Seemannsschule auf dem Priwall

60 Jahre Matrosen "made in Travemünde"

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1952 träumten angehende Matrosen noch von der "Pamir". Heute beherrscht Hightech die Seefahrt. Die Seemannsschule hat Schritt gehalten.

Lübeck. In ihren Anfangsjahren galt sie als „Mosesfabrik“, heute ist sie ein modernes Aus- und Fortbildungszentrum für Seeleute. Im Mai 1952 wurde die Schleswig-Holsteinischen Seemannsschule in Lübeck-Travemünde gegründet. Die Schule trage dazu bei, die Begeisterung junger Menschen für die Seefahrt auszubauen und für eine hohe berufliche Qualifikation zu nutzen, sagte das Geschäftsführende Vorstandsmitglied des Verbandes Deutscher Reeder, Ralf Nagel, bei der offiziellen Geburtstagsfeier am Donnerstag.

Die Ausbildung von seemännischem Nachwuchs sei ein wichtiges Glied in der Ankerkette für den maritimen Standort Deutschland, sagte Nagel weiter. Von der Bundesregierung forderte er, die zugesagte Förderung des Maritimen Bündnisses zügig umzusetzen und das Förderniveau von 60 Millionen Euro auch für das Jahr 2013 zu erhalten. Schleswig-Holsteins Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele lobte die Flexibilität des Seemannsschule. Sie habe sich auf veränderte Rahmenbedingungen eingestellt, biete heute zum Beispiel bereits Module für Brandschutz- und Sicherheitstrainings im Offshore-Bereich an, für den es noch keine Ausbildungsstandards gebe, sagte er.

Als die Seemannsschule auf der Travemünder Halbinsel Priwall 1952 gegründet wurde, hießen Schiffsmechaniker noch Matrosen und die Lehrlinge an Bord Schiffsjungen oder Moses. Die aufstrebende deutsche Handelsmarine brauchte seemännischen Nachwuchs, den die Schule wie am Fließband lieferte, was die Bezeichnung Mosesfabrik erklärt. „Auf dem Priwall erhielten die angehenden Schiffsjungen eine dreimonatige Einführung in den Beruf, den Rest lernten sie an Bord“, schilderte Schulleiter Holger Garbelmann die Ausbildung in den 50er Jahren. Von 1960 bis 1965 fand ein Teil der Ausbildung auf der „Passat“ statt, die seit 1960 dauerhaft am Priwall vor Anker liegt. Der Großsegler war nach dem Untergang der „Pamir“ 1957 außer Dienst gestellt und von der Stadt Lübeck gekauft worden.

Heute ist die Seemannsschule auf dem Priwall – eine von dreien in Deutschland neben denen in Rostock und Elsfleth in der Wesermarsch - eine Berufsschule für angehende Schiffsmechaniker sowie Fortbildungseinrichtung für Besatzungsmitglieder in Sachen Sicherheit und Brandbekämpfung. „Mehr als 35.000 Seeleute haben seit 1952 ihre Ausbildung auf dem Priwall absolviert“, sagte Garbelmann.

Heute ist die dreijährige Lehre zum Schiffsmechaniker, die sowohl für die Arbeit an Deck als auch im Maschinenraum vorbereitet, für viele die Grundlage für ein nautisches Studium. Rund die Hälfte der Berufsschüler an seiner Schule habe mittlerweile Abitur. „Wer heute eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker macht und anschließend an einer Fachhochschule ein nautisches oder technisches Patent erwirbt, hat praktisch eine Jobgarantie bis zur Rente. Denn nach der aktiven Fahrenszeit gibt es in dem Bereich viele qualifizierte Jobs an Land“, erklärte Garbelmann.