Schenefeld

Floorballer enttäuscht: „Schon ein bisschen tragisch“

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Schenefelds Torwart Jonah Koop kann es nicht fassen: Nach einem guten Spiel unterlagen er und sein Team doch noch den Aufsteigern aus Dresden.

Schenefelds Torwart Jonah Koop kann es nicht fassen: Nach einem guten Spiel unterlagen er und sein Team doch noch den Aufsteigern aus Dresden.

Foto: Ha / HA

Bundesliga-Floorballer von Blau-Weiß Schenefeld verlieren gegen Aufsteiger Dresden. Dabei lagen sie fast das ganze Spiel vorn.

Schenefeld.  Ein mulmiges Gefühl beschleicht Tilmann Gebhardt, wenn er an das kommende Wochenende denkt. Denn dann geht es für die Floorballer von Blau-Weiß 96 Schenefeld, die er seit diesem Sommer trainiert, in der 1. Bundesliga gegen die beiden Mannschaften, die zuletzt Deutscher Meister wurden.

Floorball: Blau-Weiß 96 unterliegt Aufsteiger Igels Dresden

Am Sonnabend, 24. September, reist das Team aus dem Kreis Pinneberg zum MFBC Leipzig, der 2019 den Titel geholt hatte. Einen Tag später ist ab 16 Uhr die DJK Holzbüttgen als amtierender Meister zu Gast in der Sporthalle Achter de Weiden. „In beide Begegnungen gehen wir als klarer Außenseiter“, stellte Gebhardt, der zugleich Co-Trainer von Deutschlands U19-Nationalmannschaft ist, klar.

Von der Papierform her der Favorit waren die Schenefelder, als sie am vergangenen Sonnabend zu ihrem Saison-Heimdebüt den diesjährigen Aufsteiger Unihockey Igels Dresden empfingen. Lange Zeit sah es auch so aus, als ob die Blau-Weißen als der etablierte Erstligist – 2019 war ihnen der Wiederaufstieg gelungen – ihrer Rolle gerecht werden würden.

Fünfmal gingen die Hausherren in Führung. Hierbei trugen sich Benedikt Fiedrich (6. Minute/Vorlage Lasse Schmidt), Jonas Hachmann (14./Julian Bruns), Tobias Karnath (11./Fiedrich), Schmidt (36./Marius Schwartz) und Timo Rother (43./Schwartz) in die Torschützenliste ein. Viermal glichen die Gäste jeweils aus (6., 22., 32., 38.), ehe Rothers Tor kein fünfter Gäste-Treffer, sondern das 6:4 von Hachmann folgte (57.). Am Ende verloren die Blau-Weißen aber noch mit 6:7 in der Verlängerung.

Schenefelder Floorballer nach Niederlage enttäuscht

„Das war schon ein bisschen tragisch“, ärgerte sich Gebhardt. Der Coach machte keinen Hehl daraus, dass er sich nach Hachmanns besagtem 6:4 „eigentlich schon auf der sicheren Seite“ gewähnt hatte. So dachten auch viele seiner Spieler – Hachmann bejubelte sein zweites Tor des Tages, dem ein Fehlpass der Gäste vorausgegangen war, frenetisch – und die meisten der 107 Zuschauer. Im Block der hartgesottensten 96-Anhänger wurden vier blaue und drei weiße Fahnen geschwenkt.

Alle Schenefelder waren bereit, nach der eine Woche zuvor zum Auftakt bei den SSF Dragons Bonn erlittenen 3:8-Niederlage den ersten Saisonsieg zu feiern. Doch sie hatten die Rechnung ohne die Dresdener gemacht, die beeindruckende Nehmerqualitäten bewiesen. So kamen sie schnell zum 6:5-Anschlusstreffer (58.), ehe Igels-Coach Pavel Skazko eine Auszeit nahm.

Floorball: Blau-Weiß 96 verliert in der Verlängerung

Sie bot auch Gebhardt die Möglichkeit, seinen Akteuren für die letzten 52 Sekunden der regulären Spielzeit noch einmal neue Anweisungen mit auf den Weg zu geben. Fortgesetzt wurde die Partie mit einem Freistoß für die Sachsen. Und obwohl sich mit Hendrik Vahl, Daniel Czapelka, Fiedrich, Hachmann sowie Tobias Karnath alle fünf 96-Feldspieler vor das eigene Tor knieten, fand der Schuss des Dresdeners Til Franke irgendwie den Weg in das Netz (60.). Kurz darauf ging das dritte Drittel beim Stand von 6:6 zu Ende und die Partie in die Verlängerung.

Hier fand der abwechslungsreiche Floorball-Krimi, der allen Anwesenden über mehr als zwei Stunden beste Unterhaltung bot, für die Schenefelder kein gutes Ende. „Das Momentum sprach einfach für die Dresdener“, stellte Gebhardt fest, nachdem sich der Tscheche Hulic energisch behauptet und mit seinem Tor zum 6:7 der Verlängerung nach drei Minuten sowie 16 Sekunden ein jähes Ende gesetzt hatte.

Floorball: Jonah Koopp zum besten Spieler seines Teams gewählt

Den Jubel der Gäste mochten Schwartz und 96-Keeper Jonah Koop nicht mitansehen: Sie kauerten auf dem Hallenboden, mit dem Gesicht nach unten. Für Koop war es ein schwacher Trost, dass er – aufgrund zahlreicher starker Paraden vollkommen zurecht – zum besten Spieler der Blau-Weißen gewählt wurde. Bei den Gästen ging diese Auszeichnung an Niklas Kunath.

Nach seiner Bundesliga-Premiere als Trainer machte Gebhardt seinen Schützlingen übrigens keinen Vorwurf: „Ich finde, dass sie wirklich gut gespielt haben. Dies gelte „aber auch für den Gegner“, lobte der 31-Jährige zugleich die Dresdener, die „kein normaler Aufsteiger“ seien. Tatsächlich weist das Team aus dem Freistaat Sachsen jetzt schon fünf Punkte – vier mehr als die Schenefelder – auf.

Und Gebhardt glaubt, dass die Dresdener am bevorstehenden Doppel-Spieltag sechs weitere Zähler holen werden: „Sowohl gegen Schriesheim als auch in Wernigerode werdet ihr gewinnen“, sagte der in Kiel lebende Trainer zu Kunath. Der Igels-Verteidiger spielt in Deutschlands U19-Auswahl unter Gebhardt und kann dem kommenden Wochenende mit positiven Gefühlen entgegenblicken.

( HA )

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