Wedel

Leinen los: Der Wedeler Kulturdampfer „Batavia“ legt ab

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Kitty Haug
Hannes Grabau im Zuschauerraum unter Deck seines Theaterschiffs „Batavia“. Nun darf auch Publikum wieder Platz nehmen.

Hannes Grabau im Zuschauerraum unter Deck seines Theaterschiffs „Batavia“. Nun darf auch Publikum wieder Platz nehmen.

Foto: Maike Schade

Regierung gibt das Unterdeck des Theaterschiffs wieder frei. Welche Veranstaltungen jetzt geplant sind.

Wedel.  17 Monate hat der Spielbetrieb im Unterdeck des Theaterschiffs „Batavia“ an der Wedeler Au geruht. Nun ist alles wieder klar Schiff. „Es geht endlich wieder los“, sagt Kultur-Kapitän und Inhaber des Schiffes Hannes Grabau. Er freut sich. Die weißen Schutzhüllen auf den roten Theatersitzen – „die sahen aus wie Leichentücher – sind verstaut. Die neue Be- und Entlüftungsanlage kann an den Start gehen und Zuschauern während der Vorstellungen „frische Marschluft um Nase und Ohren plüstern“, wie Grabau es formuliert.

Das Programm, das das Theaterschiff nun präsentiert, lässt kaum Wünsche zur Vielfalt offen. Neben Kabarettshows, Konzerten und Kindertheater stehen auch Lesungen und Feste auf dem Spielplan – vor allem auch wieder drinnen.

Shows, Konzerte und Theater können wieder drinnen stattfinden

Der Vorhang zur neuen Spielsaison hebt sich erstmals am Sonnabend, 25. September, wenn die Münchner Kabarettistin Angelika Beier in ihrem Solo-Theater-Comedy-Stück „Zwischen Sex und 60“ von 19.30 Uhr an zahlreiche Köstlich- und Peinlichkeiten unterschiedlicher Frauenfiguren mit grundverschiedenen Persönlichkeiten serviert (wir berichteten).

Bereits einen Tag später stehen Pippi Langstrumpfs Abenteuer auf dem Programm. Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf, von ihren Freunden einfach Pippi genannt, ist das stärkste Mädchen der Welt, lässt sich nichts gefallen und hat immer tolle Ideen, die sie um 16 Uhr auf der Open-Air-Bühne präsentiert. Und auch bei schlechtem Wetter hat Pippi einen Rat – dann wird einfach unter Deck gespielt. Nichts einfacher als das, denn jetzt ist es möglich.

Legendäres Oktoberfest mit Weißwurst und Oldies aus den 60er-Jahren

Während am Mittwoch und Donnerstag, 29. und 30. September, der Biergarten, das Lidodeck, das Zelt und die Kneipe öffnen und die Crew Gäste mit Getränken und Leckerein aus der Kombüse verwöhnt, steigt am Folgetag das Oktoberfest. Die Party ist einzigartig im Kreis Pinneberg, sie ist legendär und wird auf dem historischen Kahn seit mehr als 40 Jahren gefeiert. Im geheizten Bierzelt mit Oktoberfestbier, Weißwurst, Radi und Brezeln sorgt die Hamburger Band Reginas Racy Rocker mit Songs aus den 50er- und 60er-Jahren für Stimmung. Das Fest beginnt um 19.30 Uhr, der Eintritt kostet 15 Euro.

Corona hatte Theater und Kneipe an Bord lahmgelegt. Und so nutze Grabau den Lockdown, um sein Buch „Logbuch 1“ zu Papier zu bringen. In 35 kurzweiligen Kapiteln beschreibt der 81-Jährige die vielen Geschichten aus seinen ersten Jahren mit dem Schiff. Nach coronabedingten Online-Lesungen wird Grabau am Freitag, 29. Oktober, um 19.30 Uhr sein Werk persönlich auch an Bord vorstellen. „Logbuch II“ ist schon in Arbeit, darin soll es um die Künstler gehen, die bei ihm auftraten wie beispielsweise Tony Sheridan und Udo Lindenberg. Auszüge daraus wird es ebenfalls geben. Der Eintritt ist frei.

Komiker Bernd Lafrenz präsentiert Shakespeare

Frei-komisch nach Shakespeare geht es dann am Freitag, 5. November, zu, wenn Multi-Mime Bernd Lafrenz in der Verwechslungskomödie „Der Widerspenstigen Zähmung“ in mehr als zehn Männer- und Frauenrollen schlüpft. Als geniale Ein-Mann-Show bringt der Vollblut-Schauspieler den ewigen Kampf der Geschlechter am Mittwoch, 16. November, auf die Bühne.

Leichte Unterhaltung versprechen die Konzerte der Irish Pub Rovers (13. November, 19.30 Uhr), der irischen Partyband Hot Asphalt aus Hamburg (19. November, 19.20 Uhr) und des Musikers Michael Kühl, der Songs der Liedermacher Hannes Wader und Reinhard Mey präsentiert (27. November, 19.30 Uhr).

Trotz aller Probleme hat Grabau nie den Mut verloren

Finanzielle Hilfe vom Staat hat Grabau während des Lockdowns nicht erhalten. Das Schiff ist ein privates Theater und Kneipe zugleich, gilt als Mischbetrieb, für das das Kulturministerium kein Geld zur Verfügung stellt. Um dennoch irgendwie über die Runden zu kommen, hat sich das Team viele neue Ideen vor allem für den Frischluft-Betrieb ausgedacht, denn die Kosten für die Instandhaltung des Schiffes, des Lagers und der Werkstatt sind hoch. All die Zeit blieb der Kultur-Kapitän optimistisch, denn „wir sind mit dem Biergarten und den Outdoor-Veranstaltungen relativ gut durch die Zeit gekommen. Jetzt müssen wir aber wieder Geld verdienen“ erklärt Grabau.

Die Möglichkeit der Kurzarbeit habe geholfen, sodass der ideenreiche Inhaber niemanden entlassen musste. „Die würde ich doch dann jetzt vermissen“, sagt er und schmunzelt. Die Zeit des Lockdown nutze Grabau auch für Renovierungsarbeiten. Jeden Tag waren Handwerker an Bord, während Kapitän Grabau nach dem Rechten sah und kräftig mit anpackte.

Auf, im und um das Schiff herum gilt die 3G-Regelung. Auf Abstands- und Maskenregelungen wird verzichtet. Eine Kartenreservierung ist telefonisch möglich unter der Nummer: 04103/858 36 und online unter www.batavia.de.

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