Wedel. Eingespieltes Seniorenteam der Altersklasse Ü50 setzt sich in Rosenheim durch. Es gibt aber einen großen Wermutstropfen.

Gleich sechs Stunden verbrachten die Wedeler mit der Siegesfeier. Die Basketballer des SC Rist sind Deutscher Meister in der Altersklasse Ü50.

Und das kommt im Seniorenbereich des Clubs – acht Titel – oft vor. Der Erfolg in Rosenheim (Bayern) war für den Kern des Teams der fünfte Titel im Ü-Bereich seit 2008. In „bester Wedeler Manier“ erspielten sich die „Rister“ den Bundestitel im Altherrenbereich.

SC Rist: Bestes Basketball-Team Deutschlands kommt aus Wedel

Nach der Pokalübergabe begann die Siegesfeier: „Das gehört auch zu unserer Routine, dass wir nach dem Titelgewinn immer eine Party in der Kabine feiern. Da hatten wir dann nach den Anstrengungen unseren Spaß“, sagt André Bade, Ex-Basketballprofi und langjähriges Rist-Mitglied. „Wir haben über die Jahre auch unsere Routinen für die Siegesfeiern entwickelt“, erzählt er lachend.

In zwei Tagen standen für die Wedeler sechs Partien an

Doch getreu nach dem Motto „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ war zunächst sportliche Höchstleistung gefordert. In zwei Tagen standen für die Wedeler sechs Spiele an, die alle deutlich zugunsten des SC Rist ausgingen: In 20 Minuten Spielzeit erzielten die Wedeler im Schnitt 14 Punkte mehr pro Spiel als ihre Gegner.

Auch der Vorjahressieger aus Düsseldorf war für das Team um Trainer Olaf Möller und Jan Stange in der Gruppenphase kein Problem, mit einer Steigerung in der zweiten Hälfte konnte Wedel die Rheinländer mit 35:26 übertrumpfen und sicherte sich gleichzeitig den vorzeitigen Gruppensieg. „Düsseldorf hat in der zweiten Halbzeit dann nur noch fünf Punkte gemacht“, beschrieb Bade die herausragende Defensivarbeit.

Gastgeber Rosenheim wurde im Halbfinale besiegt

Im Halbfinale wartete der Gastgeber TSV 1860 Rosenheim mit den ehemaligen Basketballprofis Brendan Murphy und Burkhard Steinbach auf den SC Rist. „Wir haben gut von außen getroffen und konnten uns so absetzen“, kommentierte Bade den 39:22-Sieg im Halbfinale.

Auh bei der Altersklassen-WM in Malaga für Deutschland dabei: Die Wedeler André Bade (v.l.), Jan Stange und Dennis Reichert
Auh bei der Altersklassen-WM in Malaga für Deutschland dabei: Die Wedeler André Bade (v.l.), Jan Stange und Dennis Reichert © Privat | Privat

Das Finale – gespielt in vier Vierteln á sieben Minuten, statt wie zuvor mit zwei zehnminütigen Halbzeiten – gegen Köln gestaltete sich erstmalig im Turnier zu einer richtigen Zitterpartie. „Wir hatten große Probleme, haben zur Halbzeit mit zwei Punkten geführt. Drei, vier Minuten vor Schluss lagen wir dann mit fünf Punkten zurück“, so der ehemalige Nationalspieler Bade. „Wir haben dann noch mal alle Kräfte mobilisiert.“

44:39-Sieg: SC Rist bezwingt Köln im Finale

Das zahlte sich aus: Wedel siegte mit 44:39 und sicherte sich somit den Pokal. Mit 23 Punkten trug Bade maßgeblichen zum Erfolg seines Team bei.

Der „Rister“ brachte seine Erfahrung als Profibasketballer in der 1. und 2. Bundesliga, etwa in Bayreuth oder Oldenburg, ein und erzielte mehr als die Hälfte der Punkte seines Teams.

SC RIst Wedel war flexibel – und hatte genug Spieler mit

Die Stärke der Wedeler lag eindeutig in der Flexibilität der Mannschaft: „Man hat gemerkt, dass es sehr von Vorteil war, dass wir zwölf Spieler hatten und viel wechseln konnten. Wenn du in unserem Alter sechs Spiele an einem Wochenende hast, ist es schon gut, so viele Spieler zu haben“, betonte Bade. Jeweils in der zweiten Halbzeit hatte Wedel Vorteile, frische Spieler einzusetzen, während die Gegner müde erschienen.

Dazu half auch die „gute Organisation vor Ort“, ebenfalls innerhalb des Teams. „Da wir ja oft an den Meisterschaften teilnehmen, haben wir da auch schon eine Routine entwickelt. Unser selbst ernannter Teammanager Arne Malsch hat da eine gute Arbeit gemacht“, so Bade über seinen Teamkollegen. Malsch organisierte nicht nur die An- und Abreise, sondern kümmerte sich vor allem auch um das Equipment für die bereits zur Routine gehörende Meisterfeier in der Kabine.

SC Rist Ü50: Ein Lautsprecher ist immer dabei

„Ich sorge immer dafür, dass wir einen Lautsprecher dabei haben, der noch mit einem iPod kompatibel ist. Darauf sind alle unsere Partyhits gespeichert sind“, so der ehemalige Profibasketballer und jetzige Kommentator und Moderator für Basketball und weitere Sportarten. Besagte Musikbox kam zusammen mit zwei großen Kühlboxen für Getränke und genügend Verlängerungskabeln in einem Extratransporter zum Spielort.

Trotz Wettkampfhärte und Ehrgeiz stand nämlich auch der Spaß im Vordergrund: „Wir genießen das. Wir wissen, dass das ein harter Weg ist. Wir haben eine tolle Qualität und dementsprechend auch Erwartungen. Das zelebrieren wir dann auch dementsprechend“, so Malsch. Auch gern mal für fünf bis sechs Stunden.

Rist-Spieler üben Kritik an der Wedeler Stadtverwaltung

Bei den letzten Meistertiteln feierte die Mannschaft auf Einladung des früheren Bürgermeisters Niels Schmidt auf dem Rathausplatz in Wedel. „Herr Kaser hat sich bisher noch nicht gemeldet“, so Bade. Auch Malsch bemängelt die Unterstützung des Basketballbereichs der Stadt, schon lange sind die Forderungen nach einer neuen Halle laut geworden.

„Wir holen die Titel und werden gefeiert, aber von der Stadt kommt dann immer wenig, was die Perspektive für Basketball betrifft“, so der 51 Jahre alte Wedeler. „Die Hallenzeiten werden für alle Teams immer weniger.“

Dass die Wedeler Herren auch im kommenden Jahr an der Meisterschaft teilnehmen wollen, zeigen die aktuellen Nachrichten in der internen Messenger-Gruppe: „Es kamen die ersten Nachrichten mit ‚Ach, ich vermisse euch alle‘. Wir wollen alle weitermachen und sind motiviert. Einige Spieler bekommen wir im nächsten Jahr sogar noch dazu“, so Malsch mit Blick auf die Meisterschaft 2024. „Wir freuen uns schon alle sehr darauf.“

Ergebnisse