SV Rugenbergen

Krise beim Schlusslicht: SV Rugenbergen feuert Trainer-Duo

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Wolfgang Helm
SVR-Trainer Michael Fischer steckt mit den Bönningstedtern mit drei Punkten im Tabellenkeller fest. 

SVR-Trainer Michael Fischer steckt mit den Bönningstedtern mit drei Punkten im Tabellenkeller fest. 

Foto: Kalle Meincke

Michael Fischer und Heiko Klemme sind nicht mehr für die Bönningstedter Oberliga-Fußballer zuständig. Diese Probleme gab es.

Bönningstedt. Michael Fischer hatte es nach der 1:6-Derby-Niederlage gegen Union Tornesch kommen sehen. „Ich bin lange genug im Geschäft, um nicht zu wissen, dass mein Trainerstuhl nun wackelt.“ Dieser Stuhl ist umgekippt. Spartenleiter Andreas Lätsch hat Fischer (54) und dessen Assistenten Heiko Klemme (45) nach acht Niederlagen in bislang neun Punktspielen von ihren Aufgaben als Übungsleiter des SV Rugenbergen in der Fußball-Oberliga entbunden. Fischer hatte seit dem Sommer 2020 in Bönningstedt amtiert, Klemme seit Saisonbeginn.

Vermutlich hätte das Duo auch ein Erfolg am vergangen Sonntag gegen den FC Süderelbe – Absage wegen schlechter Platzverhältnisse – nicht vor der Entlassung bewahrt. Fischer gesteht „Zerwürfnisse zwischen einigen Spielern und dem Trainerteam“ ein, die nur noch schwer zu kitten gewesen wären. Details wolle er aber nicht in die Öffentlichkeit tragen. Die Verbundenheit zu Lätsch, dem sportlichen Leiter Oliver Mertins sowie Sponsor Wolfgang Borchert und Gönner Rainer von Bastian sei unverändert viel zu groß, um ihnen beim Auffegen der Sägespäne in den Rücken zu fallen. Während der 90-minütigen Besprechung mit Lätsch in dessen Ellerauer Büro soll sogar dieser Satz aus Fischers Mund gefallen sein: „Wenn du mich fragst, ob du dich lieber von sechs Spielern oder von den Trainern trennen sollst, dann empfehle ich dir, es bei zwei Personen zu belassen.“

Bis zu seinem nächsten Engagement im Fußball will der Appener, der im Kreis auch für den VfL Pinneberg, Wedeler TSV und FC Roland Wedel arbeitete, sein Privatleben nachholen. Es gilt, Freundschaften aufzufrischen und sich stärker als bisher der Familie zu widmen.

Dennis von Bastian und Dennis Schultz übernehmen das Team interimsweise

Rainer von Bastians Sohn Dennis, genannt „Buddy“, früherer SVR-Spielmacher (35), und Ex-Torwart Dennis Schultz (39) traten am gestrigen Dienstag an, das Team auf die Auswärtspartien am Freitag beim HEBC und am Montag beim Heidgrabener SV (Lotto-Pokal) einzustimmen. Es ist nur eine Übergangslösung, zumal Schultz bei der SV Halstenbek-Rellingen das Versprechen leistete, als Keeper auszuhelfen. Dass der SV Rugenbergen auf den langjährigen Coach Ralf Palapies, der nach der Trennung von Thomas Bohlen im April 2019 schon einmal eingesprungen war und das Team in prekärer Lange souverän zum Klassenerhalt geführt hatte, zurückkommt, wird von Andreas Lätsch verneint. „Dieser Versuchung möchte ich widerstehen und meinen Freund Ralf nicht damit belasten, seine Lebensplanung umzustellen.“ Palapies (52) erklärte auf Nachfrage, dass ihm an einem Trainer-Job allein schon wegen seines bevorstehenden Urlaubs aktuell nicht gelegen sei. Kleine Einschränkung: „Sag´ niemals nie.“ Peter Pietrusska, ebenfalls ein früherer SVR-Oberligatrainer (64), bat um Verständnis dafür, dass er weiterhin lieber die SVR-Reserve in der Kreisliga begleiten möchte. Ohnehin schwebt Lätsch ein Trainer vor, der genau weiß, wie die neue Spielergeneration „tickt.“

SVR-Kapitän bittet Trainer um Entschuldigung – wegen der Leistung auf dem Feld

Alteingesessen beim SVR ist Kapitän Sven Worthmann (29), der vor Fischers und Klemmes Verabschiedung am gestrigen Dienstag eine deutliche Stellungnahme abgab. „Bei Michael und Heiko können wir uns für unsere Leistungen in den vergangenen Wochen nur entschuldigen.“ Unterdessen will der Fischer eng verbundene Liga-Obmann David Fock (48) in die Mannschaft und in den Vorstand „reinhören, ob meine Dienste noch erwünscht sind.“ Er wolle gerne bleiben, aber auf keinen Fall ein „Störfaktor“ sein.

Fock neigt zu Klartext. „Schon vergangene Serie, als wir in der Abstiegsrunde Spiel um Spiel gewonnen hatten, war bei uns nicht nur heile Welt. Allerdings haben da noch die Ergebnisse gestimmt“, sagt er. Unklar ist die Zukunft der Torwarttrainer Sinanudin Omerhodzic und Sascha Kleinschmidt. Der eine kam auf Fischers ausdrücklichen Wunsch, den anderen hatte Klemme an die Ellerbeker Straße geholt. Fischer will sich aus dieser Angelegenheit „komplett raushalten“ und auch auf ein Talent wie Lenny Glissmann, das nur seinetwegen zum SVR gewechselt war, keinen Einfluss nehmen. „Wir Trainer und der Vorstand haben immer offen und ehrlich kommuniziert. Auf eine saubere Trennung legen wir den größten Wert. Wir gehen nicht im Groll.“

Zur sportlichen Talfahrt diese Serie gehört, dass die bisherigen Trainer zu keinem Zeitpunkt über den kompletten Kader verfügten. Nach zwei Jahren Corona-bedingtem Verzicht war dem einen oder anderen Spieler nach Urlaub auch zum unpassenden Zeitpunkt zumute. Fischer gönnte sich ebenfalls eine kurze Auszeit. Beim Saisonstart auswärts gegen den USC Paloma (1:2) fehlte er wegen eines Konzertbesuchs in Dresden. Hinterher gab es Kritik an der Taktik von Heiko Klemme, für die sich Fischers rechte Hand entschuldigte. Ab sofort gehen die Uhren anders. Andreas Lätsch: „Die Zeiten der Schutzbehauptungen und Alibis sind jetzt vorbei.“

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