Schleswig-Holstein

Verdi will Nord-Ostsee-Kanal mit Streik lahmlegen

Von Montag an will die Gewerkschaft Verdi eine Woche den Nord-Ostsee-Kanal und weitere Wasserstraßen in ganz Deutschland lahmlegen. SPD und CDU warnen vor den drohenden wirtschaftlichen Folgen.

Kiel/Berlin. Neue Eskalationsstufe im Arbeitskampf an den Schleusen: Die Gewerkschaft Verdi will den Nord-Ostsee-Kanal von diesem Montag an eine Woche lang durchgehend bestreiken. Der Streik an der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt gehöre zu bundesweiten Arbeitsniederlegungen an zahlreichen Schleusen, teilte ein Verdi-Sprecher am Donnerstag in Berlin mit. Die auf sieben Tage angelegten Streiks sollen den Druck auf die Bundesregierung erhöhen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und die oppositionelle CDU warnten vor den drohenden wirtschaftlichen Folgen.

Verdi will eine tarifvertragliche Absicherung für die Beschäftigten bei der Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes erzwingen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat den Beschäftigten eine Absicherung bereits per Schreiben zugesagt, was nach Ansicht der Gewerkschaft aber juristisch nicht hieb- und stichfest ist. Verdi befürchtet den Verlust von 3000 der insgesamt 12.000 Arbeitsplätze. Laut der Gewerkschaft blieben die bisherigen Gespräche über den angestrebten Sozialtarifvertrag ohne Ergebnis. „Die Hängepartie muss ein Ende haben“, begründete Verdi-Vorstandsmitglied Achim Meerkamp die Ausweitung der Streiks.

Der bislang längste Streik am Nord-Ostsee-Kanal in der seit Monaten andauernden Auseinandersetzung soll am Montag mit der Frühschicht beginnen und bis zur Spätschicht am Sonntag darauf dauern. Betroffen sein werden die Schleusen in Brunsbüttel an der Nordsee und in Kiel-Holtenau zur Ostsee.

Seit Anfang Juli gab es schon mehrere regionale Aktionswellen für einige Tage. Vor allem in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen stauten sich Schiffe vor geschlossenen Schleusen. Nun soll in allen Regionen gleichzeitig gestreikt werden.

Albig appellierte erneut an die Tarifparteien, zu einer Einigung zu kommen. „Insbesondere Bundesverkehrsminister Ramsauer ist mehr denn je gefordert, endlich eine Lösung mit den Beschäftigten zu erzielen. Wir brauchen einen funktionierenden und keinen gesperrten NOK“, betonte Albig. Er rief beide Seiten auf, ihre Verantwortung für die Wirtschaft im Norden nicht zu vergessen. „Jeder Tag, den der Nord-Ostsee-Kanal nicht befahrbar ist, schadet nicht nur dem Wirtschaftsstandort Norddeutschland, sondern dem Standort Deutschland“, warnte Albig und fügte hinzu: „Und da ab Montag viele Wasserstraßen in ganz Deutschland für eine Woche dicht sein sollen, ist zu befürchten, dass die Wirtschaft in Deutschland erhebliche Einbußen haben wird.“

Der CDU-Landtagsfraktionsvorsitzende Johannes Callsen bezeichnete den erneuten Streik am NOK als unverantwortlich. „Dieser Streik gefährdet Arbeitsplätze. Ich appelliere an die gesellschaftliche Verantwortung unserer schleswig-holsteinischen Gewerkschaften. Sie sind aufgefordert, für ein Ende dieses Streiks zu kämpfen.“