Energiegewinnung

Endgültige Absage an Kohlekraftwerk für Brunsbüttel

Wirtschaftliche Probleme und politischer Widerstand zwang Südweststrom zur Aufgabe des Milliardenvorhabens um das riesige Kohlekraftwerk.

Tübingen/Brunsbüttel. Kein Mega-Kohlekraftwerk in Brunsbüttel: Der Stadtwerkeverbund Südweststrom hat seine Pläne dafür endgültig aufgegeben. Das beschloss die Gesellschafterversammlung am Donnerstag in Tübingen, teilte Südweststrom mit. Die anfangs rund 90 beteiligten Stadtwerke vor allem aus Baden-Württemberg hatten vor, in Brunsbüttel für 3,2 Milliarden Euro das größte Steinkohlekraftwerk Deutschlands zu bauen. Doch zuletzt hatte das Projekt zahlreiche Rückschläge zu verkraften. So gelten neue Kohlekraftwerke durch die Energiewende als nicht mehr wirtschaftlich, und auch die neue Landesregierung in Schleswig-Holstein lehnt das Projekt ab.

So begrüßte der Kieler Energieminister Robert Habeck (Grüne) auch umgehend die Entscheidung aus Tübingen: „Kohlekraft hat keinen Platz in der künftigen Energieversorgung in Schleswig-Holstein“, erklärte er. „Für die Energiewende setzen wir dagegen unter anderem auf effiziente Speichertechnologie.“ Die neue Koalition aus SPD, Grünen und SSW (Südschleswigscher Wählerverband) hatte sich dagegen ausgesprochen, neue Kohlekraftwerke im Land zu bauen.

„Es ist schade, dass die ständigen Richtungswechsel und die Verzögerungen von Entscheidungen in der bundesdeutschen Energiepolitik letztendlich zu dem Beschluss geführt haben, das Projekt nicht mehr zu realisieren“, sagte Südweststrom- Geschäftsführerin Bettina Morlok. Aber da nun auch die neue schleswig-holsteinische Landesregierung das Projekt ablehne, werde Südweststrom nicht weiter für das Projekt kämpfen.

„Ich hoffe, dass mit der heutigen Entscheidung von SWS nicht das Ende des Engagements in unserem Land eingeläutet wird“, betonte der Kieler Minister Habeck. „SWS ist uns ein willkommener Partner, um die Erneuerbaren Energien im Land voranzubringen. Den begonnenen Dialog mit dem Unternehmen werden wir deshalb gerne fortsetzen und Alternativen für die Nutzung der Flächen in Brunsbüttel diskutieren.“

Das Steinkohlekraftwerk war ein echtes Prestigeprojekt, als die Pläne vor vier Jahren konkret wurden. Plötzlich trauten sich kleine Stadtwerke, den großen Atomstromkonzernen Paroli zu bieten und mit vereinten Kräften ein eigenes Kraftwerk zu bauen. Unter dem Dach des Stadtwerkeverbunds Südweststrom wurde das Vorhaben vorangetrieben.

Doch im Norden stießen die Pläne der Baden-Württemberger für ein Kohlekraftwerk von Anfang an auch auf Kritik. Umweltschutzorganisationen liefen Sturm gegen die vermeintliche CO2-Schleuder, Tierschützer sorgten sich um Fische und Vögel in der Elbe. Wenig später kamen wirtschaftliche Rückschläge hinzu. Erst durch die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke und dann durch die Förderung erneuerbarer Energien gerieten Kohlekraftwerke ökonomisch immer weiter ins Hintertreffen. Und schließlich kamen mit dem Regierungswechsel in Schleswig-Holstein mit SPD, Grünen und SSW Partner an die Macht, die das Kraftwerk ablehnten.

30 Stadtwerke hatten in den vergangenen Jahren schon die Reißleine gezogen und sich aus dem Projekt verabschiedet. Anfang 2012 bekundete mit der Schweizer Repower auch ein Großgesellschafter, das Vorhaben nicht weiterzuverfolgen. Letztlich sei den Südwest-Stadtwerken gar keine andere Möglichkeit geblieben, als die Pläne aufzugeben, sagen Insider.

Für die beteiligten Stadtwerke ist nun noch die Frage offen, auf welchen Kosten sie für die Planung des Milliardenprojekts sitzen bleiben. Wie hoch diese sind, ist nach Angaben von Südweststrom noch nicht genau zu beziffern.

Die Umweltorganisation Greenpeace begrüßte das Ende der Pläne: „Das ist ein guter Tag für die Energiewende“, sagte Daniel Plöger von Greenpeace. „Südweststrom hat endlich eingesehen, dass klimaschädliche Kohlekraftwerke in Deutschland keine Zukunft haben.“ (dpa/abendblatt.de)