Fussball

Freundschaftsspiel gegen Kiezkicker wird zum Sommerfest

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Ulrich Stückler
Freundschaftsspiel ja, aber mit vollem Einsatz: Hetlingens Gianni Balasea grätscht gegen den Paulianer Manolis Saliakas.

Freundschaftsspiel ja, aber mit vollem Einsatz: Hetlingens Gianni Balasea grätscht gegen den Paulianer Manolis Saliakas.

Foto: Ulrich Stückler

Hetlinger MTV stellt in nur sechs Wochen die Revanche 2022 gegen Zweitligist FC St. Pauli auf die Beine. 3000 Fans belohnen die Arbeit

Hetlingen.  Sarah kann ihr Glück kaum fassen. Als in der Halbzeitpause des Testspiels der Bezirksligafußballer des Hetlinger MTV gegen die Zweitligaprofis des FC St. Pauli die Nummer 40 über die Lautsprecher verkündet wird, macht das Herz der Zuschauerin einige Extrasprünge. Aufgeregt löst sie sich aus dem Pulk der gut 2000 Fans auf der Gegentribüne am Deich das Spielfeld entlanggelaufen, wo die „Chefs“ von HMTV, Michael Kirmse, und der Kiezkicker, Oke Göttlich, geduldig auf die Inhaberin des Tickets mit der entsprechenden Nummer warten.

Sarah traut sich anfangs gar nicht, den heiligen Rasen zu betreten und direkten Kurs auf das ihr aufmunternd zuwinkende Duo zu nehmen. Dann kürzt sie doch ab und nimmt gleich darauf freudestrahlend aus der Hand von Göttlich ihren Preis entgegen: Ein Trikot des nun nach Wien wechselnden Pauli-Goalgetters Guido Burgstaller. „Das ist unglaublich; ich hab in meinem ganzen Leben noch nie was gewonnen“, sagt die glücklich strahlenden Pauli-Anhängerin seit zehn Jahren. „Ich bin grad sehr, sehr fasziniert.“

Das Organisationsteam mobilisiert rund 150 Helfer für diesen Tag

Fasziniert und stolz auf die Leistung des eigenen Vereins – nicht nur beim erneuten 0:13 auf dem Spielfeld gegen die Profis – ist Alexandré Thomßen aus dem Organisationsteam des Hetlinger MTV. „Wir haben unser Bestes gegeben und haben mit unserem Team von acht Mann rund 150 Helfer mobilisieren können, um diese Partie auf die Beine zu bringen“, sagt Thomßen und blickt dabei ständig um sich herum, ob irgendwo wieder Hilfe benötigt wird. Dabei sei in die Vorbereitung selbst gar nicht einmal so viel Arbeitszeit geflossen, wie man meinen können, fügt Thomßen hinzu.

„Wir sind ja mittlerweile auch Profis. Durch das erste Paulimatch 2015 und einige Jahre später gegen Kiel sowie einige Cups und Turniere sind wir eingespielt“, sagt Thomßen und ist stolz darauf, wie kurzfristig der HMTV das ganze nun für die „Revanche 2022“ auf die Beine gestellt hat. „Beim ersten Mal 2015 waren das unendlich viele Stunden Planung, aber dieses Mal ging das eigentlich. Aber dass dies überhaupt stattfinden soll, das hat sich ja erst in den Tagen nach dem 7. Mai ergeben, als durch das 2:3 von Pauli auf Schalke feststand, dass sie nicht aufsteigen würden. Von da an haben wir aber fast Tag und Nacht durchgearbeitet. Aber eingespielt hin oder her – dann musste wirklich viel organisiert werden, zumal viele Materialien nicht lieferbar waren, weil viele Festivals gleichzeitig stattfinden.“

An den Deich sind die Paulianer gern gekommen; nicht nur, weil sie seit dem ersten Match gegen den HMTV regelmäßig mit den Hetlingern eines ihrer Rabauken-Fußballcamps für Kinder und Jugendliche veranstalten.

St. Paulis Trainer Timo Schultz ist voll des Lobs für die Gastgeber

„Die Hetlinger sind fantastische Gastgeber; ich war vor sieben Jahren zwar noch nicht dabei, aber mir wurde berichtet, wenn wir dahin fahren können, sollen wir das unbedingt wieder machen“, sagt St. Paulis Trainer Timo Schultz auf der abschließenden Pressekonferenz im Zeltbau neben der Osttribüne. „Ich glaube nach den letzten zwei Jahren mit Corona, als solche Veranstaltungen einfach nicht möglich waren, ist dies ein perfekter Auftakt für uns. Alle sind auf ihre Kosten gekommen. Und für mich als Ostfriese ist dieses Stadion direkt am Deich schon fast ein Heimspiel; ich komm gern wieder.“

So lautet auch das Fazit der 20 Cheerleader der SV Lieth, die in der Halbzeitpause einen Teil ihrer Meisterschaftskür präsentierten. „Wir sind per Mail von den Hetlingern gefragt worden, ob wir mitmachen wollten und haben gern zugesagt.“

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