Fußball-Oberliga

Rugenbergen-Trainer: „Diese Leistung war eine Frechheit“

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Wolfgang Helm
Wirkungslos blieb auch Edouard Mesenholl (r.) vom SV Rugenbergen, der sich hier einen Zweikampf mit dem Buchholzer Anthony Maaß liefert.

Wirkungslos blieb auch Edouard Mesenholl (r.) vom SV Rugenbergen, der sich hier einen Zweikampf mit dem Buchholzer Anthony Maaß liefert.

Foto: Lars Mundt

Dem Coach der bisher sieglosen Bönningstedter platzt der Kragen. Tabellenletzter ist aber ein anderer Verein.

Bönningstedt.  Erstmals seit dem 27. September 2020 hatte Mika Feigenspan wieder ein Oberligaspiel des SV Rugenbergen besucht. Der frühere SVR-Verteidiger, inzwischen aus beruflichen Gründen freiwillig in der Bezirksliga (Teutonia 05 II) gelandet, wird erschrocken gewesen sein. Bei jenem 7:3 über die HSV hatte er furiosen Angriffsfußball geboten bekommen. Ein Jahr später präsentieren sich die Bönningstedter desolat. Nach dem 0:2 (0:0) gegen Buchholz 08 bleiben sie ebenso sieglos wie der Tabellenletzte Union Tornesch, der sein Heimspiel gegen den SC Victoria 1:3 (0:2) verlor.

„Es läuft nicht rund. Aber Trainer Michael Fischer wird jetzt die passenden Worte finden und das Team mobilisieren“, vermutete Feigenspan beim Seitenwechsel. Markant war dann vor allem Fischers Kommentar nach dem Abpfiff. Zunächst einmal verzichtete der Coach auf den üblichen Kreis, der oft dazu dient, die Spieler aufzumuntern und anzuspornen. Dann redete er der Presse gegenüber Klartext. „Kein Zweikampfverhalten, kein Mumm. Diese Leistung war eine Frechheit dem Verein und den Zuschauern gegenüber.“ Klar außerhalb der Kritik stand nur Keeper Patrick Hartmann, der mehrfach Kopf und Kragen riskierte und sein Team mit spektakulären Reaktionen vor einer höheren Niederlage beschützte.

Sechs Spiele in Folge ohne Sieg

Was sich nach nur sechs Saisonpartien schon einmal festhalten lässt: Dem SVR fehlen Typen wie Steven Tegeler (Karriereende) und der zum Oldenburger SV gewechselte Jan-Niclas Gahlke. Fischer: „Die haben stets die Ärmel hochgekrempelt und sich mit allen Mitteln gegen eine Niederlage gewehrt.“ Überdies scheint dem SVR im Laufe der Jahre zu viel Qualität (Dennis von Bastian, Felix Dieterich, Pascal Haase, Kevin Lohrke) abhanden gekommen zu sein. Dazu kommen die aktuell schwache Verfassung von als Leistungsträgern eingeplanten Akteuren wie Sven Worthmann und Edouard Mesenholl, um nur zwei Namen zu nennen, sowie das Verletzungspech der Stürmer Kilian Utcke und Marlon Stannis. Marco Rohde und Yannik Kurowski müssen erkennen, dass es für die höchste Hamburger Spielklasse zurzeit nicht reicht. Aber es ja auch aktuell keiner da, der sie ein bisschen an die Hand nimmt.

Fischer selbst muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sein Experiment mit Worthmann als Mittelstürmer missglückte. Von Rechtsverteidiger Dennis Urdin, den der Coach gegen dessen Ex-Team einen Einsatz in der Startelf schuldig zu sein glaubte, gingen keinerlei Impulse nach vorn aus. Stattdessen hätte Urdin mit einem Kopfball Richtung eigenes Tor in der 49. Minute beinahe das 0:1 verschuldet. Der Buchholzer Jakob Schulz schoss den Ball aber rechts vorbei. Dafür kam in der 58. Minute, was kommen musste, Mesenholl ließ sich an der Seitenlinie ein Pflaster auf seine blutige Nase kleben, Luca Knobloch nutzte die vorübergehende numerische Unterlegenheit der total unsortierten Bönningstedter zum 1:0 der Gäste aus der Nordheide. Das „Alles oder Nichts“ des SVR endete mit dem 0:2 von Emil Kirchhof in der Nachspielzeit. Schweigend traten die Protagonisten in Schwarz und Rot den Weg in die Kabine an.

Beim Tabellenletzten Herrscht gute Laune

Immerhin haben sie zwei Zähler mehr als der Tabellenletzte Union Tornesch auf dem Konto, der eine schwache erste Halbzeit mit seiner 13. aufeinanderfolgenden Punktspielniederlage bezahlte. „Von schlechter Stimmung kann aber weiterhin nicht die Rede sein“, betonte Trainer Thorben Reibe. Das liegt auch daran, dass sich die Tornescher im Unterschied zu den Bönningstedtern von vornherein als Kandidaten für die Abstiegsrunde gesehen hatten und bei ihrem nicht eingeplanten Aufstieg 2019 ganz genau wussten, worauf sie sich einließen. Einer mit Oberliga-Format ist aber auf jeden Fall Fabian Knottnerus, der mit seinem Treffer in der 67. Minute Hoffnung auf den ersten Saisonpunkt geweckt hatte. Mehrfach lag der Ausgleich in der Luft, ehe Mats Lahrtz den SC Victoria in der 83. Minute „erlöste“.

Oberliga, 7. Spieltag, Staffel 2

SV Rugenbergen – Buchholz 08 0:2

Tore: 0:1 Knobloch (58.), 0:2 Kirchhof (90.).

SV Rugenbergen: Hartmann – Urdin (65. Rohde), Wilckens, Beese, Schöttke (75. Kurowski) – Rühmann, Güvenir – Neumann, Mesenholl (76. Hoppe) – Richert (38. Düllberg), Worthmann.

Union Tornesch – SC Victoria 1:3

Tore: 0:1 Pressel (8.), 0:2 Scharkowski (19.), 1:2 Knottnerus (67.), 1:3 Lahrtz (83.).

Union Tornesch: Mohr – Lüneburg (84. Nötzelmann), Moritz Knottnerus, Orhan (84. Eggers) – Dora, Swennosen – P. Meyer, Kulicke (46. Kuschka) – Dohrn, Heuermann (46. von Winckelmann).

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