Handball

Ein Abschiedsspiel, das eigentlich keines war

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Ulrich Stückler
Ein letztes Mal abklatschen mit den Mitspielerinnen: Christina Hinrichs (35) beendet nach 30 Jahren Handball ihre Karriere. Auch Sabrina Wrage, Ann-Kathrin Skubich und Laura Ristau haben sich verabschiedet.

Ein letztes Mal abklatschen mit den Mitspielerinnen: Christina Hinrichs (35) beendet nach 30 Jahren Handball ihre Karriere. Auch Sabrina Wrage, Ann-Kathrin Skubich und Laura Ristau haben sich verabschiedet.

Foto: Ulrich Stückler

Von vier Ellerbekerinnen, die ihre Oberligakarriere beenden, bestreitet nur eine das Match gegen Stockelsdorf. Auch der Trainer geht

Ellerbek.  Schlusssirene in der Harbig-Halle. Wie im Handball üblich, verabschieden sich die Kontrahentinnen mit einem „Abklatschen“ voneinander. So, wie nun die Oberligafrauen des TSV Ellerbek nach ihrer 26:34 (13:14)-Heimniederlage gegen den ATSV Stockelsdorf. Es ist für das Team von Coach Jens Molkow nicht nur der sportliche Schlusspunkt hinter eine durch Corona und die daraus resultierenden, immensen Personalprobleme geprägte Saison.

Dieser Saisonabschluss markiert auch einen weiteren personellen Umbruch im Kader der Ellerbekerinnen. Nachdem sich vor dieser Spielzeit bereits Maren Sicks und Julia Steinberg zurückgezogen hatten, sagen nun mit Sabrina Wrage, Ann-Kathrin Skubich, Christina Hinrichs und Keeperin Laura Ristau vier weitere Routiniers Lebewohl.

30 Jahre Handball sind genug für Christina Hinrichs

„Ich finde einfach, dass nach 30 Jahren Handball die Zeit für etwas anderes gekommen ist“, sagte Christina Hinrichs. Die 35-Jährige ist praktisch von Geburt an Mitglied im TSV Ellerbek und hat mit fünf Jahren zu spielen begonnen. Ob sie denn nicht glaube, in einigen Monaten dann doch morgens aufzuwachen und für sich zu sagen „Ich packe meine Tasche und gehe heute Abend zum Training.“? Wirklich ein Leben künftig ohne Handball? Sie lacht. „Ich bin ja nicht aus der Welt. Und wenn ich trainieren möchte, komme ich einfach vorbei.“

Hinrichs war von den vier gehenden Spielerinnen die einzige, die das Match gegen Stockelsdorf auch aktiv als Abschiedsspiel nutzen konnte. Während Sabrina Wrage und Ann-Kathrin Skubich gänzlich verhindert waren, konnte Laura Ristau zumindest die letzten 40 Minuten der Partie von der Tribüne aus verfolgen.

„Ich arbeite ja nun Mal im Einzelhandel; Beruf geht vor“, sagte die Keeperin. Sie musste mitansehen, wie Mia Dahms nach einer nicht regelkonform ausgeführten, recht robusten Abwehr­aktion ohne Umschweife von den Unparteiischen auf die Tribüne verbannt wurde.

„Die Entscheidung war hart, aber in Ordnung“, sagte Coach Jens Molkow, der wie sein Kollege vom ATSV, Nico Schmidt, bedauerte, dass in das Match, das ein lockeres Austrudeln hätte werden können, durch so manch anderen Pfiff Unruhe hineingetragen wurde.

Der Ellerbeker Auftritt hätte ein besseres Ergebnis verdient gehabt

Am meisten bedauert Molkow jedoch, dass der beherzte und sehenswerte Auftritt seines „letzten Aufgebots“ nicht mit einem angemessenen Ergebnis belohnt wurde. „Das war definitiv um einige Tore zu deutlich, zumal wir gerade auch in der Abwehr eine Leistung gezeigt haben, die mich wirklich zufrieden stellt. Leider haben wir zu wenige unserer guten Chancen auch verwertet“, sagte der Coach, für den diese Partie gleichfalls das Abschiedsspiel gewesen ist.

Molkow geht nach vier Spielzeiten mit den Ellerbekerinnen, auch um Abnutzungserscheinungen zu vermeiden. Der Trainer bleibt dem Team aber verbunden – und auch in räumlicher Nähe. „Ich werde zum Rellinger TV gehen und dort den weiblichen Nachwuchs in der A-Jugend übernehmen“, berichtet Molkow über seine Zukunftspläne. „Die wollen dort etwas aufbauen. Ich hatte dort ein Probetraining. Da waren gleich 20 Mädchen in der Halle, das war beeindruckend; dort in Rellingen ist was los. Und die Talentförderung ist ja schon ein Steckenpferd von mir“, sagte Molkow, der lange Jahre Sportlehrer beim Buxtehuder SV gewesen ist.

Rouven Alimi löst Jens Molkow als Trainer der Oberligafrauen ab

In seine Fußstapfen beim Frauenteam soll eine interne Lösung treten. Rouven Alimi, bislang Trainer der dritten Männer des TSV in der Landesliga, übernimmt Molkows Posten. „Rouven leistet bislang sehr gute Arbeit und hat ja auch über Jahre als Spieler überzeugt“, sagte Frauen-Teammanager Michael Dahms. „Ich bin sehr froh, dass wir ihn für diese Aufgabe gewonnen haben.“

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