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VfL Pinneberg überzeugt beim 0:3 gegen Teutonia 05

| Lesedauer: 5 Minuten
Wolfgang Helm
Ramy Mansour (M., VfL Pinneberg) – hier attackiert von Luis Hacker – verpasst nur knapp das zwischenzeitliche 1:1 gegen Regionalligist Teutonia 05.

Ramy Mansour (M., VfL Pinneberg) – hier attackiert von Luis Hacker – verpasst nur knapp das zwischenzeitliche 1:1 gegen Regionalligist Teutonia 05.

Foto: Kalle Meincke / KBS-picture

Der Landesligist zeigt sich als guter Sparringspartner für den zwei Klassen höheren Gast. Die Fans im Stadion blicken schon auf die EM

Pinneberg.  Der Mann entspricht keiner Norm. Jedenfalls scheute sich Marc Zippel (53) nie, auch Problemfälle des Hamburger Amateur-Fußballs zu übernehmen. An diesem Freitag aber ruht er sich mal aus von der anspruchsvollen Aufgabe, das Team des VfL Pinneberg auf Landesliga-Niveau zu trimmen. Einschalten zum Abschalten. Die Nationalmannschaften von Italien und der Türkei eröffnen in Rom die EM 2021.

Der Rellinger wird in seinem Garten die Leinwand ausrollen und sich von seinen Söhnen Bennet (18) und Moritz (15) beim Wort nehmen lassen. Marc Zippel vertritt jedenfalls eine Meinung, die sich mit den allgemeinen Erwartungen überhaupt nicht deckt. „Ich sehe die Türkei als positive Überraschung des Turniers.“

Die Pinneberger überraschen positiv gegen den Regionalligisten

Angenehm überrascht haben auch seine Kicker beim 0:3 (0:1) im freundschaftlichen Vergleich mit Teutonia 05 (Regionalliga Nord). Während die Gäste aus Ottensen als Berufs-Fußballer gelten und sich deshalb dank einer Ausnahmegenehmigung der Hamburger Gesundheitsbehörde schon seit mehreren Wochen mit voller Kapelle treffen dürfen, waren die Pinneberger schließlich erst am 31. Mai ins Teamtraining zurückgekehrt.

Ramy Mansour hat den zwischenzeitlichen Ausgleich auf dem Fuß

Am Ende machten Nick Brisevac (43.) und Yves Mfumu (66., 88./ein von Kevin Beyer verursachter Foulelfmeter) mit ihren Toren zwar dem Zwei-Klassenunterschied deutlich. Die Teutonen hätten sich aber nicht beschweren dürfen, wäre Ramy Mansour zwischendurch das 1:1 gelungen. In der 60. Minute hatte der VfL-Stürmer die Gegenspieler wie Slalomstangen umkurvt. Sein finaler Schuss aber missriet. Der Ball flog weit am Ziel vorbei.

Mit viel Beifall dankten 156 Zuschauer, von denen sich viele Bier und Bratwurst gönnten, den Pinnebergern für eine forsche Darbietung. Die Vorfreude auf die EM aber ist nicht ungetrübt, wie eine Umfrage unter den Fans zeigte.

Der Profifußball hat nicht bei allen Fans den guten Stand wie vor einigen Jahren

VfL-Stammgast Jörg Niemann (64) sagt, warum. „Seitdem der Kommerz bei den Profis ins Unendliche ausufert, schlägt mein Herz nur noch für den Amateur-Sport. Außer den Spielen der deutschen Mannschaft werde ich nur noch die Halbfinalpartien und das Endspiel im Fernsehen einschalten.“

Für Tilo Starke ist EM-Fußball im Fernsehen eine angemessene Feier zum 51. Geburtstag

Im Gegensatz zu Niemann wird Tilo Starke seinen 51. Geburtstag am morgigen Sonnabend gemeinsam mit Ludmila Ceban vor der „Kiste“ verbringen. „Eine ausschweifende Party lassen die Corona-Bestimmungen noch nicht zu. Also ab aufs Sofa.“ Sein Interesse am Fußball rührt auch daher, dass Ludmilas Sohn Maxim beim Hetlinger MTV (Bezirksliga) die Pfosten bewacht. Die Lebensgefährtin, die in Moldawien zur Welt kam, drückt ganz fest Deutschland die Daumen. Starke ist skeptisch. „Weit werden sie nicht kommen. Das böse Erwachen gibts vielleicht schon am Dienstag gegen Frankreich.“

Überhaupt die „Équipe Tricolore“. Michael Brandt, vorübergehend VfL Stadionsprecher (51), rechnet fest mit dem EM-Zweiten von 2016 und amtierenden Weltmeister im Finale. Kylian Mbappe von Paris Saint-Germain gilt als der Stürmer-Star, der Spiele ganz allein entscheidet. Was allerdings den OSC Lille mit seinen türkischen Assen Burak Yilmaz, Yusuf Yazici und Zeki Celik nicht daran hinderte, dieses Jahr die französische Meisterschaft vor PSG zu erringen.

Michael Brandt tippt auf Frankreich im EM-Finale

Brandts Geheimtipp ist England. „Die haben in der Nachwuchsarbeit gewaltig aufgeholt und außerdem den Heimvorteil in London.“ Nicht ganz so schwarz sieht er für den Bundesadler. „Wir sind immer noch eine Turniermannschaft, die sich von Spiel zu Spiel steigern kann. Wenn ich bedenke, dass vier Gruppendritte weiterkommen, müssten wir die Vorrunde trotz der schweren Gegner eigentlich überstehen. Danach wäre alles möglich.“

Die EM-Begeisterung von SVR-Trainer Fischer hält sich in Grenzen

Michael Fischer, Trainer des SV Rugenbergen in der Oberliga, teilt diese Ansichten nur bedingt. „Ich stufe Deutschland höher als die Niederlande oder England ein. Auf jeden Fall gehören wir zum erweiterten Kreis der Favoriten. Vorne sehe ich aber Spanien oder Frankreich.“ Das Eröffnungsspiel wird Fischer nur am Rande begleiten. „Ich bin immer noch total übersättigt von Fußball fast rund um die Uhr in den vergangenen Monaten im TV. Meine Vorfreude hält sich deshalb in Grenzen.“

Oberliga-Kollege Thorben Reibe (Union Tornesch) ist ebenfalls wenig aufs Dabeisein fixiert, mehr aufs Mittendrin. Ab Montag trainieren die Tornescher nämlich vier- statt zweimal pro Woche. „Ich werde kein einziges Training wegen eines EM-Spiels ausfallen lassen“, kündigte der Itzehoer an. Ausnahme: Die Deutschen überstehen die Vorrunde. „Aber das wird gegen meinen Turnierfavorit Frankreich, Portugal und Ungarn höllisch schwer.“

VfL-Coach Marc Zippel blickt zufrieden auf diesen Fußballabend zurück

Schwer wird es auch für den VfL Pinneberg, den bevorstehenden Abstiegskampf in der zweithöchsten Hamburger Liga zu überstehen. „Leidenschaftlich gekämpft. Ein toller Abend.“ Möge Marc Zippel doch Anlass haben, sein Lob für das eigene Team nach dem Abpfiff des Teutonia-Spiels auch auf Manuel Neuer, Thomas Müller und Co. zu übertragen.

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