Kreis Pinneberg

Politiker fordern: Wedel Nord schnell bauen

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Maike Schade
Ein Blick in Wedels neuen Stadtteil, wie ihn Architekten vorempfunden haben.

Ein Blick in Wedels neuen Stadtteil, wie ihn Architekten vorempfunden haben.

Foto: Krüger Animation / Architektencontor Agather Bielenberg Oschkinat

Grüne und FDP drücken aufs Tempo – und haben doch unterschiedliche Vorstellungen von der Erschließung des Baugebiets.

Wedel.  Endlich Butter bei die Fische: Grüne und FDP haben Anträge vorgelegt, die den schnellen Baubeginn von Wedel Nord forcieren sollen. Dabei sind sich die beiden Fraktionen in einigen Punkten erstaunlich einig. So soll ein vom Bund finanzierter Bau einer Nordumgehung für Wedel politisch endgültig gekippt werden, da ein Anschluss an Wedel Nord an diese Straße verkehrspolitisch nicht möglich ist.

Sowohl die Grünen als auch die FDP fordern, den entsprechenden Ratsbeschluss rückgängig zu machen und die Anmeldung dieser Trasse aus dem Bundesverkehrswegeplan zurückzuziehen. Außerdem wollen beide Fraktionen, dass der erste, östliche Bauabschnitt des geplanten Neubaugebiets Wedel Nord sowie der Bau der Kita an der Voßhörntwiete zügig angegangen werden.

Wedel Nord: Verkehr würde durch Altstadt führen

Damit enden die Gemeinsamkeiten aber. Die Standpunkte, wie die Alternative zur ursprünglich geplanten Verlegung der B 431 aussehen soll, liegen weit auseinander. „Zur Erschließung dieses Gebiets wird die von den Investoren und deren Verkehrsplanern WVK vorgestellte östliche Anbindung über die Voßhörntwiete angelegt. Dabei ist der Straßenquerschnitt bis zu dem südlichen Platz mit Wendeschleife so zu wählen, dass der Begegnungsverkehr auch mit Bussen problemlos möglich ist“, heißt es im Grünen-Antrag.

Bezahlen sollen (und wollen laut den Grünen) die Investoren. Das wäre vermutlich recht schnell umgesetzt und gut für die klamme Stadtkasse. Für Martin Schumacher, planungspolitischer Sprecher der FDP, ist dieser Plan dennoch „Wahnsinn“, da „alle bisherigen Verkehre und alle künftigen über die Altstadt, den Roland und den Rathausplatz geführt“ würden. Das verschärfe die angespannte Verkehrssituation.

FDP will Nordspange als kommunale Straße

Seine Fraktion fordert deshalb eine „Nordspange“ zwischen Holmer und Pinneberger Straße. Diese Lösung würde gewiss eine Entlastung für die B 431 bringen – doch die Umsetzung dürfte sich schwierig anlassen. Da wäre die Finanzierung. Die FDP fordert eine Umwidmung des ohnehin für die Verlegung der Bundesstraße vorgesehenen Geldes – der Bund hätte nur Kosten in Höhe der günstigeren, politisch aber nicht gewollten Südumgehung getragen, die Differenz sollte die Stadt zahlen. Zudem soll laut FDP-Antrag geprüft werden, inwieweit es Zuschüsse vom Land oder den Investoren geben könnte.

Dazu René Penz (WSI): „Ich wüsste nicht, woher das Geld für eine solche Nordspange kommen sollte. Für Straßen zur Erschließung von Wohngebieten werden normalerweise keine Landesmittel bewilligt, das ist Sache der Kommunen.“ Eine „Grobschätzung der Kosten“, wie die FDP sie fordert, soll zeitnah Aufschluss über die Finanzierbarkeit bringen. Ein weiterer Knackpunkt: die Querung der S-Bahn-Gleise. Penz: „Da braucht es eine Unterführung. Ansonsten verlagert sich der Stau aus der Altstadt dorthin.“

Beschlussfassung noch in diesem Jahr gefordert

Eine solche wollen auch die SPD – „ohne Unterführung kein Wedel Nord, nicht mit uns“, so Fraktionschefin Sophia Jacobs-Emeis – und die FDP. Die Verwaltung solle beantragen, dass die Unterführung nach dem neuen Eisenbahnkreuzungsgesetz ohne kommunale Finanzbeteiligung realisiert wird, heißt es im Antrag der Liberalen.

Sowohl die Grünen als auch die FDP wollen Ergebnisse sehen, und das schnell. „Endlich beschließen statt ewig zerreden“, sagt Olaf Wuttke, Fraktionschef der Grünen. Das Bebauungsplanverfahren solle eingeleitet werden. Das möchte auch die FDP. Sie fordert, dass der im Entwurf vorliegende Rahmenplan für Wedel Nord „noch in diesem Jahr zur Beschlussfassung vorgelegt wird“. Daraus solle zügig ein Bebauungsplan entwickelt werden, der zwei Kindergärten, ein Seniorenzentrum und ein Gemeinschaftszentrum beinhalten solle. Und, „wenn Bedarf besteht“: auch autofreie Quartiere. Die Grünen wünschen zudem, dass die Verwaltung „zeitnah“ eine Anbindung des Gebiets an den ÖPNV klärt.

CDU möchte erst ein Gesamtkonzept sehen

Mit ihren Anträgen haben die beiden Fraktionen ihre Ausschusskollegen unter Zugzwang gesetzt. Die CDU unterstützt die Entwicklung von Wedel Nord nach wie vor ausdrücklich, und zwar „unter den Bedingungen des Ratsbeschlusses vom 23. März 2017“, so ihr planungspolitischer Sprecher Kay Burmester. Die nördliche Querung zwischen Pinneberger und Holmer Straße sei für die Wedeler CDU „immer noch alternativlos“.

Seine Fraktion fordere, dass zunächst ein Rahmenplan erarbeitet wird, der das gesamte Entwicklungsgebiet Wedel Nord umfasst - „bevor die Politik über einen B-Plan für den ersten Bauabschnitt entscheidet.“ Denn: „Es gab ein eindeutiges Votum, dass zunächst das Verkehrsproblem gelöst werden soll, bevor der Bau von Wedel Nord beginnt.“

Die SPD hat sich noch nicht neu positioniert. „Wir werden über die beiden Anträge bei der nächsten Fraktionssitzung beraten“, so Sophia Jacobs-Emeis. Auch die Linke äußerte sich bislang nicht. Die WSI setzt nach wie vor auf innerstädtische Verdichtung statt ein großes Neubaugebiet.

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