Wedel

Reepschlägerstraße bündelt Stoff für Kreativwettbewerb

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Das Gebäude des 1930 gegründeten Bierverlags von Karl Heinrich Behrmann.

Das Gebäude des 1930 gegründeten Bierverlags von Karl Heinrich Behrmann.

Foto: Stadtarciv Wedel / Stadtarchiv Wedel

Wedels Stadtarchivarin liefert Daten für sogenannten Hackathon – und ist gespannt, was computerverrückte Künstler daraus machen.

Wedel.  Sie hat sich radikal verändert, aber wohl kaum zum Positiven: die Wedeler Reepschlägerstraße. „Bauernhöfe und kleine, windschiefe Arbeiterhäuser sind Wohnblöcken gewichen. Das alte Straßenbild scheint bis auf das Reepschlägerhaus und das daneben befindliche Bierverlagsgebäude komplett verloren“, sagt Stadtarchivarin Anke Rannegger über dieses Stück Weg, das bis 1970 den Namen Hinterstraße trug. Ausgerechnet diese heute so gesichtslose, mit ihrer austauschbaren Bebauung so beliebig gewordene Wohnstraße ist jetzt der Beitrag der Stadt für ein digitales Kunstprojekt: einen Hackathon.

Einen was? Wedels Stadtsprecher Sven Kamin erklärt: „Bei einem Hackathon treffen sich kreative und technikbegeisterte Menschen aus unterschiedlichen Wissenschafts- und Kunstdisziplinen, um in einem konzentrierten Arbeitsprozess durch die Kombination ihrer Fachkenntnisse ein neues, begeisterndes Ergebnis zu entwickeln.“ Hackathon setze sich dabei aus den Worten Computer-Hacking und Marathon zusammen. Marathon deswegen, weil Hackathons oft ohne Unterbrechung über mehr als 24 Stunden laufen, um die Kreativität auch durch zum Beispiel intensive Diskussionen um vier Uhr morgens abseits von üblichen Arbeitsmustern anzukurbeln. Dieser, der den Namen Coding da Vinci trägt und der erste deutsche Hackathon für offene Kulturdaten ist, dauert sogar sieben Wochen. An diesem Wochenende gibt es eine digitale Einführungsveranstaltung. Teilnehmerinnen und Teilnehmer können aber auch noch zu einem späteren Zeitpunkt einsteigen.

Zurück zur Reepschlägerstraße. Stadtarchivarin Rannegger sagt: „Wir haben zahlreiche alte Fotografien und Straßenkarten, mit denen das alte Wedeler Stadtbild wieder auferstehen könnte.“ In welcher Form? Genau das ist die Frage, mit der sich die technikaffinen Kreativen bei dem Wettbewerb auseinandersetzen müssten. Denkbar wäre beispielsweise, Vergangenes digital so zu rekonstruieren, dass mithilfe der Virtual-Reality-Technologie ein Spaziergang durch das Wedel von einst möglich wäre. Eine andere Herangehensweise wäre, ein Computerspiel zu entwickeln. Die Möglichkeiten erscheinen grenzenlos.

Weitere Archive und Museen in Schleswig-Holstein stellen Aufzeichnungen und Bilder zur Verfügung. So ist es beispielsweise auch möglich, sich dem Schriftsteller Theodor Storm oder den historischen Handelsrouten anzunähern.

Nach der Einführungsveranstaltung haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sieben Wochen Zeit, um ihre Ideen umzusetzen. Alle Projekte sollen am Freitag, 11. Juni, im Schleswig-Holsteinischen Landtag präsentiert werden. Im Anschluss daran erfolgt die Siegerehrung.

Los geht es an diesem Sonnabend um 10 Uhr. Spannend wird es um 13.30 Uhr, wenn die Veranstalter alle zur Verfügung stehenden Daten vorstellen. Gegen 16.15 Uhr werden erste Ideen vorgestellt, eine Stunde später finden sich die Teams zusammen. Anmeldung unter codingdavinci.de/de.

( sul )

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