Raiffeisenbank Struvenhütten

Deutschlands kleinste Bank im stetigen Aufwind

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Die kleine Raiffeisenbank Struvenhütten in Schleswig-Holstein behauptet sich weiterhin als erfolgreiches und vor allem unabhängiges Institut.

Struvenhütten. Bodenständig und erfolgreich: Unbeeindruckt vom Auf und Ab der Weltbörsen läuft in der Provinz nördlich von Hamburg das Kreditgeschäft. So rasant schaffen es nur wenige Unternehmen in der Rangliste nach oben: Um rund 400 Plätze rutschte die Bank in den letzten Jahren hoch – ganz ohne eigenes Hinzutun. Und die kleinste in ganz Deutschland ist sie auch immer noch, die Raiffeisenbank Struvenhütten in der schleswig-holsteinischen Provinz. Auf Platz 1136 der Volks- und Raiffeisenbanken kletterte sie im vorigen Jahr mit einer Bilanzsumme von nicht ganz 14 Millionen Euro nur deshalb, weil Jahr für Jahr kleine Institute mit größeren zusammengehen. "Jede Fusion bringt uns weiter nach oben“, sagt Vorstand Heinz-Egon Behn (54). Er führt gemeinsam mit Wolfgang Mohr (60) die Bank, die samt Putzfrau sechs Mitarbeiter zählt, drei davon in Teilzeit.

Zwischen Freiwilliger Feuerwehr und Klempnermeister steht das unscheinbare kleine Gebäude der 106 Jahre alten Bank, die als einzigen "Luxus“ eine Kaffeemaschine ihr Eigen nennt. Oft sind es die Geschäftsführer selbst, die einem Kunden einen Hunderter auszahlen oder den Kontostand nennen. Einen Geldautomaten hat die Bank nicht zu bieten und einen Kontoauszugsdrucker auch nicht, dafür öffnet sie morgens schon um 7.30 Uhr, zum Beispiel für den Bauern, der zwischen Melken und Frühstück noch rasch eine Überweisung fertigmachen kann. Immerhin 50 bis 70 Kunden schauen täglich rein.

+++ Wir sind die kleinste Volksbank +++

"Wir kennen jeden unserer rund 1000 Kunden“, berichtet Behn. 358 davon sind auch Mitglieder der Genossenschaftsbank. Sie verlangen von ihrer Bank Verlässlichkeit statt Zockerei und wollen das Anlage-Produkt verstehen, in das ihr Geld fließt. "Eine Bank unserer Größe ist nicht zum Zocken da, sondern tut, was für sie kalkulierbar und überschaubar ist“, sagt Behn. "Unsere Haltung gegenüber den Kunden und uns selbst ist konservativ“, betont Mohr. "Wir schwatzen niemandem ein Produkt auf.“

Das heißt auch, dass die Raiffeisenbank Struvenhütten niedrigere Zinsen zahlt als eine Direktbank. Aber immerhin fünf Prozent Dividende konnte sie für 2010 ausschütten. "Die Mitglieder erwarten das auch“, sagt Mohr, der seit 29 Jahren als Geschäftsführer amtiert. Kollege Behn ist dagegen mit zehn Jahren noch geradezu ein "Frischling“.

Die Mitglieder wollen auch, dass ihre Bank selbstständig bleibt. Über deren Kurs wacht in der Gemeinde bei Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) ein Aufsichtsrat mit einem Malermeister als Vorsitzenden. Auch ein Landwirt, ein Molkereimeister und ein Kälteanlagenbaumeister sind in dem Gremium vertreten. Es hat für 2010 einen Jahresabschluss abgesegnet, dessen Zahlen eine Kontinuität verheißen, als hätte es die Berg- und Talfahrt auf den internationalen Finanzmärkten nicht gegeben. Die Bilanzsumme wuchs seit 2006 stetig von 10,7 auf 13,7 Millionen Euro (Durchschnitt aller VR-Banken: 621 Millionen), der Jahresüberschuss von 42.000 auf 56.000 Euro.

"Wir schreiben immer schwarze Zahlen und haben noch nie einen Dritten gebraucht, der uns eine Finanzspritze geben musste“, führt Behn aus. Kredite nehmen vor allem Arbeitnehmer auf, gefolgt von Handwerkern, Dienstleistern und Landwirten. Viele Kunden sind seit 10, 20 oder auch 30 Jahren und mehr dabei. "Vom Taschengeldkonto bis zur Rente, von der Wiege bis zur Bahre begleiten wir sie“, sagt Behn. Beständigkeit ist Trumpf: Die Raiffeisenbank Struvenhütten hat weder während der Euphorie um die New Economy um die Jahrhundertwende noch nach der Finanzkrise ab 2008 große Ausschläge nach unten oder oben verzeichnet. "Unsere Kunden vertrauen uns“, sagt Behn. "In einer Krise wie dieser kommen sie natürlich auch und fragen, ob ihr Geld noch sicher ist“, ergänzt Kollege Mohr.

Wie lange sich die Minibank von Struvenhütten noch als Einzelkämpferin in einer von massivem Streben nach Größe dominierten Finanzwelt behaupten kann, wissen auch ihre Vorstände nicht. "Ob eine Bank die Vorgaben aus der Satzung und ihre gesetzlichen Pflichten mit einer Bilanzsumme von 14 Millionen oder 14 Milliarden erfüllt, ist nicht entscheidend“, sagt Behn. Sorgen und viel Arbeit bereiten ihm allerdings die Auflagen der EU, die mit der Finanzkrise im Hinblick auf Beratung, Verbraucherschutz und Dokumentationspflichten noch einmal stark zugenommen hätten. "Bei diesen Auflagen hat man immer nur die Großen im Blick und uns Kleine überhaupt nicht“, sagt Behn. Über Fusionen müsse man da schon nachdenken. Konkrete Pläne dafür gebe es aber nicht.

Für eine kleine Bank wie die in Struvenhütten hieße Fusion letztlich nichts Anderes als Übernahme durch eine größere. "Und das bedeutet Verlust des eigenen Handelns, der Kundennähe und der Identität“, sagt Behn. Er würde seine Bank lieber weiterhin am Ende der Rangliste sehen als gar nicht mehr. (dpa)