Kraftwerk Wedel

Ruß-Regen-Urteil: Grüne entsetzt über Verwaltungsgericht

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 Blick auf das Heizkraftwerk Wedel an der Elbe.

Blick auf das Heizkraftwerk Wedel an der Elbe.

Foto: Eckart Gienke / picture alliance/dpa

Urteil spricht von geringfügigen Partikelemissionen. „Hammer für alle Betroffenen“, sagt Petra Kärgel.

Wedel. Der Urteilsspruch des Verwaltungsgerichts Schleswig zum Kraftwerk Wedel löst bei den Grünen in Wedel „tiefes Entsetzen“ aus. „Das Urteil des Gerichts verdonnert unsere Bürger am Kraftwerk dazu, weiterhin im sauren Partikelregen des Kraftwerks zu leben. Ohne geringste Hoffnung auf Abhilfe“, sagt Petra Kärgel, Ortsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen Wedel. Sie war bei der Gerichtsverhandlung am Mittwoch vor Ort. Das Gericht hatte zwölf Klagen von Anwohnern gegen die Partikelemissionen aus dem Kraftwerk abgewiesen.

Auch die Grünen hatten sich dafür eingesetzt, dass die seit Jahren andauernden Partikelemissionen abgestellt werden. „Und nun dieses Urteil des Verwaltungsgerichts, das die Partikelregen aus dem Kraftwerk als nicht ätzend ansieht und diese als nichts mehr als eine normale Altagsverschmutzung betrachtet, so dass nicht einmal eine Belästigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz vorliegt. Der Hammer für alle Betroffenen und für uns alle in Wedel“, sagt sie.

Dokumentierte oder gutachterlich festgestellte Ätzschäden an Autos sowie die nachgewiesenen, extrem niedrigen pH-Werte der Partikel hätten das Verwaltungsgericht nicht überzeugt. Dass die Wärme Hamburg Ätzschäden in der Nachbarschaft des Kraftwerks regelmäßig reguliere, auch nicht. „Auch ein Gerichtsgutachten, das noch Reste eines Kraftwerkspartikels im Ätzloch einer Autolackierung und somit einen Zusammenhang mit den Kraftwerkspartikeln nachwies, veranlasste das Verwaltungsgericht nicht dazu, die Aussagekraft der Gutachten der Beklagten noch einmal hinterfragen zu wollen“, sagt Kärgel.

Beweisanträge der Anwältinnen der Bürgerinitiative der Kraftwerksgegner, die unabhängige Gerichtsgutachten forderten, wurden abgelehnt. „Mir ist schleierhaft, wie das Verwaltungsgericht eine Gesundheitsgefahr so einfach ausschließen konnte“, sagt sie. Dabei gäbe es auf der nur zum Teil von Vattenfall/Wärme Hamburg abgearbeiteten Liste für technische Lösungen noch ungenutzte Möglichkeiten wie Partikelfilter oder Vollauskleidung des Schornsteins, um den Partikelregen beizukommen. „Wir werden nicht locker lassen“, sagt sie.

( ade )

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