der Einrichtung trennen will, ist nicht neu: Das Kinder- und Jugendhaus stand bereits 2006 im Fokus der Öffentlichkeit. Damals wollte das Erzbistum das Haus schließen, weil dieses sich angeblich „nicht mehr wirtschaftlich führen ließ“.

Gibt es doch noch eine Lösung?

Als das Abendblatt über diese Pläne berichtete, gab es einen Aufschrei in der Öffentlichkeit. Die Politik schaltete sich ein, und Udo Prinz von Schoenaich-Carolath, der das Haus seit Jahren unterstützt, kämpfte für den Erhalt – mit Erfolg. Schließlich übernahm 2006 die Caritas die Trägerschaft und sicherte zunächst die Zukunft des Hauses.

Doch nun will sich das Erzbistum Hamburg trotz der massiven öffentlichen Kritik nicht stoppen lassen. Für Udo Prinz Schoenaich-Carolath steht fest: „Die Aufgabe der Kirche ist es, sich um die Armen und Schwachen, in diesem Fall die Kinder, zu kümmern. Der Papst lebt das vor. Doch das Erzbistum Hamburg fällt nur durch Herzlosigkeit auf.“

Es könnte aber noch eine Lösung geben: Der auf Nordstrand ansässige Allgemein- und Arbeitsmediziner Uwe Krüger, der sich seit 16 Jahren auch um die Bewohner des Kinder- und Jugendhauses St. Franziskus kümmert, hat Interesse die Immobilie zu erwerben und die Einrichtung zu erhalten (wir berichteten). Allerdings müsste der gebürtige Münchener dazu mindestens einen Träger finden, der die Belegung der bis zu 51 Plätze garantiert und das Haus betreibt. Zwei potentielle Betreiber, mit denen Krüger verhandelt hatte, sind abgesprungen. Aber: „Ich werde nicht aufgeben, denn mir ist es eine Herzensangelegenheit, den Fortbestand dieser Institution zu sichern. Deshalb werde ich weiter den Kontakt zu Trägern suchen“, sagte Krüger.