Kreis Pinneberg

Fahrradstadt Wedel? SPD fordert flächendeckend Tempo 30

| Lesedauer: 4 Minuten
Alexander Sulanke
Setzen sich für Tempo 30 in ganz Wedel ein: SPD-Fraktionsvize Wolfgang Rüdiger mit den beiden Parteivorsitzenden Claudia Wittburg und Lothar Barop.

Setzen sich für Tempo 30 in ganz Wedel ein: SPD-Fraktionsvize Wolfgang Rüdiger mit den beiden Parteivorsitzenden Claudia Wittburg und Lothar Barop.

Foto: SPD Wedel

Wedel soll für Radfahrer und Fußgänger attraktiver werden. Welche Regeln gelten könnten und wer das bezahlen soll – die Details.

Wedel. Tempo 30 flächendeckend im gesamten Stadtgebiet: Mit dieser Entschleunigungsoffensive zieht die Wedeler SPD nun in die politischen Gremien der Rolandstadt. Zudem plädieren die Sozialdemokraten für den Bau zweier neuer Fahrradrouten und wollen ein Kataster für alle Geh- und Radwege auf den Weg gebracht sehen, in dem Zustand und Sanierungsbedarf festgehalten werden.

„Wir wollen Wedel für Radfahrer attraktiver machen“, sagt die SPD-Vorsitzende Claudia Wittburg, „die sind momentan nämlich benachteiligt.“ Das Gesamtpaket dürfte grob geschätzt etliche Millionen Euro schwer sein, eine halbwegs verlässliche Kostenschätzung liegt noch nicht vor.

Tempo 30 in ganz Wedel: SPD hofft auf Fördergelder

Aber es gibt Hoffnung auf Fördergeld, meinen Wedels Sozialdemokraten. Anlass für diese Einschätzung sind Äußerungen des Bundesverkehrsministers Andreas Scheuer. Der CSU-Politiker hatte Ende April angekündigt, dass der Bund in den kommenden zwei Jahren knapp anderthalb Milliarden Euro in die Förderung des Radverkehrs investieren wolle. „Als ich das gehört habe, haben wir unseren Antrag formuliert“, sagt SPD-Fraktionsvize Wolfgang Rüdiger, der sich wünscht, dass Wedel möglichst viel abbekomme vom Fördergeld.

Konkret fasst seine Fraktion eine Verlängerung der von Hamburg kommenden Veloroute über die Landes- und Stadtgrenze hinaus in Richtung Wedeler Bahnhof ins Auge. Er soll auf der Trasse des Auweidenwegs unmittelbar nördlich der S-Bahn-Gleise verlaufen und so gestaltet werden, dass Radfahrer und Fußgänger jeweils eigene Bereiche haben.

Fahrradweg soll den Businesspark anbinden

Der zweite neue Radweg soll von der Rissener Straße nach Südosten in Richtung Industriestraße verlaufen. Zwischen dem Bauzentrum Lüchau und der Birkenweg-Siedlung existiert noch die Trasse der früheren Mobil-Oil-Werksbahn. „Das Gelände gehört der Stadt“, sagt Wolfgang Rüdiger, „das ist ideal für den Bau eines Radweges.“

Die bislang gemeinsam von Radlern und Fußgängern zu nutzenden Wege entlang der Industriestraße sollen auch dort für beide Nutzergruppen aufgeteilt werden. Dieser Strecke dürfte erhöhte Bedeutung zukommen, wenn in den Businesspark am südlichen Ende der Industriestraße Leben einzieht. Voraussetzung für alle Projekte soll nach dem Willen der Sozialdemokraten sein, dass aktuelle Förderprogramme berücksichtigt werden können.

Mit Förderfähigkeit nichts zu tun hat die Idee, den Verkehr in der ganzen Stadt auf Tempo 30 zu drosseln. Er passe aber ins Gesamtkonzept, den Fahrradverkehr zu fördern, so Parteichefin Wittburg. Sie hat sich den Verkehrssicherheitsbericht für das Jahr 2020 angesehen. Demnach ist die Zahl der Unfälle auf den Straßen der Stadt leicht gestiegen. „Diese Zahlen erschrecken mich sehr“, sagt Wittburg. „Eigentlich hätte der Verkehr doch ganz entspannt sein müssen, weil so viele Menschen im Homeoffice arbeiten.“

Tempolimit – aber mit zwei Ausnahmen

Wie genau das Tempolimit eingeführt werden könnte, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt, außerdem soll es zwei Ausnahmen geben: die B 431 von der Stadtgrenze bis zum Bahnhof und die Industriestraße. Das gesamte restliche Stadtgebiet kurzerhand zu einer Tempo-30-Zone machen, wollen die Sozialdemokraten nicht. In einer Tempo-30-Zone gilt nämlich grundsätzlich die Vorfahrtsregel rechts vor links, auch Ampeln sind nicht vorgesehen. Eine reguläre Geschwindigkeitsbegrenzung einzuführen, würde aber bedeuten, dass hinter jeder einzelnen Einmündung ein neues Verkehrsschild stehen müsste.

Fraktionsvize Rüdiger will nun schauen, wie es andere Städte machen. Er zieht eine Studienarbeit der Technischen Universität Hamburg-Harburg mit dem Titel „Tempo 30 als neue innerstädtische Regelgeschwindigkeit – Chance oder Gefahr für den ÖPNV“ heran, in der die Situation in ausgewählten europäischen Städten untersucht worden ist. Aus Deutschland ist Mainz dabei.

Das Land Niedersachsen arbeite an einer Studie mit sechs Modellstädten zur Einführung eines Tempolimits von 30 Kilometer pro Stunde, so Rüdiger, auch in großen Teilen Berlins und Münchens gelte die Regelung.

Fahrradstadt Wedel? Auch Fußwege sollen saniert werden

Bei alledem dürften die Fußgänger nicht vergessen werden, sagt der Wedeler SPD-Co-Vorsitzende Lothar Barop. Einige Bürgersteige in der Stadt seien in einem derart erbärmlichen Zustand, dass man auf der Fahrbahn gehen müsse, um das Risiko des Stolperns zu vermeiden. „Wenn in Wedel Straßen saniert werden, dann oft nur die Fahrbahnen“, sagt Barop.

Nun will die SPD ihren Antrag zunächst den anderen Ratsfraktionen zukommen lassen und ihn Anfang Juni in den städtischen Gremien offiziell vorstellen: am Dienstag, 1. Juni, im Planungsausschuss und am Donnerstag, 3. Juni, im Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschuss.

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