Kreis Pinneberg

Pharmakonzern will spektakuläres Hochhaus in Wedel bauen

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Keno Fiedler
Zwölf Stockwerke hoch, Platz für 424 Beschäftigte: das geplante Medac-Hochhaus aus verschiedenen Perspektiven.l

Zwölf Stockwerke hoch, Platz für 424 Beschäftigte: das geplante Medac-Hochhaus aus verschiedenen Perspektiven.l

Foto: Architekten PSP / medac

Medac plant auf dem Theaterparkplatz ein zwölfstöckiges Bürogebäude. Die Wedeler Politik ist überwiegend angetan.

Wedel.  Wächst auf dem Theaterparkplatz in Wedel eines der höchsten Gebäude der Stadt empor? Wenn es nach dem Pharmakonzern Medac und dem Architektenbüro PSP geht, dann könnte solch ein Hochhaus tatsächlich bald Wirklichkeit werden. Medac ist seit mehr als 20 Jahren dem Standort Wedel fest verbunden.

Medac bewirbt sich für den Theaterplatz

Und auch mit dem Theaterparkplatz: Gleich nebenan hat die Firma eine Niederlassung für Forschung und Labore sowie einen Bürokomplex. Die Lage der Fläche ist gut, ihr Zustand aber nicht. Der Parkplatz ist weitgehend unbefestigt und von Schlaglöchern übersät. Und dennoch: In der Vergangenheit habe es immer wieder Anfragen von Investoren gegeben, sagt Gisela Sinz, die Fachbereichsleiterin der Stadt Wedel für Bauen und Umwelt. Denn der Parkplatz liegt mitten im Zentrum, direkt neben dem S-Bahnhof.

Wie schon einmal – vor mehr als einem Jahrzehnt – hat die Medac jetzt bei der Stadt um den Theaterparkplatz geworben. Ihr Bebauungskonzept dafür präsentierte sie am Dienstagabend den Mitgliedern des Planungsausschusses. Angedacht ist ein Verwaltungsgebäude mit 800 Quadratmeter Grundfläche und zwölf oberirdischen Stockwerken.

In einer Tiefgarage sollen außerdem auf viereinhalb Geschossen Parkplätze entstehen. Damit könnten die Architekten, laut eigener Aussage, alle bisherigen öffentlichen Stellflächen erhalten. Das Unternehmen will auf lange Sicht 424 Arbeitsplätze in dem Gebäude schaffen. „Wir wollen weiterwachsen und brauchen Perspektiven“, sagte Medac-CEO Jörg Hans vor dem Planungsausschuss. Mittlerweile habe Medac sieben verschiedene Standorte, jetzt solle verdichtet werden, da die Zusammenarbeit sonst kompliziert werde. In ihrem Bauvorhaben sieht die Firma nicht zuletzt ein Bekenntnis zum langjährigen Standort Wedel.

Modernes Hochhaus soll „sich zur Stadt hin öffnen“

In seiner Präsentation skizzierte der zuständige Architekt von PSP, Christoph Bösch, seine persönliche Vision für den Theaterparkplatz: Ein „sehr spannendes Grundstück“ sei das, aber zurzeit sei der Platz noch „sehr wild“. PSP sei es deshalb wichtig gewesen, bei dem Projekt an einen städtebaulichen Raum zu denken. Man wolle so wenig Grundfläche wie möglich versiegeln und den Platz aufwerten.

Das betrifft auch das Gebäude selbst: Damit sich der Komplex besser ins Stadtbild einfügt, haben die Architekten ihn nach oben hin verjüngt. Die höher liegenden Geschosse sind entsprechend kleiner und jeweils seitlich angeschrägt. „Eine Formsprache entwickeln“, nennt Bösch diesen Prozess. Er möchte, dass sich das Hochhaus zur Stadt hin öffnet. Diese Formsprache ist mehr als nur Symbolik: Allgemein möchten die Zuständigen von Medac und PSP die Fläche des Theaterparkplatzes auch städtebaulich ins Zentrum Wedels integrieren. Für die Stadt sieht Bösch dabei nur Vorteile.

Politiker angetan von den Medac-Plänen

In diesem Punkt scheint er mit den meisten Fraktionsvertretern im Planungsausschuss auf einer Wellenlänge zu liegen: Die Resonanz auf seine Vorstellung ist teilweise überschwänglich. Zwar ist noch nichts beschlossen, doch Martin Schumacher von der FDP sieht bereits „die Dominante der City“ in der Entstehung. Er gratulierte der Medac „für ihren großen Wurf“ und bescheinigte dem Projekt, ungeheuer gut in die aktuelle Zeit zu passen. Auch Jörg Keller, Ratsherr der Wedeler CDU, meinte: „Je schneller es losgeht, desto besser.“ Das Vorhaben zeige, dass Wedel auch mal ein kleines Hochhaus bauen könne.

Verhaltene Kritik kam von der SPD. Ihr Vertreter Manfred Eichhorn erinnerte daran, dass bisherige Ideen für den Theaterparkplatz auch deshalb abgelehnt worden seien, weil die Möglichkeiten der Beeinflussung durch den Ausschuss relativ gering gewesen seien. Und nach Eichhorns Meinung liege nun erneut ein Vorschlag vor, der von außen entwickelt worden sei. Dennoch zeigte auch er sich „sehr interessiert, die Medac in Wedel zu halten“. Dafür müsse man „im Zweifel Kröten schlucken“.

Was wird aus dem Theatergebäude?

Und noch eine weitere Frage steht im Raum: die nach dem Erhalt des Theatergebäudes. Der ehemalige Stadtwerke-Bau wurde Anfang des letzten Jahrhunderts errichtet, und sein Erscheinungsbild ist geprägt von diversen Umbauten. Konsens sei, das Theater zu erhalten oder zu sanieren, fasste die Fachbereichsleiterin Gisela Sinz die Ergebnisse vorheriger Workshops zusammen. Ja, das Theater solle erhalten bleiben, bekräftigte auch Eichhorn. Aber das Gebäude ebenfalls? Der SPD-Politiker brachte eine andere Lösung ins Spiel: Er schlägt vor, das alte Haus abzureißen und das Theater stattdessen in den Neubau der Medac zu integrieren.

Auch Olaf Wuttke von den Wedeler Grünen fragte sich: Wird das Gebäude komplett privat, also abgeschlossen für die Öffentlichkeit sein? Dazu scheint es bei der Medac noch keinen klaren Kurs zu geben. Überlegungen zur Dritt- beziehungsweise Fremdnutzung seien noch nicht konkret, meinte CEO Jörg Hans gegenüber dem Planungsausschuss. Etwas Gestaltungsspielraum scheint es also für den Bau – der zunächst einmal nur ein Vorschlag bleibt – noch zu geben. Die Mitglieder des Planungsausschusses wollen sich zeitnah zu dem Vorschlag äußern. Vielleicht bekommt Wedel dann ein neues Hochhaus.

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