Wedel

Haus Pamir: Vom Schandfleck zum Sahnestück

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Maike Schade
Blick über den Schulauer Hafen auf den Strandweg: So wie auf dieser Visualisierung soll es dort schon Ende 2023 aussehen.

Blick über den Schulauer Hafen auf den Strandweg: So wie auf dieser Visualisierung soll es dort schon Ende 2023 aussehen.

Foto: Rehder Wohnungsbau

Bebauungsplan für das sogenannte Treppenviertel in Wedel ist vorgestellt worden. Wie sich das Quartier wandeln soll.

Wedel.  Es ist ein Schandfleck am Strandweg: Das Haus Pamir an der Ecke zur Hafenstraße . Doch nicht mehr lange. Auf dem Gelände soll bis Ende 2023 ein neues Wohnquartier entstehen. Die Pläne für das sogenannte Treppenviertel sind nun im Planungsausschuss vorgestellt worden – und haben quer durch die Fraktionen Begeisterung hervorgerufen.

Denn anders als auf dem nebenliegenden, südlicheren Teil, der bereits 2012 bebaut worden ist, sind hier die Gebäude bewusst weniger gleichförmig geplant. „Wir haben unsere ganze Kreativität herausgeholt“, sagt Michael Ruffing vom Architektenbüro Medium. Und so gleicht keines der sieben vier- bis sechsgeschossigen Gebäude dem anderen: Zwar bekommen alle Backsteinfassaden, jedoch in verschiedenen Farbtönen und in Kombination mit unterschiedlichen Materialien.

Insgesamt sind 90 Wohnungen geplant

Einige haben Balkone, andere Dachterrassen, manche Staffelgeschosse, und auch die Höhe ist nicht einheitlich. Sie stehen nicht in Reih und Glied, sondern sind locker und dem Straßenverlauf angepasst in einer parkähnlichen Gartenanlage angeordnet, mit dem größten, rotbraunen Wohnhaus in der Mitte als Angelpunkt. Alle Dächer werden begrünt. „Ein echter Gewinn für Wedel“, urteilt Grünen-Fraktionschef Olaf Wuttke begeistert.

Insgesamt werden hier 90 Wohnungen entstehen, viele haben direkten Elbblick – was entsprechende Quadratmeterpreise zur Folge haben dürfte. Ein „Ghetto für Reiche“, wie es ein Politiker mal bezeichnet habe, solle das Quartier aber nicht werden, bekräftigt Bauherr Stephan Rehder von Rehder Wohnungsbau gegenüber dem Abendblatt. „Die soziale Durchmischung ist uns sehr wichtig, weshalb es einen Mix aus Miet-, Eigentums- und Sozialwohnungen geben wird.“

Von letzteren allerdings nur 24, also deutlich weniger als die in Wedel eigentlich vorgesehenen 30 Prozent. Das habe wirtschaftliche Gründe, erklärt Rehder: „Wir reden hier von einem Grundstück mit Elbblick, also beste Lage, für das wir natürlich einen entsprechenden Preis gezahlt haben. Da Sozialwohnungen zu einem Quadratmeterpreis von 6,10 Euro zu vermieten, ist ein echter Kraftakt.“ Es rechne sich einfach nicht.

Grünflächen, Spielplätze und Sitztreppen

Aus der Verantwortung stiehlt sich das Bauunternehmen aber keinesfalls. Es schafft an anderer Stelle Abhilfe: in der Pinneberger Straße 80. „Dort besitzen wir ebenfalls ein Grundstück, das wir sofort bebauen können. Die Infrastruktur ist hervorragend, besser noch als am Strandweg: Kita, Schulen, Nahversorgung, Busanbindung – hier befindet sich alles in unmittelbarer Nähe.“ Für den Bauplatz gebe es keinerlei Vorgaben, „eigentlich könnte ich dort bauen, was ich will.“ Stattdessen entstehen in dem zweigeschossigen Gebäude plus Staffelgeschoss nun weitere 20 Sozialwohnungen. In Summe macht das 44, also sogar mehr, als es sein müssten. Noch in diesem Jahr will Rehder den Bauantrag für die Pinneberger Straße 80 einreichen.

Doch zurück an Strandweg und Hafenstraße. Nicht nur die neuen Bewohner, sondern alle Wedeler werden etwas von dem neuen Quartier haben: In Nord-Süd-Richtung wird es von einem öffentlichen Weg durchschnitten, und die die Häuser umgebenden Grünflächen mitsamt den beiden Spielplätzen erinnern in der Visualisierung fast an einen Park. Sitztreppen sind da geplant, Büsche und Hecken, Strandgras. Auch fünf große Bäume werden gepflanzt, die alte Eiche am südlichen Rand bleibt stehen. Kleiner Wermutstropfen: Aufgrund der 6,50 Meter Höhenunterschied im Geländeverlauf lassen sich Treppen am oberen und unteren Ende des öffentlichen Fußwegs nicht vermeiden. Über Wege von der Hafenstraße seien jedoch alle Flächen und Häuser barrierefrei erreichbar, erklärt Heike Lorenz vom Planungsbüro Hunck+Lorenz, die für die Freiraumgestaltung des Quartiers zuständig ist.

Baustart für Sommer 2021 angepeilt

Parken können die neuen Bewohner in der Tiefgarage unterhalb der Häuser. Wer sein E-Auto dort laden möchte, kann das tun: Die Stromanschlüsse würden dort so angelegt, dass jeder zweite Stellplatz eine Ladestation bekommen könne, so Rehder. Oberirdisch sind ebenfalls zwei Parkplätze mit Stromlademöglichkeit geplant, dazu zwei Behindertenparkplätze.

Mit der Bezeichnung „Treppenviertel“ ist Stephan Rehder übrigens nicht glücklich – gerade auch in Kombination mit Strandweg erinnert das doch gewaltig an Blankenese. Der Name stamme aus dem Rahmenplan „Stadthafen Wedel“ von 2008 und sei nur ein Arbeitstitel. „Bis zur Vermarktung fällt uns bestimmt noch etwas Besseres ein“, meint der Bauherr.

Die wird vermutlich nicht lange auf sich warten lassen: Der Bebauungsplan soll nun der Behörde und anschließend der Öffentlichkeit vorgelegt werden. Angepeilter Baustart ist im Sommer nächsten Jahres, Ende 2023 soll das Quartier bezugsfertig sein.

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