Bahnverbindung

Streit der Betreiber macht Sylt Shuttle zum Sorgen-Shuttle

Der Autoreisezug auf dem Hindenburgdamm

Der Autoreisezug auf dem Hindenburgdamm

Foto: dpa Picture-Alliance / Christian Charisius / picture alliance / dpa

RDC und Deutsche Bahn streiten sich, wer den Autozug wann betreiben darf. Nun könnten die Abfahrten sogar versteigert werden.

Westerland. Der Sylt Shuttle wird immer mehr zum Sorgen-Shuttle der Insulaner. Viele Sylter fürchten, dass in acht Monaten, nach Abschluss des Vergabeverfahrens für die Autozugverbindung zwischen Westerland und Niebüll, zwei verfeindete Bahnunternehmen den Kfz-Transport übernehmen werden: die Firma RDC und die Deutsche Bahn. Nikolas Häckel, ab Mai neuer Bürgermeister der Inselgemeinde, sagt: „Dieses Szenario ist nicht das, was wir uns vorgestellt haben.“ Inselbewohner und Touristen seien verunsichert, weil beispielsweise unklar sei, ob RDC bei der Bahn gekaufte Tickets anerkenne – und die Bahn umgekehrt die RDC-Tickets. „Die Art und Weise, wie hier über die Strecke entschieden wird, ist nicht im Interesse der Insel“, sagt Häckel. „Der Shuttle ist doch unsere Nabelschnur.“

Der Bürgermeister steht mit seiner Kritik nicht allein. Auch im Kieler Verkehrsministerium ist man mittlerweile der Ansicht, dass die komplizierte Vergabe der angeblich sehr lukrativen Strecke einen wichtigen Faktor außer Acht lässt. „Der Autozug ist die Lebensader der Insel Sylt“, sagt Frank Nägele, Staatssekretär im Verkehrsministerium. „Das ist etwas anders als zum Beispiel die Bahnverbindung Hamburg – Lübeck. Dort gibt es eine Autobahn, die man anstelle des Zuges benutzen kann. Für Sylt gib es solche Alternativverkehre nicht.“ Angesichts dieser Tatsache sei es problematisch, dass es für den oder die Autozugbetreiber keine Bedienpflicht gebe. „Wenn das Unternehmen keine Loks auftreiben kann, dann wird eben nicht gefahren“, sagt Nägele. „Wir haben keine Möglichkeit, ihn dazu zu zwingen.“

Auch dem Staatssekretär missfällt das Szenario, dass sich zwei Unternehmen den Autozugbetrieb teilen. „Das ist bestenfalls neutral für Sylt“, sagt er. Wenn die Tickets jeweils nur für eines der beiden Unternehmen gelten würden, gebe es längere Wartezeiten an den Verladestationen. Man könne dann ja nur den nächsten Zug von RDC oder nur den der Bahn nehmen. „Dann steigt der Bedarf an Parkflächen“, sagt Nägele. Und die sind in Westerland und Niebüll ohnehin knapp.

Versteigerung von Abfahrten des Sylt Shuttle?

Derweil geht der Kampf zwischen den beiden Autozuginteressenten ungebremst weiter. RDC hat sich in der ersten Runde des Vergabeverfahrens bereits elf Abfahrten gesichert – für einen Zeitraum von zehn Jahren. In einer zweiten Runde, die jetzt begonnen hat, geht es um weitere Fahrten, die für ein Jahr ausgeschrieben werden. RDC hat 59 solcher Fahrten beantragt. Die Bahn bietet mit. Zahlen will sie nicht nennen. Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis: „Wir haben Trassen angemeldet – in dem Umfang, wie wir es für nötig halten.“

Weil beide Unternehmen offenbar zu denselben Zeiten fahren wollen, gibt nun zuerst sogenannte Trassenkonfliktgespräche. Sie sind vergaberechtlich vorgeschrieben. Im Mai sollen sie beginnen. Eine Konfliktlösung erwartet keiner der Konkurrenten. Schließlich ist auf der eingleisigen Hindenburgdamm-Strecke ein Kompromiss nicht möglich. Dort kann zu einer festgelegten Uhrzeit nur entweder der eine oder der andere Anbieter fahren.

Deshalb läuft alles auf eine vergaberechtliche Deutschlandpremiere hinaus: Die strittigen Abfahrten werden versteigert. Die Interessenten können bei der Bundesnetzagentur ein Angebot für das Trassenentgelt abgeben, das sie zu zahlen bereit sind. Die Angebote werden wohl irgendwo im Bereich zwischen 250 und ein paar tausend Euro liegen. Wer den höheren Betrag bietet, bekommt automatisch den Zuschlag. Die Sylter Nabelschnur – sie wird für ein paar Hundert Euro verkloppt wie bei einer Firmenpleite.

Wann diese absurde Pokerpartie genau beginnt, ist unklar. Vermutlich dauert es noch bis August. Ab 15. Dezember sollen die Autozugbetreiber nicht nur streiten und schachern, sondern auch Autos transportieren.

In der Tat wurde das Vergabeverfahren von einer teils aggressiven Öffentlichkeitsarbeit begleitet. RDC legte zuletzt noch einmal nach und veröffentlichte einen Fahrplanentwurf für den Hindenburgdamm, der zukünftige Abfahrtszeiten von Personenzügen enthielt. Zugleich warf RDC dem Land Schleswig-Holstein in einer Pressemitteilung vor, „umfangreichen Mehrverkehr“ auf der Strecke bestellt zu haben. Das Unternehmen verband dies mit der Frage, ob es sich dabei um eine „taktische Bestellung“ handele. RDC weiter: „Die Streckenkapazität zwischen Niebüll und Westerland ist mit den Mehrbestellungen tagsüber weitgehend ausgeschöpft. Autozüge können teilweise nur noch alle 60 Minuten verkehren.“ Der unausgesprochene Vorwurf lautet: Das Land bremst RDC aus.

Frank Nägele, Staatssekretär im Verkehrsministerium, weist das zurück. „Der Vorwurf der Obstruktionspolitik ist hanebüchen“, sagt er.