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Pinneberger Sieg wird vom Regen fortgespült

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Wolfgang Helm
Als der Ball noch rollt: VfL-Torschütze Marinus Hoofe setzt sich gegen Emmanuel Kwakye (FCE) durch.

Als der Ball noch rollt: VfL-Torschütze Marinus Hoofe setzt sich gegen Emmanuel Kwakye (FCE) durch.

Foto: Kalle Meincke / KBS-picture

Der Landesligist VfL führt im Pokalmatch beim klassentieferen FC Elmshorn. Dann wird das Match in der 78. Minute abgebrochen

Elmshorn/Heidgraben.  Von Anfang an Wetterleuchten am Horizont, später ein paar Blitze und leichtes Donnergrollen. In der 78. Minute öffnete dann der Himmel seine Schleusen. Doch nicht die sintflutartigen Regengüsse veranlassten Schiedsrichter Niko Lahajnar, das Lotto-Pokalspiel an der Wilhelmstraße abzubrechen. Vielmehr weigerten sich die Bezirksliga-Fußballer von Gastgeber FC Elmshorn, die gegen den VfL Pinneberg (Landesliga) mit 0:1 zurücklagen, die Partie fortzusetzen. Aus der Spielunterbrechung wurde so ein Spielabbruch.

Ungefähr eine halbe Stunde hatte es heftig geregnet, als sich der Unparteiische des TuS Borstel aus der Kabine herauswagte und mit seinen Assistenten eine Runde über den Rasen drehte. Resultat: Seiten- und Strafraumlinien waren nicht mehr zu erkennen. Als FCE-Vorstand Uwe Wölm vorschlug, den Platzwart zum Nachkreiden aus dem Feierabend zu holen, soll das der von allen Seiten belagerte Lahajnar aus Zeitgründen abgelehnt haben.

Die Elmshorner lehnen Hütchen und Stangen als Ersatz für Linien ab

Der Pinneberger Co-Trainer Theo Ourgantzidis äußerte den Gedanken, die Linien mit Hütchen und Stangen zu kennzeichnen. FCE-Vorstand Uwe Wölm und auch der Elmshorner Teammanager Daniel Witt meldeten Bedenken an. „Man stelle sich vor, ein Elfmeter wird nicht gepfiffen, weil sich der Schiedsrichter an keiner Strafraumlinie orientieren kann. Dann haben wir hier erst recht ein Gezeter auf dem Platz“, sagte Wölm.

„Früher in der Oberliga haben wir das mit den Stangen und Hütchen so gehandhabt. Das war überhaupt kein Thema“, entgegnete VfL-Trainer Marc Zippel. Nach langen Diskussionen und einer insgesamt 55-minütigen Spielunterbrechung bereitete Lahajnar dem Spuk ein Ende – Abpfiff. „Wir können natürlich nur weitermachen, wenn beide Mannschaften einverstanden sind.“ Die Pinneberger fühlten sich unterdessen um den Sieg gebracht. Uwe Wölm zeigte für ihre Verärgerung zwar absolutes Verständnis, wie er versicherte. „Allerdings müssen sich die Pinneberger auch fragen, ob sie sich im umgekehrten Fall nicht genauso wie wir verhalten hätten.“

Bis zum Wolkenbruch quälen Mücken die Zuschauer

Dieser „umgekehrte Fall“ hätte aus der 22. Minute resultieren können. Bei einer Großchance von Emmanuel Kwakye reagierte Sebastian Buß, nur aufgrund der Verletzungen von Luca Protzek und Marvin Kiesewetter zwischen die VfL-Pfosten gerückt, hervorragend. Buß hatte sich genau im richtigen Augenblick von der Torlinie gelöst. Für einen Moment vergaß Zuschauerin Yvonne Kaiser die Mückenplage, die dem Publikum bis zum Wolkenbruch zugesetzt hatte. Mal wieder was gelernt. Dass sie einen Kapuzenpullover mit dem Aufdruck „Basti“ trug, sei indes reiner Zufall und keine Huldigung, betonte die VfL-Torfrau in der Kreisliga. Den habe ihr eine Trainerin vermacht.

Dann schwärmten die Pinneberger mal aus wie Nematocera. Rechts im Strafraum schien Fatih Simsek den Ball schon verstolpert zu haben, dann glückte ihm doch noch ein Querpass, den der gut aufgelegte Marinus Hoofe zum 1:0 der Gäste verwandelte (45.). Insgesamt gestalteten die Pinneberger die Partie so, dass sie den Sieg verdient gehabt hätten. Ohnehin ersatzgeschwächt angetreten, litten die Aktionen des FCE unter dem frühzeitigen, verletzungsbedingten Ausscheiden der ehemaligen VfLer Jakub Kokoc (18.) und Asan Saliev (33.).

Auch in Heidgraben kommt es zum Spielabbruch

Spielabbruch auch auf dem Kunstrasen des Heidgrabener SV (Bezirksliga), wo die Linien naturgemäß nicht verschwimmen konnten. Nur wenige Luftkilometer von der Wilhelmstraße entfernt erwies sich das Gewitter, das beim Seitenwechsel einsetzte, jedoch als bedrohlich. Weil die Blitze nach einer halben Stunde Wartezeit immer noch vom Himmel zuckten, entschied sich der Schiedsrichter, die Gesundheit der Spieler lieber nicht zu gefährden. Die 45 Minuten des SSV Rantzau (Landesliga) in Aktion reichten dem Barmstedter Co-Trainer Tobias Thiede für ein positives Resümee: „Das war ein ganz starker Auftritt von uns.“ Wie der VfL stand auch der SSV mit einem Bein schon in der vierten Pokalrunde. Schütze des 1:0 in der fünften Minute war Onur Altunel.

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