Kreis Pinneberg

Wedeler Geschäftsleute appellieren: Kauft lokal!

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Maike Schade
Auch Sabine Pröve von Blumen Jüttemeier macht bei der Aktion mit.

Auch Sabine Pröve von Blumen Jüttemeier macht bei der Aktion mit.

Wer bietet einen Abhol- und wer einen Lieferservice? Wer verkauft Gutscheine? Wo es alle Informationen auf einen Blick gibt.

Wedel. Die Lage für den stationären Handel in Wedel ist ernst, da die versprochenen Novemberhilfen des Bundes bislang nicht ausgezahlt wurden. Das sagt Marc Cybulski, Vorstandsvorsitzender von Wedel Marketing, und er fügt hinzu: „Gerade Kleinstunternehmen haben keine oder kaum Rücklagen.“ Zusammen mit den Kaufleuten Wedel startet Wedel Marketing deshalb eine Aktion, die Unterstützung bringen soll: Sie informieren breit über diverse Medien über Geschäfte, die trotz des aktuellen Shutdowns geöffnet haben und Waren per Abhol- oder Lieferservice anbieten.

Das seien überraschend viele, so Daniel Frigoni, Vorsitzender der Kaufleute Wedel. Insgesamt 55 Läden und Restaurants hätten sich schon bei ihnen gemeldet, die trotz der Corona-Einschränkungen ein Angebot aufrechterhalten, und es kämen gewiss noch weitere hinzu. „Da ist wirklich alles dabei, vom kleinen Modeladen bis zum Autohaus, vom Spielzeugladen bis zum Baumarkt. Tee- und Weinläden haben übrigens sogar regulär geöffnet, weil sie zu den Lebensmittelgeschäften zählen“, erklärt Juliane Andresen, Projektleiterin stationärer Handel von Wedel Marketing und den Kaufleuten.

Liste auch im Abendblatt

Ziel der Aktion, die unter dem Label „Lokalhelden“ läuft, sei es, dafür Aufmerksamkeit zu wecken – viele Wedeler wüssten wohl gar nicht, dass so viele Läden trotz des Shutdowns zumindest eingeschränkt geöffnet hätten, so Frigoni. So gebe es einige, bei denen telefonisch bestellt und die gewünschte Ware dann an der Ladentür abgeholt werden könne. Andere böten auch Online-Bestellung an, manche sogar mit Lieferservice. In einer Übersicht, die am Sonnabend, 16. Januar, unter anderem auf der Seite 15 des gedruckten Abendblattes sowie fortan auf wedel.de verfügbar sein wird, finden sich neben den Namen der Unternehmen das verfügbare Sortiment und ob es einen Abhol- oder Lieferservice oder auch einen Gutscheinverkauf gibt. Bewusst wende man sich an keine bestimmte Zielgruppe, alle Wedeler sollen erreicht werden – die, die im Netz unterwegs sind genauso wie diejenigen, die die Liste lieber „aus der Zeitung ausschneiden und an die Kühlschranktür hängen“, wie Frigoni es formuliert.

Er bittet dringend, von dem Angebot Gebrauch zu machen: „Bitte nicht im Netz bestellen, sondern vor Ort.“ Schon Kleinstbeträge würden enorm helfen, die Zeit bis zur Auszahlung der staatlichen Corona-Hilfen zu überbrücken, ergänzt Cybulski. Ein zusätzlicher, aus privaten Geldern finanzierter Hilfsfond, wie es ihn beim ersten Shutdown im Frühjahr gab, ist nicht geplant: „Es kommt ja ausreichend Unterstützung vom Staat“, so der Vorsitzende von Wedel Marketing. „Nur eben leider für viele zu spät.“

Einkaufsverhalten hat sich zu erstem Lockdown verändert

Das Einkaufsverhalten der Wedeler habe sich im Vergleich zum ersten Shutdown offenbar verändert, sagen Frigoni und Cybulski: Es werde viel weniger lokal, sondern wohl mehr online gekauft. Das Vorweihnachtsgeschäft sei zwar „stark“ gewesen, danach sei der Umsatz beim stationären Handel in Wedel aber flächendeckend mehr oder weniger komplett eingebrochen. „Noch nicht einmal das sonst übliche Umtauschgeschäft hat stattgefunden“, so Frigoni. Dabei böten viele Unternehmen auch Beratung an, entweder telefonisch oder sogar online beispielsweise über Videotelefonie.

Die aktuelle Aktion, für die die Kaufleute und Wedel Marketing etwa 10.000 Euro in die Hand nehmen, soll keine einmalige Angelegenheit sein, bekräftigen die Vereinsvorsitzenden. So werde die Liste der teilnehmenden Unternehmen fortlaufend aktualisiert, voraussichtlich mindestens am 23. Januar soll es ein Update geben. Außerdem ist im Rahmen des Projekts „Lokalhelden“ die Einführung eines Wedel-Gutscheins geplant: Ähnlich wie bei einem Gutschein für ein Einkaufszentrum, der dort in allen Läden eingelöst werden kann, soll es für Wedel „so breit wie möglich über alle Branchen“ digital zu erwerbende Gutscheine geben, die bei den teilnehmenden Unternehmen und Dienstleistern eingelöst werden können. Es sei alles fertig, sagt Cybulski, etwa 50 Läden und Dienstleister stünden auf der Liste. Losgehen soll es vermutlich im März oder April, wenn das Infektionsgeschehen es zulasse.

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