Wedel

Der Seeadler – unerreichbar für den Menschen

| Lesedauer: 3 Minuten
Sophie Masuch
Rolf Pommerening, Abschnittsleitung (Wedel bis Krückausperrwerk) des LKN, Edelgard Heim, Leiterin des Elbmarschenhauses in Haseldorf und Andreas Fischer, Leiter des Baubetriebs 4 beim LKN (Wedel bis Friedrichskoog) an der Spannweitenmess-Station des Elbmarschenhauses am Sperrwerk in Wedel

Rolf Pommerening, Abschnittsleitung (Wedel bis Krückausperrwerk) des LKN, Edelgard Heim, Leiterin des Elbmarschenhauses in Haseldorf und Andreas Fischer, Leiter des Baubetriebs 4 beim LKN (Wedel bis Friedrichskoog) an der Spannweitenmess-Station des Elbmarschenhauses am Sperrwerk in Wedel

Foto: Sophie Masuch

Elbmarschenhaus informiert auf alten Sperrwerkstoren hinterm Deich über Flügelspannweiten mehrerer Vögel.

Wedel.  Keine menschliche Armlänge kommt auf die Flügelspannweite eines Seeadlers. „Die Dimensionen dieser Vögel kann man sich gar nicht vorstellen, wenn man sie am Himmel kreisen sieht“, sagt Edelgard Heim, Leiterin des Elbmarschenhauses in Haseldorf. Sie steht nahe dem Wedeler Sperrwerk vor einer Informationstafel, auf der die Spannweiten unterschiedlicher regionaler Greifvögel abgebildet sind. Der Seeadler bringt es auf stolze 2,50 Meter.

Gar nicht weit von hier, in der Wedeler Marsch, könne man die Vögel mit eigenen Augen beobachten, sagt Andreas Fischer, der beim Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN) arbeitet. Die Informationstafel ist an einem mächtigen Holztor aus Bongossi, einem seltenen Tropenholz, angebracht – an einem der alten Sperrwerkstore, die kürzlich durch neue aus Stahl ersetzt worden sind.

Insbesondere Kinder können am Deich spielerisch lernen

Vor der Tafel sind, in für Kinder greifbarer Höhe, zwei bewegliche, an Drahtseilen aufgespannte Holzstäbe befestigt. Wer sie auseinanderschiebt, soweit die eigenen Arme reichen, kann die eigene „Spannweite“ mit der dreier heimischer Arten vergleichen: dem Turmfalken, dem Mäusebussard und eben dem Seeadler. Insbesondere Kinder können spielerisch viel über die Vögel erfahren dort hinterm Deich.

Der wurde bis Ende der 70er-Jahre gebaut, das Sperrwerk zur Wedeler Au entstand zu Beginn jenes Jahrzehnts. Es dient bis heute dem Hochwasserschutz sowie der Entwässerung des Hinterlandes, um dort die landwirtschaftliche Nutzung zu ermöglichen. Heute werde das Land hinter dem Deich jedoch nur noch für extensive Landwirtschaft genutzt, sagt Edelgard Heim, es befinde sich in der europäischen Schutzkategorie.

Eine besondere Flora und Fauna ist in den seichten Flachwasserzonen anzufinden, selbst Wiesen, auf denen die seltene Schachbrettblume wächst, gibt es dort. Die Flachwasserzonen und Auen locken außerdem seltene Wattvögel mit einem reichhaltigen Nahrungsangebot sowie vielen Möglichkeiten, zu nisten und zu brüten.

Sperrwerke bei Wedel wurden komplett saniert

Nachdem einige Mängel an der Technik festgestellt worden waren, wurde das Sperrwerk komplett saniert. Die Sperrwerkswände wurden nachverankert. Parallel wurden die ursprünglich hölzernen Stemmtorpaare durch Stahltore ersetzt. Im Zuge dieser baulichen Maßnahme beschloss der LKN in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), dem Sperrwerk eine attraktive touristische Komponente zu verleihen.

Die ausgedienten, ursprünglich acht Meter langen Holztore wurden um drei Meter gekürzt, sie stehen nun circa 500 Meter vom Sperrwerk entfernt, mit den Informationstafeln versehen, zweieinhalb Meter tief im Boden verankert. Das ganze Projekt hat circa 8000 Euro gekostet. „Genau so viel, als wenn man die Dinger entsorgt hätte“, bemerkt LKN-Mitarbeiter Andreas Fischer. Die Kosten wurden vom der BUND-Kreisgruppe und vom Land getragen.

Und die Tafeln bieten mehr als nur die Möglichkeit, die Flügelspannweite des Seeadlers nachzuempfinden. Auch Informationen zum Küstenschutz sowie zum Nationalpark Wattenmeer sind darauf zu lesen. In naher Zukunft wird noch eine weitere Tafel angebracht werden, die das Elbmarschenhaus sowie die Nabu-Vogelstation Wedeler Marsch vorstellt, zwei attraktive Ausflugsziele in der Nachbarschaft. Die Vogelstation liegt 30 Minuten zu Fuß entfernt in der Wedeler Marsch. Der Nabu hat das Gebiet, eine ehemalige Kleientnahmestelle für den Deichbau, seit 25 Jahren gepachtet.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wedel