Sandmännchen

Pittiplatsch kommt in Wedel ganz groß raus

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Marie Birmanns
Ein exklusiver Blick ins Studio in Wedel. Dort lässt der Rundfunk Berlin-Brandenburg gerade 13 neue Pittiplatsch-Folgen drehen.

Ein exklusiver Blick ins Studio in Wedel. Dort lässt der Rundfunk Berlin-Brandenburg gerade 13 neue Pittiplatsch-Folgen drehen.

Foto: rbb/TRIKK17/ Christian Merten

60 Jahre nach ihrem ersten Auftritt kehrt die Ikone des DDR-Kinderfernsehens zurück auf den Bildschirm. Die Details.

Wedel. „Ach du meine Nase“, ruft er gern und oft. Ist frech, hat einen weißen Wuschel auf dem Kopf und spricht von sich in der dritten Person. Die Rede ist von Pittiplatsch, einer Art Kobold. Einer Ikone des DDR-Fernsehens, geliebt von Kindern im Osten wie im Westen und später im wiedervereinten Deutschland. Am 17. Juni 1962 ist Pittiplatsch erstmals in der Sendung „Sandmännchen“ des Deutschen Fernsehfunks über die Mattscheiben geflimmert. Zum 60. Geburtstags der Kultfigur lässt der Rundfunk Berlin-Brandeburg (RBB) nun 13 neue Folgen drehen – in Wedel.

Sandmännchen-Folgen mit Pittiplatsch werden in Wedel gedreht

Die Woodland Studios nahe der Hamburger Stadtgrenze sind der Ort, an dem die Geschichten mit Pittiplatsch und seinen Freunden Schnatterinchen und Moppi – beide seit 1976 dabei – weitererzählt werden. „Ich finde es super, dass diese Episoden jetzt weiterproduziert werden“, sagt Norbert Ziesemer, Studioleiter der Woodland Studios. Das Unternehmen am Waldrand hat vier Studios. In zweien davon – eines ist 300 Quadratmeter groß, das andere 150 – entstehen in diesen Tagen die neuen Folgen. Dort ist aus Kulissen Pittiplatschs fabelhafte Märchenwald-Welt entstanden. In gleich zwei Studios, weil der Kobold und seine Freunde auch verschiedene Hintergründe benötigen.

Bis zum 16. September sollen alle Folgen im Kasten sein. Etwa eine Episode pro Drehtag schafft das Team, fertig produziert wird sie dann sieben Minuten dauern. 30 Menschen – Kameraleute, Tontechniker, Aufnahmeleiter, Requisiteure und nicht zuletzt echte Schauspieler, die den Figuren ihre Stimme leihen – sind im Einsatz. In den neuen Folgen geht es unter anderem um einen „Pitti Song Contest“, bei dem am Ende alle feststellen, dass zusammen zu singen mehr Spaß macht als ein Wettbewerb. Und vor seinem Geburtstag hofft Pittiplatsch, nichts Rundes, Rotes oder Eckiges geschenkt zu bekommen.

Mehr als 500 Geschichten mit Pittiplatsch

Laut RBB waren bis zum Jahr 1991 mehr als 500 Abendgrußgeschichten rund um Pittiplatsch und seine Freunde produziert worden. Nach 28 Jahren Pause ging es erst im Jahr 2019 weiter, seinerzeit anlässlich des 60. Geburtstags der Sendereihe „Sandmännchen“. Die Puppen von einst aber existierten nicht mehr.

Der Puppenbauer Norman Schneider aus Sassenberg bei Bielefeld hat deshalb in mehrmonatiger Arbeit für das Comeback neue angefertigt. „Natürlich sollte man in ihnen auch noch die alten erkennen können, aber wir haben sie schon an die heutige Zeit angepasst“, sagt Nina Paysen, RBB-Redakteurin im Ressort Familie und Kinder. Und sei es nur technisch. Die Pittiplatsch-Puppe habe beispielsweise einen kleinen Mund, den der Puppenspieler „quasi per Knopfdruck“ öffnen und schließen könne, um Sprechbewegungen nachzuahmen, sagt Paysen.

Manche Szenen müssen zehnmal gedreht werden

Die Schauspieler geben den Figuren nämlich schon während des Puppenspiels ihre Stimmen. Christian Sengewald ist Pittiplatsch, Susi Claus spricht das Schnatterinchen und Martin Paas gibt den Moppi. Manche Szenen „flutschen schnell durch“, wie Nina Paysen sagt, andere benötigten teilweise bis zu zehn Wiederholungen. „Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Puppe der anderen etwas reichen soll. Das gestaltet sich dann etwas schwieriger und braucht mehr Takes“, sagt die RBB-Redakteurin, die gebürtig aus Itzehoe kommt. Zwei Kameras seien im Einsatz – eine für Nah- und eine für Fernaufnahmen.

„Ich glaube, das ,Sandmännchen‘ ist eines der meistgesehenen Kinderformate in Deutschland. Dass unser Studio fürs Sandmännchen produziert, ist einfach schön“, sagt Björn Magsig, einer der Geschäftsführer der Produktionsgesellschaft Trikk17; die Woodland Studios, für eigene spektakuläre Film- und Werbeproduktionen bekannt (wir berichteten), stellen hier vor allem die Räumlichkeiten. Trikk17 in Hamburg-Eimsbüttel, 2001 gegründet, ist vor allem auf Animationstrickfilme spezialisiert, seit einigen Jahren auch Puppentrickfilme.

Neue Folgen ab 17. Juni im TV zu sehen

Wie es in der heutigen Zeit um Animationsfilme steht? „Animation in Deutschland ist eine Herausforderung. Man muss sich ihr stellen wollen“, beschreibt Geschäftsführer Björn Magsig die aktuelle Situation und weist auf die deutsche Filmwirtschaft hin, die generell nicht so „üppig“ sei wie in manchen anderen Ländern. Geld für große Projekte zu generieren sei schwierig. Da habe man es mit Auftragsproduktionen wie der fürs „Sandmännchen“ deutlich einfacher. Denn der Auftraggeber, in diesem Fall der RBB, finanziert die Produktion des „Sandmännchens“ vollständig.

Ab dem 17. Juni 2022 sind die neuen Folgen dann im Kika sowie im RBB- und MDR-Fernsehen zu sehen.

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