Fussball

Jeremy Wachter schießt einen starken SV Rugenbergen ab

| Lesedauer: 4 Minuten
Wolfgang Helm
Sven Worthmann (l., SVR) im Duell mit dem zweifachen Osdorfer Torschützen Jeremy Wachter.

Sven Worthmann (l., SVR) im Duell mit dem zweifachen Osdorfer Torschützen Jeremy Wachter.

Foto: Kalle Meincke / KBS-picture

Oberligafußballer verlieren ihren Saisonauftakt beim TuS Osdorf mit 1:2. Beide Gegentore fallen durch den Vorzeigestürmer

Bönningstedt.  Trainer Michael Fischer stabilisierte seine lädierte Halswirbelsäule mit einem festgezurrten Wollschal. Patrick Hoppe benötigte ein „dickes Fell“. Hinter manchem Wort, das an diesem Abend noch gesprochen wurde, verbarg sich nämlich ein versteckter Vorwurf in Richtung des SVR-Stürmers, der in der 59. Minute die Riesenchance zur neuerlichen Führung ungenutzt gelassen hatte. Das war der Anfang vom Ende für die Oberliga-Fußballer des SV Rugenbergen, die ihr Gastspiel beim TuS Osdorf völlig unnötig 1:2 (1:1) verloren.

Bei Coach Fischer kochen die Emotionen hoch

Fischer erschreckte mit einem angedeuteten Karate-Tritt gegen die Barriere einen Zuschauer, der dahinter stand. Andere schlugen die Hände über dem Kopf zusammen. In Linksaußen-Position war Hoppe allein TuS-Keeper Nick Schmidt entgegengestrebt. Anstatt der Vollendung mit dem rechten Fuß wählte er den linken Stiefel. Der Ball touchierte den rechten Pfosten und rollte ins Aus. Und warum hat er nicht mit rechts geschossen? Das fragte sich Fischer auch. Olaf Henkel verließ die Bank und begab sich unter die Zuschauer, um sich mit einer Zigarette zu beruhigen. Da ahnte der SVR-Betreuer die Aufreger noch nicht, die das Spiel außerdem zu bieten hatte.

Mesenholl scheitert mit Schusspech am Innenpfosten

Die 86. Minute, Auftakt der dramatischen Schlussphase. Edouard Mesenholl machte es so, wie man es auch von einem Patrick Hoppe hätte erwarten dürfen. Schuss mit rechts in die rechte Ecke, der Ball flog in perfektem Bogen – an den rechten Innenpfosten, dann ins Feld zurück. Erneut erstarb den Bönningstedtern der Torschrei auf den Lippen. Pures Pech.

Der Osdorfer Gegenangriff, Mehmet Eren pfefferte den Ball aus 30 Metern an die Querstange über SVR-Torwart Patrick Hartmann, dass es nur so schepperte (87.). Ausgleichende Gerechtigkeit, also ein Unentschieden? Darauf schien es hinauszulaufen.

Doch dann eilte Sven Worthmann zur rechten Abwehrseite, um eine Lücke in der Defensive zu schließen. Der Rückpass vor den Strafraum landete bei Jeremy Wachter, den der SVR-Kapitän bewachen sollte. Unhaltbarer 20-Meter-Schuss aus den Drehung unter die Latte, das 2:1 der Osdorfer.

Der Siegtorschütze hat einhalb Jahre lang beim SVR II gespielt

Traumtor, ein Meisterwerk. Und warum spielt dieses Prachtexemplar eines wuchtigen Stürmers, das einst beinahe bei der SVR-Zweiten in der Bezirksliga versauert wäre, nicht mindestens zwei Klassen höher? Der frühere TuS-Obmann Hans Jürgen Hillers, vor seiner Osdorfer Zeit beim SuS Waldenau im Einsatz, nennt die für den Torjäger entscheidenden Faktoren. „Das sind seine Freunde am Spielfeldrand und die Freiheiten, die ihm der Club gewährt.“

Seine Klasse hatte Wachter schon in der 25. Minute bewiesen. Bei einem Eckball von Felix Spranger schraubte er sich am höchsten und ließ Hartmann mit einem Kopfball nicht den Hauch einer Abwehrchance (1:1). Hartmann nahm einen kräftigen Schluck aus der Wasserflasche. War das bitter.

Erst drei Minuten vorher hatte Mesenholl nach Flanke von Leon Neumann das 1:0 der Bönningstedter erzielt. Der SVR lieferte unterdessen noch ein Abseitstor von Marlon Stannis (36.). Bei einem mustergültigen Angriff über links mit Jan Düllbergs Querpass zu Taylan Güvenir rettete ein Osdorfer Verteidiger auf der Torlinie (41.).

Michael Fischer attestiert vielen seiner Spieler ihre bislang beste Leistung

Das waren Szenen, die Fischer trotz der Niederlage im ersten Saisonspiel letztlich milde stimmten. „Einige von uns haben die beste Leistung gezeigt, seitdem ich sie kenne.“ Wer gemeint gewesen sein könnte? Bestimmt der lauffreudige Mesenholl, der agile Jan Düllberg, die in der Innenverteidigung zumeist konsequenten Marcel Schöttke und Jannick Wilckens. Der an früherer Wirkungsstätte fehlerlose Patrick Hartmann, zudem als Vermittler erfolgreich, als sich Wilckens und Papa Ndiaye in die Haare gerieten und eine Rudelbildung drohte (69.). Doch auch für die Anderen gab’s warme Worte von Thorsten Zessin, dem früheren Liga-Manager des Wedeler TSV: „Rugenbergen war im zweiten Durchgang besser, hat mutig dagegengehalten und meiner Ansicht nach unverdient verloren.“

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