Verkehr

Klimaschutz: So treibt Wedel die Mobilitätswende voran

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Marie Birmanns
Parkplätze für Autos sollen zu Radwegen umgebaut werden (Symbolfoto).

Parkplätze für Autos sollen zu Radwegen umgebaut werden (Symbolfoto).

Foto: Wolfram Steinberg / dpa

Weniger Autos, mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger. Parkplätze sollen zu Radwegen umgebaut werden. Bürger können mitreden.

Wedel. Wer schon einmal zu Fuß oder mit dem Rad auf der Mühlenstraße in Wedel unterwegs gewesen ist, der weiß: Das macht wenig Freude. Auf der Trasse, die sich durch die Altstadt windet, dominiert der Autoverkehr. Die Fahrbahn zu überqueren ist gar nicht so einfach.

Dabei ist die Mühlenstraße nur einer von mehreren neuralgischen Punkten, an denen sich in Zukunft etwas ändern soll. Mehr Gleichberechtigung lautet das Stichwort, gleiches Recht für alle Verkehrsteilnehmer. Und das bedeutet konkret: weniger Autos.

Wedeler dürfen Mobilitätswende mitplanen

Dafür sollen es die unmotorisierten Verkehrsteilnehmer komfortable haben. Die Stadt arbeitet gerade an einem Mobilitätskonzept, in dessen Ausgestaltung auch die Bürger und Bürgerinnen einbezogen werden sollen.

Dazu organisiert die Verwaltung gemeinsam mit dem Wedeler Institut Raum & Energie und der Firma Argus aus Hamburg zwei sogenannte Planungswerkstätten, zu denen sich die Wedeler anmelden können. Die angesetzten Termine sind Dienstag, 21. September, und Mittwoch, 27. Oktober.

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Bei einem Thema herrscht bislang große Einigkeit: Der Autoverkehr in Wedel müsse im wahrsten Sinne des Wortes zurückgefahren werden. „Man wird sich auch künftig mit dem Auto fortbewegen, das ist unumgänglich.

Weniger Autos, mehr Platz für Radler und Fußgänger

Wir müssen aber mehr und vor allem verbesserte Wege für Radfahrer und Fußgänger schaffen, auch angesichts des Klimawandels“, sagt Wedels Mobilitätsmanagerin Janne Pöppelmann. Dafür müsse auch geprüft werden, an welchen Stellen beispielsweise Parkplätze zurückgebaut werden könnten, um sie durch Radwege zu ersetzen.

Die Planung des neuen Verkehrskonzepts hat bereits im vergangenen Herbst mit einer Online-Umfrage für die Bürger begonnen. An der nahmen in drei Wochen rund 1000 Menschen aus der Stadt teil. Sie konnten auswählen, ob sie mit dem Fahrrad, dem Auto oder zu Fuß unterwegs sind, und die Orte auf einem Stadtplan anklicken, die sie als Verkehrsteilnehmer problematisch finden.

„Wedel möchte seinen Verkehr neu aufstellen. Dafür brauchen wir die Anforderungen und Wünsche der Bürger und Bürgerinnen und beziehen sie fest in die Planung mit ein“, sagt Janne Pöppelmann.

Mühlenstraße zur 30er-Zone machen?

Das Ergebnis der Onlinebefragung zeigt die Wedeler Verkehrsbrennpunkte: Es sind die Schulauer Straße, die Bahnhofstraße, der Tinsdaler Weg, das Viertel am Elbhochufer und eben die Mühlenstraße. Gerade Letztere sei eine unendliche Geschichte, also eine bekannte Problemstelle in Wedel, sagt Katrin Fahrenkrug, Geschäftsführerin des Instituts Raum & Energie.

Die stark befahrene Bundesstraße führe „mitten durchs Herz von Wedel“, ergänzt Janne Pöppelmann, was es für Radfahrer und Fußgänger besonders schwierig mache, dort zu verkehren. Eine Überlegung sei, die Mühlenstraße zu einer Tempo-30-Zone zu machen.

Anknüpfend an die Umfrage gab es im April dieses Jahres ein Bürgerforum, an dem rund 100 Wedelerinnen und Wedeler digital teilnahmen. Dabei sprachen sie gemeinsam mit Fachleuten der Stadt und des Instituts Raum & Energie über die Verkehrshotspots und mögliche Lösungen. Nicht nur strategisch, sondern jetzt auch konkret soll es bei den Planungswerkstätten zugehen. Die Themen dafür stehen schon fest: die genannten Hotspot-Straßen, der Fußverkehr am Elbhochufer, Straßennetzunterbrechungen am Beispiel nördliche Altstadt, Ausdehnung von Tempo 30 und die Entwicklung des Öffentlichen Personennahverkehrs.

Anmeldung für Planungswerkstätten läuft

Nach den Treffen sollen kurz-, mittel- und langfristige Mobilitätskonzepte stehen. Was die Finanzierung angeht, muss die Stadt auf Förderpartner wie etwa die Aktivregion Pinneberger Marsch & Geest setzen. Die unterstützt bereits das Wedeler Mobilitätskonzept. Weil Wedel zurzeit hoch verschuldet ist, muss die Stadt zunächst solche Projekte ins Auge fassen, die am besten gefördert werden können. Dazu zählen neue Velorouten.

Was der Stadt in dieser Situation gerade fehle, sei die Stimme der Jüngeren, sagt Wedels Pressesprecher Sven Kamin. „Wir planen eine Zukunft für die jüngere Generation. Daher ist es wichtig, dass sie sich auch beteiligt, bei den Planungswerkstätten beispielsweise“, so Kamin weiter. Ein Senior habe ganz andere Ansprüche an den Verkehr als Eltern oder Teenager.

Wer sich für die Planungswerkstätten anmelden möchte, kann dies bis zum 14. September online über www.wedel-mobil.de machen. Etwa 50 Bürger und Bürgerinnen können teilnehmen. Der Ort für die Planungstreffen ist die Gebrüder-Humboldt-Schule am Rosengarten. Von 18 bis 21 Uhr diskutieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dort mit den Mobilitätsexperten aus dem Rathaus, den Vertretern der Planungsbüros, und dem Mitgliedern der Beiräte für Jugend, Senioren und Umwelt. Vorkenntnisse sind übrigens nicht nötig. Es gilt die 3G-Regeln.

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